Faire IT-Produktion

Menschenrechte im Elektroniksektor

News

IT-Rating_news

21.11.2017

In der Handy- und Computerindustrie bleiben die Arbeitsrechte ein wunder Punkt. Dies zeigt das dritte Rating von Brot für alle und Fastenopfer.

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FabrikarbeiterInnen haben wenig Grund zum Feiern

03.11.2017

Lancierung des iPhone X von Apple: Mit der Kampagne iSlave protestiert unsere Partnerorganisation SACOM gegen die Ausbeutung bei Apple-Lieferanten in China.

Eine Karikatur von Tim Cook.

Apple beutet StudentInnen als Zwangsarbeiter aus

11.07.2017

Apple lobt sich selbst für Fortschritte im Bereich Menschenrechte. Gleichzeitig werden in Zuliefer-Fabriken in China systematisch StudentInnen ausgebeutet.

Ein minderjähriger Junge arbeitet in einer MineJunger Minenarbeiter in der DR Kongo © Meinrad Schade / Fastenopfer

Hintergrund

Die Kehrseite der Hochglanz-Bildschirme

Das Geschäft mit Elektronikprodukten boomt. Der weltweite Gesamtumsatz wird auf über 2 Billionen Dollar geschätzt. Doch nebst den vielen Vorteilen, die die Geräte im Norden wie im Süden mit sich bringen, hat die IT-Industrie auch zahlreiche Schattenseiten.

Wer die Kehrseite seines Smartphones kennen lernen will, muss zu den Minen nach Kolumbien, in den Kongo oder nach China reisen. Er muss ohne Sicherheitsausrüstung in tiefe Schächte heruntersteigen, wo die Luft dünn und Tageslicht nicht vorhanden ist. Er muss sich ohne Schutzbekleidung an Fliessbänder in chinesische Fabriken stellen, zusammen mit 20’000 anderen, bis zu 14 Stunden am Tag, zu einem Lohn, der nicht zum Leben reicht. Und er wird, am Ende seiner Reise, auf einen riesigen Berg Elektroschrott stossen und wertvolle Rohstoffe finden, die auf dem Abfall landen oder Menschen und Umwelt im Süden vergiften, weil bereits wieder ein neues Gerät auf den Markt gekommen ist.

Die Schweiz trägt ihren Teil dazu bei: Sie ist das Land, in dem pro Kopf am meisten Smaprthones weltweit im Umlauf sind: 94 Prozent der Haushalte besitzen ein Handy. Genutzt wird es im Durchschnitt gerade mal 16 Monate.

Zahlen und Fakten

Wer bezahlt den Preis für unsere Smartphones?

  • 1

    Ein Smartphone besteht aus über 60 Rohstoffen. Viele kommen weltweit nur in kleinen Mengen vor – oftmals in politisch instabilen Ländern.
  • 2

    Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen im Umfeld von Minen sind häufig: Menschen werden vertrieben, Flüsse und Böden durch den Abbau vergiftet und weiträumige Gebiete in leblose Mondlandschaften verwandelt.
  • 3

    Metalle wie Tantal oder Wolfram stammen aus Gebieten wie dem Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Durch ihren Verkauf haben sich Bürgerkriegsparteien viele Jahre lang ihren blutigen Kampf finanziert – und tun es teilweise noch heute.
  • 4

    Jedes zweite Smartphone wird in China hergestellt – unter problematischen Arbeitsbedingungen mit viel zu langen Arbeitszeiten, unbezahlten Überstunden und fehlenden Sozialabsicherungen.
  • 5

    Bei der Produktion werden gesundheitsschädigende Chemikalien wie Benzol eingesetzt, die in Europa zur industriellen Anwendung längst verboten sind.
  • 6

    Vom Verkaufspreis eines Smartphones betragen die Lohnkosten gerade mal ein Prozent. Den grossen Gewinn machen die Markenfirmen – auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter, die dafür täglich am Fliessband stehen.
Werbung für unsere Kampagne mit dem Titel "Wie viel Blut steckt in deinem Smartphone.Mit einem Ethik-Ranking untersuchte Brot für alle, welche IT-Firmen auf soziale und ökologische Kriterien achten © Brot für alle / Fastenopfer

Das tut Brot für alle

Missstände aufdecken und Veränderungen einfordern

Seit 2007 engagiert sich Brot für alle dafür, dass die Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie in der Schweizer Öffentlichkeit zum Thema werden. In China unterstützt Brot für alle Partner, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der IT-Produktion stark machen.

  • Missstände bei der IT-Produktion publik machen: Brot für alle unterstützt ihre Partnerorganisation SACOM darin, missbräuchliche Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie aufzudecken. Da unabhängige Beobachter keinen Zutritt zu den Fabriken erhalten, lassen sich Sacom-Mitarbeitende inkognito bei den Firmen anstellen. Mit den Enthüllungen baut die Organisation Druck auf die Markenfirmen auf, damit diese ihre Arbeitsbedingungen verbessern.
  • Arbeitsrechte stärken: Brot für alle unterstützt das Chinese Women Network CWWN. Dieses kümmert sich insbesondere um die Anliegen der Fabrikarbeiterinnen und klärt sie über ihre Rechte auf.
  • Die Öffentlichkeit in der Schweiz sensibilisieren: Mit der langjährigen Kampagne zu Menschenrechten im Elektroniksektor macht Brot für alle zusammen mit Fastenopfer auf die problematischen Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie aufmerksam. 2014 veröffentlichten die beiden Organisationen ein Rating, das führende IT- Markenfirmen bezüglich Umwelt, Arbeitsrechte und Konfliktrohstoffe beurteilt: www.hightech-rating.ch
  • Internationale Kampagnen unterstützen: Brot für alle arbeitet mit internationalen NGOs, um problematische Arbeitsbedingungen bei IT-Markenfirmen  weltweit publik zu machen und Druck auf die Markenfirmen und ihre Zulieferer aufzubauen.
    Mehr Verantwortung von Konzernen fordern: Brot für alle engagiert sich für die Konzernverantwortungsinitiative. Diese fordert von Schweizer Unternehmen, dass sie auch bei ihren Tätigkeiten im Ausland und in ihren Lieferketten überprüfen müssen, ob Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen verletzt werden und entsprechend handeln.
  • Die Öffentliche Hand in die Pflicht nehmen:  Brot für alle und Fastenopfer engagierten sich aktiv bei der Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen, damit soziale und ökologische Kriterien bei Anschaffungen durch den Bund berücksichtigt werden.
  • Die Macht der öffentlichen Hand nutzen:  Brot für alle versucht, öffentliche Beschaffungsstellen (z.B. Kanton, Gemeinden etc.) für eine Mitgliedschaft bei Electronics Watch zu gewinnen. Die unabhängige Monitoring-Organisation will die Marktmacht der öffentlichen Beschaffer nutzen, um die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte in der globalen Elektronikbranche zu erreichen.

Aktivistin von Brot für alle spricht mit Passantin.09.09.2014; Brot fuer alle Aktion im Bahnhof Bern. © Monika Flueckiger

Das haben wir bisher erreicht

Ein Thema sichtbar gemacht

Mit der Kampagne «High-Tech-No-Rights» machen Brot für alle und Fastenopfer seit 2007 auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen der grossen IT-Hersteller aufmerksam. Insbesondere hat  Brot für alle

  • die Arbeitsbedingungen in der IT-Branche bereits 2007 in der Schweiz aufs Tapet gebracht
  • in über 1000 Medienberichten ein Millionenpublikum für die Missstände sensibilisiert
  • mit einem Pilotprojekt erreicht, dass sich Hewlett Packard für die Bildung der Arbeiterinnen und Arbeiter in Arbeitsrecht engagiert. Das Projekt wurde von der Uno als vorbildlich bezeichnet.
  • dazu beigetragen, dass die Suizidfälle bei Apple-Zulieferer Foxconn an eine breite Öffentlichkeit gelangten und Apple wie Foxconn reagieren mussten.
  • mit einem Ethik-Rating Druck auf die Hersteller-Firmen ausgeübt, damit sie sich vermehrt an die international festgelegten Arbeitsrechts-Standards halten.

Das können Sie tun

Reparieren anstatt neu kaufen

  • 1

    Lange nutzen

    Behalten Sie Ihr Gerät so lange wie möglich und lassen Sie es bei Defekten wenn möglich reparieren.
  • 2

    Faire Firmen bevorzugen

    Achten Sie beim Kauf eines neuen IT-Geräts auf Firmen, denen Arbeitsrechte und Umweltschutz ein Anliegen sind oder kaufen sie ein Fairphone, bei dem soziale und ökologische Verbesserungen höher gewichtet werden als der Profit.
  • 3

    Alte Geräte weitergeben

    Geben Sie Ihr altes Gerät Freunden oder Bekannten weiter – oder einer vertrauenswürdigen Organisation wie Solidarcomm.
  • 4

    Recyceln

    Falls Ihr Gerät nicht mehr funktioniert, bringen Sie es Ihrem Händler zurück oder einer Recyclingstelle.
  • 5

    Andere zu fairem Verhalten auffordern

    Fordern Sie von Ihrem Arbeitgeber, Ihrer Schule oder Gemeinde, bei Neuanschaffungen im IT-Bereich soziale und ökologische Kriterien zu beachten.
  • 6

    Electronics Watch beitreten

    Motivieren Sie Ihre Gemeinde, Ihren Kanton oder Ihre Hochschule dazu, Mitglied von Electronics Watch zu werden.

Unsere Partner

Im Süden

Students against corporate misbehaviour (Sacom)
Zum Projektbeschrieb „Für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie“

Chinese Women Network
Zum Projektbeschrieb „Einsatz für die Rechte der Arbeiterinnen in China“

Im Norden

Electronics Watch
Zum Projektbeschrieb „Marktmacht nutzen – mit einer Stimme sprechen“

Fastenopfer

Good Electronics

Kontakt

Karina_Mader
Karin Mader

Menschenrechte im Elektroniksektor

031 380 65 82

Mail

SACOM Video-Clip über die Ausbeutung von studentischen PraktikantInnen in Apple-Zulieferfirmen in China.

«Who pays the price?» fragt der Dokumentarfilm «Complicit» von Heather White und Lynn Zhan, der die Arbeitsbedingungen in chinesischen Elektronik-Firmen aufzeigt, und Opfer von Vergiftungen mit dem Lösungsmittel Benzol porträtiert.»

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