Land Grabbing

Palmöl anstatt Nahrung in Indonesien

Startseite / Land Grabbing / Palmöl Indonesien
Brandrodung des Urwalds, mit welcher Platz für riesige Monokultur-Plantagen von Palmöl-Pflanzen geschafft wird. Foto: Brot für alleBrandrodung des Urwalds, mit welcher Platz für riesige Monokultur-Plantagen von Palmöl-Pflanzen geschafft wird. Foto: Brot für alle

Hintergrund

Kahlschlag mit Konsequenzen

Indonesien ist seit 1990 zum weltweit grössten Exporteur von Palmöl avanciert. Auf einer Fläche, die fast so gross ist wie Deutschland, reiht sich heute eine Ölpalme an die andere. Den Preis dafür bezahlen die Umwelt und die Menschen, deren Lebensgrundlage weiträumig zerstört wird.

Ob in Lebensmitteln, in der Industrie oder für die Produktion von Agrotreibstoffen: Palmöl ist so vielseitig einsetzbar und die Ölpalme so ertragreich wie keine andere Ölpflanze – und entsprechend gefragt. Doch der Palmölboom der letzten Jahrzehnte hinterlässt tiefgreifende Spuren: So etwa in Indonesien, grösster Palmölproduzenten weltweit. Auf 31 Millionen Hektar des Inselstaates wuchsen im Jahr 2015 Ölpalmen. Ein Viertel eines der artenreichsten Regenwaldgebiete der Erde musste bislang dafür weichen. Ein Ende der Rodungen, die das Land zu einem der grössten CO2-Emittenten weltweit gemacht haben, ist nicht in Sicht. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht, ebenso wie die Lebensgrundlage und die kulturelle Identität von Millionen von Menschen, die bis dahin von und mit den Wäldern lebten.

Fäden laufen in die Schweiz

Hinter der Palmölexpansion in Indonesien steht eine klare Strategie der Regierung. Diese hat in den letzten Jahrzehnten grosszügig über traditionelle Landnutzungsrechte hinweggesehen und Konzessionen an Palmölfirmen vergeben. Proteste werden kriminalisiert und Protestierende gewaltsam weggeschafft. Auch die Schweiz trägt eine Mitverantwortung für die Zerstörung auf Indonesien: Verschiedene grosse Schweizer Banken – darunter auch die CS und die UBS – investieren in das lukrative Geschäft mit dem Pflanzengold. Zudem verhandelt die Schweiz derzeit mit Malaysia, dem zweitgrössten Palmölproduzenten von Palmöl, über ein Freihandelsabkommen. Dieses sieht unter anderem Einfuhrerleichterungen für Palmöl vor.

Nicht zuletzt hat der Round Table for Sustainable Palm Oil (RSPO), der von der von der Schweizer Regierung unterstützt wird, bei uns seinen Sitz. Dieser vergibt ein Zertifikat für nachhaltig produziertes Palmöl,  das jedoch von indonesischen und internationalen Organisationen – und auch von Brot für alle –  als «Greenwashing» kritisiert wird. 90 Prozent des vom RSPO zertifizierten Palmöls stammt aus Malaysia und Indonesien, wo viele Plantagen nachweislich weder die RSPO-Kriterien noch sonstige ernstzunehmende Nachhaltigkeits-Standards und Menschrechte einhalten.

Zahlen und Fakten

Ein Öl für viele Zwecke

  • 1

    Palmöl ist das bedeutendste Pflanzenöl weltweit: Mehr als ein Drittel des global produzierten Pflanzenöls stammt von Ölpalmen.
  • 2

    Palmöl boomt wie kein anderes: 2001 wurden weltweit 25,6 Millionen Tonnen Palmöl produziert – im Jahr 2015 waren es bereits 60 Millionen Tonnen.
  • 3

    Vom Shampoo zur Kerze bis zur Schokolade: In jedem zweiten Produkt, das wir heute im Supermarkt kaufen, hat es Palmöl.
  • 4

    Über die Hälfte des weltweit produzierten Palmöls stammt aus Indonesien (30.5 Millionen Tonnen).
  • 5

    Zusammen mit Malaysia ist Indonesien für über 90 Prozent des weltweit produzierten Palmöls verantwortlich.
  • 6

    Indonesien verfügt nach Brasilien und dem Kongobecken über die weltweit grössten Regenwälder. 10 bis 15 Prozent aller bekannten Arten an Pflanzen, Säugetieren und Vögeln leben dort.
Indonesien_LandGrabbing

Das tut Brot für alle

Hand in Hand gegen den Raubbau an Mensch und Umwelt

Die Bfa-Partnerorganisation Walhi leistet in Indonesien Aufklärungsarbeit zu den Folgen der Palmölplantagen, während Brot für alle in der Schweiz untersucht, welche Schweizer Gelder in die Plantagen fliessen.

Im Süden

Brot für alle unterstützt das indonesische Umweltschutz- und Menschenrechtsnetzwerk Walhi, das über 438 Organisationen aus 25 Provinzen in sich vereinigt. Walhi macht Recherchen und führt Kampagnen gegen die Abholzungen und Vertreibungen aufgrund des Palmölabbaus. Zudem sensibilisiert das Netzwerk die Bevölkerung für die Konsequenzen der Palmölplantagen und leistet betroffenen Dörfern juristischen Beistand.

Im Norden

Brot für alle recherchiert, ob und in welchem Umfang Schweizer Banken sowie Entwicklungsbanken in Palmöl-Konzerne investieren und macht öffentlich Druck, damit sie diese umweltzerstörenden Geschäfte beenden. Weiter sensibilisiert Brot für alle eine breite Öffentlichkeit für die Problematik Palmöl und den Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen im globalen Süden.

Das können Sie tun

  • Erkundigen Sie sich nach palmölfreien Alternativen.
  • Kaufen Sie so viel wie möglich unverarbeitete Lebensmittel, die saisongerecht, regional und biologisch angebaut wurden sowie Produkte aus fairem Handel.
  • Fragen Sie bei den Firmen ihrer Lieblingsprodukte nach, wie sie Palmöl verwenden und was sie tun, um Palmöl aus ihren Lieferketten zu verbannen.
  • Prüfen sie aufgrund der von Brot für alle veröffentlichen Unterlagen, ob Ihre Bank in Palmöl-Plantagen investiert und sprechen Sie mit ihrem Bankberater darüber.

Kontakt

Photo: Marion Nitsch
Miges Baumann

Leiter Ressort Entwicklungspolitik

+41 031 380 65 72

Mail

Pin It on Pinterest

Share This