Vom Vorzeigeprojekt zum Desaster

10.05.2019
Blick auf das Gebiet der Bioethanol-Fabrik Foto: Brot für alle

Immer mehr staatliche Entwicklungsbanken und -organisationen vergeben Gelder an private Unternehmen. Welche Gefahren solche öffentlich-privaten Partnerschaften bergen, zeigt der Fall des Schweizer Konzerns Addax Bioenergy in Sierra Leone exemplarisch.

Frauen und Männer stehen Schlange vor dem schwarzen Wassertank in Tonka, einem kleinen Dorf in der Region Makeni in Sierra Leone. Seit der Genfer Konzern Addax Bioenergy vor sieben Jahren ihr Land gepachtet und neben dem Dorf eine Fabrik zur Herstellung von Bioethanol aus Zuckerrohr gebaut hat, häufen sich in Tonka die Probleme. «Wir können unser Wasser nicht mehr trinken, weil die Fabrik es vergiftet», sagt eine der Frauen.

Die Abwässer aus der Ethanol-Produktion verschmutzen nicht nur den Fluss Rokel, sondern auch das Grundwasser. Viele Bewohnerinnen klagen über Ausschläge, Übelkeit und Durchfall. Zwar haben die Verantwortlichen das Problem eingestanden und stellen dem Dorf inzwischen Wasser zur Verfügung. «Doch das Wasser reicht bei weitem nicht», erzählt ein älterer Mann. Der Lärm der Fabrik und ständiger Gestank belasten die Situation zusätzlich. Deshalb sind von Regierungsund Unternehmensseite jüngst Stimmen laut geworden, die von einer Umsiedlung des Dorfes sprechen. «Wir haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll», sagt eine andere Frau.

Einer, der die Entwicklungen rund um Tonka kritisch beobachtet, ist Joseph Saffa von der regionalen Nichtregierungsorganisation Silnorf, einer Partnerorganisation von Brot für alle. «Wir kennen andere Fälle von Umsiedlungen und wissen leider ziemlich genau, was da passiert», sagt Saffa. In der Regel würden einfach an einem anderen Ort Häuser gebaut. «Dann werden die Menschen dort abgeladen und das war’s dann», sagt Joseph Saffa. Silnorf will dafür sorgen, dass dies in Tonka nicht passiert. Deshalb verfolgt die Organisation mit Unterstützung von Brot für alle die Verhandlungen aus nächster Nähe und unterstützt die Dorfbevölkerung, ihre Interessen geltend zu machen und ihre Rechte einzufordern.

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