Saatgut

Vielfalt statt Einfalt

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Gefahr durch Marktkonzentration in der Agrarindustrie

16.02.2017

In einem offenen Brief fordert Brot für alle die EU-Wettbewerbskommission auf, die geplanten Fusionen in der Agrarindustrie abzulehnen.

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«Wir müssen die Solidarität globalisieren.»

02.08.2017

Die Bevölkerung Guatemalas setzt sich immer mehr zur Wehr, sagt Menschenrechtsaktivist Alvaro Ramazzini. Trotzdem bleibt viel zu tun.

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Veränderung braucht einen langen Atem

11.05.2016

Nach wochenlangen heftigen Protesten ist es gelungen, das sogenannte «Monsanto-Gesetz» zu kippen, das der Kongress drei Monate vorher verabschiedet hatte.

Eine Bäuerin und ein Mitarbeiter einer Bfa-Partnerorganisaton stellen einen "kriminellen Akt" nach © Tina GoetheEine Bäuerin und ein Mitarbeiter einer Bfa-Partnerorganisaton stellen einen "kriminellen Akt" nach © Tina Goethe

Hintergrund

Wenn Konzerne bestimmen, was wir essen

In den meisten Entwicklungsländern wird Saatgut traditionellerweise von den Bauernfamilien selbst hergestellt. Neue Sortenschutzgesetze wollen dies stark einschränken und treiben die Bauernfamilien in die Abhängigkeit der globalen Agrarkonzerne.

In vielen Ländern Afrikas und Lateinamerikas sind die traditionellen bäuerlichen Saatgutsysteme stark unter Druck.  Unter dem Vorwand „das geistige Eigentum zu schützen“, werden Sortenschutzgesetze erlassen, die den Bauernfamilien die Wiederverwendung, den Tausch und Verkauf ihres Saatgutes verbieten wollen. Hinter den Entwicklungen stehen die grossen Agrarkonzerne wie Syngenta, Monsanto und DuPont, die sich damit einen Zugang zu den Märkten des Südens schaffen wollen. Denn mit dem Verkauf von Saatgut haben sie sich auch gleich einen Absatzmarkt für ihre Pestizide geschaffen, ohne die Hybrid- und Hightechsorten gar nicht wachsen.

Damit bahnt sich in den Entwicklungsländern an, was in weiten Teilen Europas und in den USA, wo die industrielle Landwirtschaft weit verbreitet ist, bereits traurige Realität ist: Die Dominanz von ein paar wenigen Saatgutherstellern und damit auch ein enormer Rückgang der Kulturpflanzenvielfalt.
Für die Bäuerinnen im Süden ist diese Entwicklung fatal: Anstatt weiterhin eigenständig Pflanzenzucht, Saatguttausch und Kleinhandel betreiben zu können, sind sie gezwungen, für viel Geld Saatgut und Düngemittel zu kaufen, und geraten damit in eine Spirale von Abhängigkeit und Verschuldung.

Zahlen und Fakten

Goliath wird immer grösser

  • 1

    Die zehn grössten Saatgutkonzerne machen heute ¾ des kommerziellen Saatgutmarktes unter sich aus. Die meisten der weltweit agierenden Saatguthersteller sind gleichzeitig auch die grössten Hersteller von Pestiziden.
  • 2

    Mehr als 50 Prozent des global gehandelten Saatguts stammen heute von Monsanto, Syngenta und DuPont
  • 3

    Während die Landwirtschaft in den Industrieländern hauptsächlich mit kommerziellem Saatgut versorgt wird, liegt der Anteil in Afrika derzeit noch unter 10 Prozent.
  • 4

    1.5 Milliarden Bäuerinnen und Bauern sind abhängig von selbst nachgebautem Saatgut.
  • 5

    Traditionell liegt das Saatgut in der Verantwortung der Frauen. In vielen Regionen der Welt sind sie für die Auswahl und Lagerung des Saatguts zuständig.
  • 6

    Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind im Laufe des 20. Jahrhunderts etwa 75 Prozent der Kulturpflanzen verloren gegangen.
Korn

Das tut Brot für alle

Ernährungssouveränität beginnt beim Saatgut

Gemeinsam mit Partnern im Norden und im Süden, wehrt sich Brot für alle gegen die Konzentration auf den Saatgutmärkten und für die Selbstbestimmung der lokalen Bauernfamilien.

Im Süden:

  • Vernetzung fördern: Brot für alle ermöglicht den Partnerorganisationen die Teilnahme an in Workshops und internationalen Treffen und fördert ihre Vernetzung, damit sie ihre Erfahrungen und Strategien im Kampf gegen die neuen Saatgutgesetze austauschen können. So profitieren beispielsweise verschiedene südamerikanische Partner von den Erfahrungen in Guatemala oder Kolumbien, wo ein entsprechendes Gesetz durch den Kampf von Bauern- und Indigenen-Organisationen erfolgreich verhindert werden konnte.
  • Anwaltschaftliche Arbeit der Südpartner unterstützen: Brot für alle unterstützt ihre Südpartner mit Wissen und Geld im Kampf gegen neue Saatgutgesetze, welche die Rechte der Bauern und Bäuerinnen einschränken und die Agrarkonzerne bevorteilen. Dies zum Beispiel über Inputs zu Gesetzesrevisionen, die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, Wissensvermittlung über Praktiken in anderen Ländern, juristischen Analysen etc.
  • Informationsarbeit fördern: Viele Bauern und Bäuerinnen kennen die möglichen Auswirkungen von Saatgut- und Sortenschutzgesetzen nicht. Brot für alle unterstützt die Partnerorganisationen darin, Informations- und Bildungsarbeit vor Ort zu machen und Alternativen zu fördern (Saatgutmessen, alternative Gesetzesvorschläge etc.)
  • Saatgutbanken fördern: Brot für alle fördert den Aufbau von Saatgutbanken, in denen das Saatgut von traditionellen Sorten aufbewahrt und geschützt wird.

Im Norden:

  • Vernetzung im Norden: Brot für alle fördert die Vernetzung mit anderen Hilfswerken in der Schweiz und der EU, um das Wissen und den Austausch zu vertiefen, gemeinsam Lobbyarbeit zu betreiben und Stellungnahmen zu veröffentlichen.
  • Sensibilisierung: Vielen Konsumentinnen und Konsumenten ist nicht bewusst, dass unsere Ernährung in den Händen einiger weniger Konzerne liegt. Brot für alle informiert die Bevölkerung mit Zeitungsartikeln, Newsletter und in eigenen Publikationen über die Problematik und zeigt Handlungsoptionen auf.
  • Syngenta beobachten: Einer der grössten Saatguthersteller weltweit hat seinen Sitz in der Schweiz. Brot für alle beobachtet deshalb die Tätigkeiten von Syngenta besonders genau und versucht, auf dessen Tätigkeiten über politische Massnahmen und öffentlichen Druck Einfluss zu nehmen.
  • Die Gesetzgebungen in Europa im Auge behalten: Auch in der EU findet derzeit eine Verschärfung der Saatgutbestimmungen statt, die die grossen Saatgutkonzerne bevorteilen. Brot für alle unterstützt Initiativen und Petitionen, die sich gegen diese unüberlegte EU-Politik wehren.

Unsere Partner

International / Süden

Kontakt

TG
Tina Goethe

Teamleiterin Recht auf Nahrung / Klimawandel

031 380 65 93

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