Glencore und die Menschenrechte

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Hintergrund

Vom Segen zum Fluch

Die Minentätigkeiten von Glencore in der Demokratischen Republik Kongo haben in der Bevölkerung grosse Hoffnung geweckt. Heute herrschen angesichts von verseuchtem Wasser, gesperrten Strassen und fehlenden Steuereinnahmen vor allem Ernüchterung und Frustration.

Das Dorf Luilu liegt am gleichnamigen Fluss in der DR Kongo. Seit Jahren wird der Fluss massiv von den Abwässern der Bergbaukonzerne verschmutzt. Auch die Kamoto Copper Company (KCC), Tochter des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore, ist mitverantwortlich dafür. Nachdem Brot für alle die Verschmutzung durch KCC öffentlich gemacht hatte, versprach der Konzern Besserung und baute Rückhaltebecken. Trotzdem läuft weiterhin stark verseuchtes Wasser von der Mine in den Fluss. Auch Glencore-Tochter Mutanda Mining macht den Menschen das Leben schwer: Sie hat eine Strasse, die durch ihr Konzessionsgebiet führt, kurzerhand für die Bevölkerung gesperrt. Diese muss nun zu Fuss einen Umweg von über 10 Kilometern auf sich nehmen, um Gemüse in der nächstgrösseren Ortschaft zu verkaufen. Auch finanziell profitiert die DR Kongo wenig von Glencore. Dank aggressiven Steuerpraktiken beschert der Konzern dem kongolesischen Staat seit 2009 Steuerausfälle von 157  Millionen Schweizer Franken– Geld das eines der ärmsten Länder der Welt dringend nötig hätte.

Aufbau der Zivilgesellschaft

Zwar sind die Pflichten der Konzerne im kongolesischen Bergbaugesetz geregelt. Doch diese halten sich wenig daran, und der Staat kontrolliert die Einhaltung nicht. Mit Unterstützung von Brot für alle versucht die lokale Zivilgesellschaft, sich gegen die Missstände zu wehren. Sie klärt die lokalen Gemeinschaften über ihre Rechte auf und zeigt ihnen, wie sie diese durchsetzen können. Und sie hilft den lokalen Dorfoberhäuptern, die komplizierten Verträge besser zu verstehen, die ihnen von Konzernjuristen zur Unterschrift vorgelegt werden. Und schliesslich hilft Brot für alle dabei, die Kompetenzen der Zivilgesellschaft selber zu stärken – zum Beispiel durch Wissen zu möglichen Recherchemethoden sowie zum Verfassen von Berichten und Plädoyers.

In Luilu ist das Wasser verseucht und Quelle für verschiedene Krankheiten © Chantal PeyerIn Luilu ist das Wasser verseucht und Quelle für verschiedene Krankheiten © Chantal Peyer

Zahlen und Fakten

Glencore in der DR Kongo

  • 1

    Grösster Kupferproduzent weltweit

    Die Provinz Katanga in der DR Kongo ist der weltweit grösste Kupferproduzent. Rund 72 Prozent der Oberfläche werden für den Bergbau genutzt.
  • 2

    Fehlende Grundversorgung

    80 Prozent der lokalen Bevölkerung in Katanga hat keinen Zugang zu einer staatlichen Grundversorgung (Schulen, Spitäler etc.) und ¾ der Ackerflächen sind in den Händen von Bergbaukonzernen.
  • 3

    Steuervermeidung

    In den letzten fünf Jahren sparte Glencore in der DR Kongo mit aggressiven Steuerpraktiken 140 Millionen Franken Steuern. Im gleichen Zeitraum zahlte die Schweiz 54 Millionen Schweizer Franken Entwicklungshilfe an die DR Kongo.
  • 4

    Reicher Konzern, armes Land

    2014 machte Glencore einen Umsatz von über 220 Milliarden Dollar. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der DR Kongo belief sich auf 35 Milliarden Dollar.
  • 5

    Gemeinschaftsausgaben im eigenen Interesse

    Von den 11 Millionen Franken, die Glencore im Jahr 2011 für Gemeinschaftsausgaben (Schulen, öffentliche Gesundheitseinrichtungen, Landwirtschaftsprojekte) verbuchte, waren 90 aus Kosten für Infrastrukturbauten wie Strassen, die in erster Linie dem Konzern nützen.

Das tut Brot für alle

Handeln vor Ort und in der Schweiz

Zusammen mit ihren Partnern im Norden und im Süden versucht Brot für alle, Glencore und andere Konzerne dazu zu bringen, ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht wahrzunehmen

In der DR Kongo

Afrewatch, Partnerorganisation von Brot für alle in der DR Kongo ist nicht per se gegen Minentätigkeiten. Ziel der Organisation ist es sicherzustellen, dass der Rohstoffabbau in einem gesetzlichen Rahmen geschieht und die Bevölkerung auch davon profitiert. Zu diesem Zweck bietet  Afrewatch Informations- und Weiterbildungsprogramme für die betroffenen Gemeinschaften an. Dabei können sie sich austauschen und erfahren mehr über Bergbaurechte und -vorschriften, die Verhinderung von Arbeitsunfällen oder Menschenrechte. Gleichzeitig lernen sie, wie sie ihre Anliegen mit den Behörden und den Verantwortlichen der Minen diskutieren können. Auch Dokumentationstechniken werden vermittelt, damit sie Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen publik machen und Druck auf die Unternehmen aufbauen können. Die Menschenrechtsorganisation Centre d’action judico-judiciare (CAJJ), die Brot für alle ebenfalls unterstützt, erleichtert vom Bergbau Betroffenen den Zugang zu Rechtsmitteln.

Südpartner von Brot für alle entnehmen Wasserproben am Luilu-Fluss © Chantal PeyerSüdpartner von Brot für alle entnehmen Wasserproben am Luilu-Fluss © Chantal Peyer
Mehr als 70 zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen die Konzernverantwortungsinitiative © KoviMehr als 70 zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützen die Konzernverantwortungsinitiative © Kovi

In der Schweiz

Öffentlich und politisch Druck machen: In der Schweiz engagiert sich Brot für alle auf politischer Ebene für mehr Konzernverantwortung und eine verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung. Zudem veröffentlicht Brot für alle Berichte  über Glencore, um die Öffentlichkeit und die Politik für die ökologischen und sozialen Folgen der Investitionen zu sensibilisieren.

Das Bewusstsein der Konzerne erhöhen: Brot für alle legt ihre Recherchen und Berichte den betroffenen Konzernen vor, um sie dazu zu bringen, ihre Geschäftspraktiken zu verbessern. In der Schweiz nimmt Brot für alle zudem an einem vom Bund initiierten Prozess teil, der sich mit einer Sorgfaltsprüfungspflicht für Rohstoffhändler befasst. Ziel ist die Entwicklung von Richtlinien, dank denen sich die Unternehmen vergewissern können, dass der Abbau der Rohstoffe keine Verletzungen der Menschen- und Umweltrechte verursacht.

Das haben wir bisher erreicht

Verbesserungen Schritt für Schritt

Seit 2012 hat Glencore seine konzerninterne Unternehmensverantwortung etwas verbessert. Das Unternehmen veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht und hat seit Mai 2014 eine Menschenrechtspolitik. Vor Ort jedoch, in der DR Kongo, sind kaum Fortschritte sichtbar. Zwar hat Glencore beim Luilu-Fluss neue Auffangbecken für die giftigen Abwässer installiert, doch sie sind ungenügend und die Verschmutzung geht weiter. Die Bevölkerung in der Umgebung der Mine Musonoi ist noch immer nicht über eine mögliche Umsiedelung informiert worden. Rund um MUMI hingegen sind einige Fortschritte zu vermelden. Die von Brot für alle unterstützte Menschenrechtsorganisation Centre d’action judico-judiciare (CAJJ) hat mit Glencore eine Einigung erzielt über die Entschädigung der Bauern, deren Land wegen den Glencore-Tätigkeiten verschmutzt wurde

Mehr über unsere Fortschritte hin zu einer gesetzlich verbindlichen Sorgfaltsprüfung finden Sie hier » 

Kontakt

ChPe
Chantal Peyer

Teamleiterin Ethisch Wirtschaften

021 614 77 10

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