Bfacracy

Warum eine neue Organisationsform?

Unsere Welt wird immer schneller und komplexer, und vieles, was heute noch Gültigkeit hat, ist morgen schon überholt. Um in einem solchen System als Organisation bestehen zu können, braucht es rasche Reaktionsmöglichkeiten, viel Selbstverantwortung und eine permanente Anpassungsfähigkeit – alles Qualitäten, die klassisch hierarchisch strukturierte Organisationen nicht mitbringen.

Um diesen Herausforderungen besser begegnen zu können, hat sich Brot für alle 2015 auf die Suche gemacht nach einer neuen Organisationsform. Im April 2017 führte Brot für alle nach einer Testphase die Bfacracy ein. Diese basiert zu 90 Prozent auf dem Modell der Holacracy, wurde jedoch an die spezifischen Bedürfnisse von Brot für alle angepasst.

Wie funktioniert Bfacracy?

Brot für alle hat die herkömmliche Linienorganisation durch ein organisches Kreismodell ersetzt. Jeder Kreis hat einen spezifischen Zweck, der dazu beiträgt, die Mission von Brot für alle zu erfüllen. Jeder Kreis wird durch jeweils zwei Personen bzw. Rollen in einem übergeordneten Kreis, dem General Circle, repräsentiert. Hier werden Themen behandelt, die mehrere Kreise betreffen. Entstehen neue Bereiche innerhalb der Organisation, wird dafür ein neuer Kreis geschaffen.   
In jedem Kreis gibt es spezifische Rollen, die nötig sind, um den Zweck des Kreises zu erreichen.  Die Rollen können bei Bedarf angepasst oder von einer Person an eine andere übergeben werden. Bringt sich jemand in einer Sitzung ein, muss er/sie immer klar deklarieren, aus welcher Rolle heraus er/sie spricht, womit persönliche Interessen in den Hintergrund treten. Rollen sind dynamischer als klassische Funktionen. Braucht es neue Rollen oder besteht Anpassungsbedarf bei einer Rolle, werden diese in regelmässig stattfindenden Sitzungen angepasst.  
Nebst den dynamischen Rollen gibt es in jedem Kreis sowie auf Organisationsebene so genannte Systemrollen. Diese beinhalten gewisse Begleitungs- oder Repräsentationsaufgaben und werden alternierend von verschiedenen Personen wahrgenommen.
Sämtliche Sitzungen sind freiwillig. Wer fehlt, ist selbst dafür verantwortlich, die Informationen einzuholen oder im Vorfeld seine Inputs abzugeben. Die Sitzungen folgen einem klaren Ablauf.  

  • Check-In/Check-Out: Sie dienen dazu, die im Raum herrschende Energie transparent zu machen. Im Check-in/out können sowohl persönliche wie arbeitsbedingte Themen und Emotionen eingebracht werden.  
  • Rollenaktualisierungs-Sitzungen (strukturell): Dienen der Anpassung bestehender Rollen und der Schaffung neuer Rollen.  
  • Triage-Sitzungen (operativ): Dienen dazu, operative Spannungen (Probleme, Verbesserungsvorschläge) zu thematisieren und Transparenz zu schaffen in Bezug auf den Zustand der Gesamtorganisation (Austausch von Informationen, Kennzahlen etc.). 

«Stop complaining – start prototyping»: Kommt es zu Spannungen, etwa bei operativen Abläufen, Rollenzuteilungen oder anderen Themen, können diese von den in den Triage- oder Rollenaktualisierungsmeetings eingebracht werden. Dabei steht jedoch nicht das Problem im Vordergrund, sondern der konkrete Lösungsvorschlag, den der Spannungshalter einbringen muss, und der dann im Plenum nach einem klar definierten Ablauf «prozessiert» wird.
Die kollektive Intelligenz spielt in der Bfacracy eine wichtige Rolle: Bringt jemand in einer Sitzung einen Vorschlag ein (Rollenaktualisierung, Verbesserungsvorschläge etc.), kann jeder Anwesende einmal eine Verständnisfrage stellen und einmal seinen Input dazu abgeben. Damit wird die Meinungsvielfalt gestärkt und die Zeit für Diskussionen erheblich verkürzt.
Das neue System von Brot für alle setzt auf Selbstverantwortung. Innerhalb der ihnen zugeschriebenen Rolle können die Mitarbeitenden nach eigenem Ermessen Entscheide fällen oder Massnahmen initiieren. Dabei geht es nicht darum, nach der perfekten Lösung zu suchen, sondern nach der im aktuellen Moment bestmöglichen Lösung. Richtschnur dafür ist die Frage, ob ein Vorschlag sicher genug ist, um ihn auszuprobieren, ohne der Organisation erheblichen Schaden zuzufügen. Es gilt der Grundsatz: «It’s good enough for now and safe enough to try”. 
Mitarbeitende verfügen im Rahmen der ihnen zugeteilten Rollen über mehr Mitsprache und Selbstverantwortung. Die Bfacracy ist jedoch kein basisdemokratisches System, bei dem alle Mitarbeitenden überall Mitsprache haben.  
Für Fragen und weitere Informationen: 

Bernard DuPasquier, Organisationsentwicklung Brot für alle  

dupasquier@bfa-ppp.ch / 031 380 65 75