Land Grabbing

News zum Thema Land Grabbing

OEK17_beitrag

Hinter Ölpalmplantagen stecken auch Schweizer Banken

06.03.2017

Immer wieder stehen Palmölfirmen in Indonesien in der Kritik, weil sie Menschenrechte und Gesetze nicht beachten. Auch Schweizer Banken und Finanzdienstleister bieten den Palmölfirmen ihre…

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Deklaration von Port Loko: Wir wollen unser Land zurück!

18.09.2017

Wir, die Frauen, wollen unser Land und unsere Wälder zurück damit wir eine Landwirtschaft haben können, die uns ernährt.

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Land Grabbing in Afrika – finanziert durch europäische Steuerzahler?

15.09.2017

Mehrere Entwicklungsbanken gewährten Addax in Sierra Leone Kredite. Die Schweizer Firma brachte der lokalen Bevölkerung jedoch Landverlust und Hunger.

Zeichnung einer Hand an einem Arm im Anzug, die mit den Fingern eine afrikanische Frau wegschnippt.

Hintergrund

Die Gier nach Land

Seit einigen Jahren bedroht ein neues Phänomen die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen: Der Verkauf und die Verpachtung grosser Landflächen an ausländische Staaten und Investoren. Besonders verbreitet in Afrika und Asien, nimmt Land Grabbing auch in Europa zu.

Land Grabbing betrifft rund um den Globus riesige Flächen Land. Schätzungen bewegen sich zwischen 43 Millionen bis zu 200 Millionen Hektaren – was ungefähr der Fläche Westeuropas entspricht. So viel Land wurde seit 2007 an ausländische Regierungen, an Finanzakteure, Konzerne und Privatpersonen verkauft oder verpachtet – Tendenz steigend.  Die Ursachen für die Landnahmen sind so vielfältig wie die Akteure und die Landdeals selber. Staaten wie Saudi Arabien oder Südkorea, die im Zuge der Nahrungsmittelkrisen neue Anbauflächen für ihre Bevölkerung suchten, Finanzakteure, die Land und Wasser im Zuge der Finanzkrise als sichere Anlagen entdeckten, Konzerne und Investoren, die auf den Agrotreibstoffboom aufspringen wollten. Dabei bewegen sie sich oft in Grauzonen des Rechts und in einem Niemandsland zwischen informellen Landrechten und festgeschriebenen Eigentumsverhältnissen. Unterstützung erhalten sie von Regierungen und multinationalen Institutionen, die sich davon wirtschaftlichen Aufschwung und Entwicklung erhoffen – oder auch nur privaten Profit.

Kein Ende in Sicht

Besonders betroffen von Land Grabbing sind Afrika und Asien, doch auch in Europa und Australien nimmt der Ausverkauf von grossen Landflächen laufend zu – sei es für den industriellen und grossräumigen Anbau von Nahrungsmitteln, Futtermitteln, pflanzlichen Rohstoffen, Agrotreibstoffen oder als reines Spekulationsobjekt. In den meisten Fällen spielt auch Water Grabbing eine bedeutende Rolle: Durch die Bewässerung der Monokulturen wird der lokalen Bevölkerung das Wasser abgegraben und gleich mit den angebauten Produkten exportiert. Den Preis dafür bezahlen Bauern und Bäuerinnen, Nomadenvölker, Fischer und all diejenigen Menschen, deren Lebensunterhalt von der langfristigen Nutzung der Böden abhängt. Die regional angepasste, bäuerliche Landwirtschaft wird verdrängt durch eine Agrarindustrie, bei der Boden zur Ware und zum Mittel für möglichst hohen Profit wird. Ein Modell, das bereits Millionen von Menschen die Lebensgrundlage gekostet hat.  

Zahlen und Fakten

Land Grabbing - ein globales Phänomen

  • 1

    Vorwiegend Export und Cash Crops

    Nur rund 10 Prozent der Land Grabbing-Projekte haben explizit die Produktion von Lebensmitteln- (meist für den Export - zum Ziel. Viel grösser ist die Nutzung des Landes für den Anbau exportierbarer Rohstoff-, für die Treibstoff- und Energieproduktion, Fasern, Futtermittel, Schnittblumen oder klassische Genussmittel wie Kaffee, Tee und Kakao. Einen hohen Anteil machen so genannte Flex Crops wie beispielsweise Ölpalmen, Mais, Soja. aus, die als Nahrung, aber auch zu anderen Zwecken dienen können – je nach Weltmarktsituation.
  • 2

    Hotspot Afrika

    Mindestens fünf Prozent der gesamten Ackerfläche Afrikas hat in den letzten Jahren ihren Besitzer gewechselt. Die grössten Landnahmen fanden in Ländern statt, deren Rechtsverhältnisse besonders unsicher und deren Regierungen schwach sind, und wo der Anteil der Hungernden besonders hoch ist, wie die DR Kongo, Sudan, Mosambik, Äthiopien oder Sierra Leone.
  • 3

    Land Grabbing auch in Europa

    Die Konzentration von Landbesitz hat sich auch in Europa und gerade in Osteuropa (z.B. in der Ukraine oder in Rumänien) extrem beschleunigt. In der EU kontrollieren heute drei Prozent der Grundbesitzer die Hälfte des landwirtschaftlichen Landes.
  • 4

    Kein Erfolgsmodell

    Einem grossen Teil der im Zuge von Land Grabbing verkauften oder verpachteten Landflächen liegen brach. Auch die Rate der aufgegebenen Projekte ist erheblich, wie etwa das Beispiel von Addax zeigt.
  • 5

    Traditionelle Landnutzung in Bedrängnis

    Obwohl ländliche Gemeinden 65 Prozent der globalen Landfläche nutzen, haben sie für drei Viertel ihres angestammten Landes keine gesetzlich festgeschriebenen Landrechte. Das betrifft rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit. Nur 18 Prozent der Fläche ist für Indigene und lokale Gemeinden legal abgesichert oder zugewiesen.
Eine Kundgebung mit vielen afrikanischen MenschenBrot für alle unterstützt auch zivilgesellschaftliche Initiativen im Süden, welche von Land Grabbing Betroffenen eine Stimme geben.

Das tut Brot für alle

Engagement auf vielen Ebenen

Land Grabbing zerstört die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen. Entsprechend vehement engagiert sich Brot für alle zusammen mit seinen Partnerorganisationen im Süden gegen die grossflächige Landnahme und die industrielle Landwirtschaft als deren Treiber.

  • Vernetzung gegen Land Grabbing fördern: Brot für alle unterstützt verschiedene Partnerorganisationen in Ost- und Westafrika sowie in Indonesien, die sich gegen Land Grabbing wehren und die betroffene Bevölkerung dabei unterstützen, ihren Zugang zu Land sicherzustellen. Brot für alle finanziert Workshops und Initiativen, an denen die Organisationen ihre Erfahrungen austauschen und sich vernetzen können. 
  • Pionierarbeit gegen Land Grabbing unterstützen: Auf internationaler Ebene arbeitet Brot für alle mit der Nichtregierungsorganisation Grain zusammen, die das Phänomen als erste publik machte und den Namen Land Grabbing prägte. Nebst Analysen und der Zusammenarbeit mit zahlreichen Bauernorganisationen führt Grain die Website farmlandgrab.org, auf der sämtliche Informationen zu Land Grabbing weltweit aufgeführt sind. Für ihr Engagement wurde die Organisation 2010 mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
  • Bäuerliche Landwirtschaft stärken: Brot für alle setzt sich für einen Richtungswechsel  in der Landwirtschaft ein. Denn das aktuell dominierende industrielle Landwirtschaftsmodell, das auf grossen Flächen mit dem intensiven Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln Agrarrohstoffe produziert, ist massgeblich mitverantwortlich für Land Grabbing.
  • Land Grabbing in der Schweiz thematisieren: Als erste Organisation in der Schweiz hat Brot für alle Land Grabbing in der Öffentlichkeit und in den Medien zum Thema gemacht. So unterstützte Brot für alle auch das erste Expertenseminar zum Thema, das 2009 in Genf stattfand.
  • Geldströme für Land Grabbing-Projekte unterbinden: Brot für alle hat die finanziellen Beteiligungen von Schweizer Banken und der öffentlichen Hand an Land Grabbing Projekten untersucht und macht öffentlichen Druck, damit keine öffentlichen Schweizer Gelder in Land Grabbing Projekte fliessen.

 

Ein Mann steht vor einem gerodeten FeldEin Mann vor einem gerodeten Stück Land Bild: Bort für alle

Das haben wir bisher erreicht

Import von Agrotreibstoffen erschwert

  • Höhere Hürde für den Import von Agrotreibstoffen: Brot für alle hat sich als Teil einer breiten Allianz und mit einer Petition dafür stark gemacht, dass die Schweiz die Zulassungskriterien für den Import von Agrotreibstoffen deutlich erhöht. Damit soll eine weitere Ausdehnung von Land Grabbing Projekten für die Produktion von Agrotreibstoffen verhindert werden. 
  • Verstärktes Problembewusstsein: Brot für alle hat massgeblich dazu beigetragen, dass das Problembewusstsein zum Thema Land Grabbing in der Schweiz gestiegen ist. Es gab mehrere Kampagnen zum Thema. Früh wurde öffentlich auf die Probleme hingewiesen, die durch den Anbau von Zuckerrohr in Sierra Leone entstanden sind. Dieses Projekt wurde von Addax Bioenergy, einer aus Genf kontrollierten Firma, gestartet und später verkauft.

 

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