Themen Entwicklungspolitik: Wirtschaft und Menschenrechte

Vitol und die Menschenrechte

23.08.2015

Bern/Luzern, 24. August 2015. – Der grösste Schweizer Konzern Vitol ist zu wenig um die Wahrung von Menschenrechten und international anerkannten Umweltstandards bei seinem Kohlegeschäft in Südafrika bemüht. Das zeigt eine Analyse von Brot für alle und Fastenopfer. Intransparent bleibt, wie Vitol seine Sorgfaltspflicht wahrnimmt. Der Rohstoffkonzern liefert sehr wenig Information über die Auswirkungen seiner Handelstätigkeit auf die Menschenrechte und die Umwelt. Damit alle Konzerne ihre Sorgfaltspflicht beachten, fordern Fastenopfer und Brot für alle Vorschriften für die Schweizer Unternehmen.

In der Region Limpopo im Norden Südafrikas wird die Mine Vele erneuert und ausgebaut. Die Kohleförderung im Tagebau bedroht mindestens 5650 Arbeitsplätze. Exklusiver Exporteur der geförderten Kohle aus der Mine Vele ist der Schweizer Konzern Vitol. Der in Genf ansässige Rohstoffhändler Vitol besitzt auch für das Minenprojekt in Makhado in der gleichen Region einen Abnahmevertrag. In Makhado sollen ab Ende 2018 Koks und Steinkohle abgebaut werden. Das Dorf Mudimeli würde weitgehend von Tagebaugruben und Abraumhalden eingeschlossen, was Landwirtschaft und Wasserversorgung von 3000 Dorfbewohnern beeinträchtigen wird. Betrieben werden die Minen von Coal of Africa (CoAL), eine in Südafrika tätige australische Kohlefirma.

Befürchtungen und Busse

Gegen die Projekte gibt es in der Bevölkerung erheblichen Widerstand. Das zeigt die Arbeit von Bench Marks Foundation, einer Partnerorganisation von Brot für alle in Südafrika, wie deren Leiter John Capel, an einer Medienkonferenz in Bern ausführte. Laut Capel befürchten die Anwohnerinnen und Anwohner insbesondere Wasserverschmutzung. Er wies zudem auf die gesundheitlichen Belastungen durch den Kohlestaub hin. Dieser entsteht sowohl beim Abbau wie den Lastwagenfahrten in der Nähe der Dörfer.

Allein bei der Mine Vele werden über 800 Fahrten pro Tag erwartet. «Der Landwirtschaft und auch dem Tourismus drohen Einbussen. Mehrere tausend Arbeitsplätze dürften verloren gehen. Dabei gilt die Region Limpopo als fruchtbarer Garten und Brotkorb von Südafrika», sagte Capel. Befürchtungen, beim Kohleabbau werde zu wenig sorgfältig vorgegangen, sind nicht aus der Luft gegriffen: 2010 wurde CoAL gebüsst, weil das Unternehmen die Bedingungen der Wasserlizenzen für die Mine Vele verletzt hatte. Auch Vitol als exklusiver Exporteur der Kohle aus den Minen Vele und Makhado muss Verantwortung übernehmen, um solche Verletzungen künftig zu vermeiden. Das könnte auch helfen, Befürchtungen der Bevölkerung zu zerstreuen.

Verbindliche Regeln für alle statt bloss freiwillige Vereinbarungen

Fastenopfer und Brot für alle fordern, zusammen mit fast 70 weiteren Organisationen, dass diese Sorgfaltspflicht in der Schweiz gesetzlich geregelt wird. «Es braucht Gesetze, die die Schweizer Konzerne zwingen, ihre Geschäfte überall mit der nötigen Sorgfalt anzugehen. Die Regeln der Konzernverantwortungsinitiative werden dazu beitragen, dass die Konzerne Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen vermeiden», sagte Lucrezia Meier-Schatz, Präsidentin des Stiftungsforums von Fastenopfer und Nationalrätin, an einer Medienkonferenz in Bern. Sie spricht sich denn auch klar gegen freiwillige Massnahmen aus: «Freiwilligkeit bedeutet letztlich, die Konzerne sollen selber bestimmen, welchen Stellenwert sie den Menschenrechten und dem Umweltschutz einräumen wollen.»

Die Wirtschaft arbeitet heute global. Darum müssen Konzerne mit Sitz in der Schweiz auch ihre Verantwortung weltweit wahrnehmen. Wie wichtig diese Forderung ist, zeigt die Analyse zum Vorgehen Vitols in Südafrika. Erstmals steht der in Genf ansässige Rohstoffhändler und -verarbeiter im Fokus. Vitol ist mit 254 Milliarden Franken der umsatzmässig grösste Schweizer Konzern. Im Kohlegeschäft gehört er zu den fünf Grössten weltweit. Das bedeutet viel Macht gegenüber den Minen, bei denen Vitol die Kohle einkauft. Umso wichtiger ist, dass Vitol und andere global tätige Konzerne ihre Verantwortung wahrnehmen, damit ihre Tochterfirmen und Lieferanten die Menschenrechte sowie Umweltstandards einhalten.

Auskunft:
Yvan Maillard Ardenti, Fachperson «Unternehmen und Menschenrechte», Brot für alle, 079 489 38 24, maillard@bfa-ppp.ch 

Weitere Informationen: www.brotfueralle.ch/vitol oder www.fastenopfer.ch/vitol

Download:
Medienmitteilung als pdf »

Anfragen:

Urs Walter walter@bfa-ppp.ch, 079 489 38 24 oder
Patricio Frei, frei@fastenopfer.ch, 041 227 59 51