Faire IT-Produktion

High Tech - No Rights?

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Junger Minenarbeiter in der DR Kongo  © Meinrad Schade / FastenopferJunger Minenarbeiter in der DR Kongo © Meinrad Schade / Fastenopfer

Hintergrund

Die Kehrseite der Hochglanz-Bildschirme

Das Geschäft mit Elektronikprodukten boomt. Der weltweite Gesamtumsatz wird auf über 2 Billionen Dollar geschätzt. Doch nebst den vielen Vorteilen, die die Geräte im Norden wie im Süden mit sich bringen, hat die IT-Industrie auch zahlreiche Schattenseiten.

Wer die Kehrseite seines Smartphones kennen lernen will, muss zu den Minen nach Kolumbien, in den Kongo oder nach China reisen. Er muss ohne Sicherheitsausrüstung in tiefe Schächte heruntersteigen, wo die Luft dünn und Tageslicht nicht vorhanden ist. Er muss sich ohne Schutzbekleidung an Fliessbänder in chinesische Fabriken stellen, zusammen mit 20’000 anderen, bis zu 14 Stunden am Tag, zu einem Lohn, der nicht zum Leben reicht. Und er wird, am Ende seiner Reise, auf einen riesigen Berg Elektroschrott stossen und wertvolle Rohstoffe finden, die auf dem Abfall landen oder Menschen und Umwelt im Süden vergiften, weil bereits wieder ein neues Gerät auf den Markt gekommen ist.

Die Schweiz trägt ihren Teil dazu bei: Sie ist das Land, in dem pro Kopf am meisten Smaprthones weltweit im Umlauf sind: 94 Prozent der Haushalte besitzen ein Handy. Genutzt wird es im Durchschnitt gerade mal 16 Monate.

Zahlen und Fakten

An jedem Smartphone klebt Blut

  • 1

    Ein Smartphone besteht aus über 60 Rohstoffen. Viele kommen weltweit nur in kleinen Mengen vor – oftmals in politisch instabilen Ländern.
  • 2

    Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen im Umfeld von Minen sind häufig: Menschen werden vertrieben, Flüsse und Böden durch den Abbau vergiftet und weiträumige Gebiete in leblose Mondlandschaften verwandelt.
  • 3

    Metalle wie Tantal oder Wolfram stammen aus Gebieten wie dem Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Durch ihren Verkauf haben sich Bürgerkriegsparteien viele Jahre lang ihren blutigen Kampf finanziert – und tun es teilweise noch heute.
  • 4

    Jedes zweite Smartphone wird in China hergestellt – unter problematischen Arbeitsbedingungen (verlinkt mit Sacom-Seite) mit viel zu langen Arbeitszeiten, unbezahlten Überstunden und fehlenden Sozialabsicherungen.
  • 5

    Bei der Produktion werden gesundheitsschädigende Chemikalien wie Benzol eingesetzt, die in Europa zur industriellen Anwendung längst verboten sind.
  • 6

    Vom Verkaufspreis eines Smartphones betragen die Lohnkosten gerade mal ein Prozent. Den grossen Gewinn machen die Markenfirmen – auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter, die dafür täglich am Fliessband stehen.
Mit einem Ethik-Ranking untersuchte Brot für alle, welche IT-Firmen auf soziale und ökologische Kriterien achten  © Brot für alle / FastenopferMit einem Ethik-Ranking untersuchte Brot für alle, welche IT-Firmen auf soziale und ökologische Kriterien achten © Brot für alle / Fastenopfer

Das tut Brot für alle

Missstände aufdecken und Veränderungen einfordern

Seit 2007 engagiert sich Brot für alle dafür, dass die Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie in der Schweizer Öffentlichkeit zum Thema werden. In China unterstützt Brot für alle Partner, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in der IT-Produktion stark machen.

  • Missstände bei der IT-Produktion publik machen: Brot für alle unterstützt ihre Partnerorganisation SACOM darin, missbräuchliche Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie aufzudecken. Da unabhängige Beobachter keinen Zutritt zu den Fabriken erhalten, lassen sich Sacom-Mitarbeitende inkognito bei den Firmen anstellen. Mit den Enthüllungen baut die Organisation Druck auf die Markenfirmen auf, damit diese ihre Arbeitsbedingungen verbessern.
  • Arbeitsrechte stärken: Brot für alle unterstützt das Chinese Women Network CWWN. Dieses kümmert sich insbesondere um die Anliegen der Fabrikarbeiterinnen und klärt sie über ihre Rechte auf.
  • Die Öffentlichkeit in der Schweiz sensibilisieren: Mit der langjährigen Kampagne «High Tech – No Rights» macht Brot für alle zusammen mit Fastenopfer auf die problematischen Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie aufmerksam. 2014 veröffentlichten die beiden Organisationen ein Rating, das führende IT- Markenfirmen bezüglich Umwelt, Arbeitsrechte und Konfliktrohstoffe beurteilt: www.hightech-rating.ch
  • Internationale Kampagnen unterstützen: Brot für alle arbeitet mit internationalen NGOs, um problematische Arbeitsbedingungen bei IT-Markenfirmen  weltweit publik zu machen und Druck auf die Markenfirmen und ihre Zulieferer aufzubauen.
    Mehr Verantwortung von Konzernen fordern: Brot für alle engagiert sich für die Konzernverantwortungsinitiative. Diese fordert von Schweizer Unternehmen, dass sie auch bei ihren Tätigkeiten im Ausland und in ihren Lieferketten überprüfen müssen, ob Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen verletzt werden und entsprechend handeln. Link auf Kovi – Seite
  • Die Öffentliche Hand in die Pflicht nehmen:  Brot für alle engagiert sich aktiv bei der Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen, damit soziale und ökologische Kriterien bei Anschaffungen durch den Bund berücksichtigt werden.
  • Die Macht der öffentlichen Hand nutzen:  Brot für alle versucht, öffentliche Beschaffungsstellen (z.B. Kanton, Gemeinden etc.) für eine Mitgliedschaft bei Electronics Watch zu gewinnen. Die unabhängige Monitoring-Organisation will die Marktmacht der öffentlichen Beschaffer nutzen, um die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte in der globalen Elektronikbranche zu erreichen.

09.09.2014; Brot fuer alle Aktion im Bahnhof Bern. © Monika Flueckiger09.09.2014; Brot fuer alle Aktion im Bahnhof Bern. © Monika Flueckiger

Das haben wir bisher erreicht

Ein Thema sichtbar gemacht

Mit der Kampagne «High-Tech-No-Rights» machen Brot für alle und Fastenopfer seit 2007 auf die katastrophalen Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen der grossen IT-Hersteller aufmerksam. Insbesondere hat  Brot für alle

  • die Arbeitsbedingungen in der IT-Branche bereits 2007 in der Schweiz aufs Tapet gebracht
  • in über 1000 Medienberichten ein Millionenpublikum für die Missstände sensibilisiert
  • mit einem Pilotprojekt erreicht, dass sich Hewlett Packard für die Bildung der Arbeiterinnen und Arbeiter in Arbeitsrecht engagiert. Das Projekt wurde von der Uno als vorbildlich bezeichnet.
  • dazu beigetragen, dass die Suizidfälle bei Apple-Zulieferer Foxconn an eine breite Öffentlichkeit gelangten und Apple wie Foxconn reagieren mussten.
  • mit einem Ethik-Rating Druck auf die Hersteller-Firmen ausgeübt, damit sie sich vermehrt an die international festgelegten Arbeitsrechts-Standards halten.

Das können Sie tun

Reparieren anstatt neu kaufen

  • 1

    Lange nutzen

    Behalten Sie Ihr Gerät so lange wie möglich und lassen Sie es bei Defekten wenn möglich reparieren.
  • 2

    Faire Firmen bevorzugen

    Achten Sie beim Kauf eines neuen IT-Geräts auf Firmen, denen Arbeitsrechte und Umweltschutz ein Anliegen sind oder kaufen sie ein Fairphone, bei dem soziale und ökologische Verbesserungen höher gewichtet werden als der Profit.
  • 3

    Alte Geräte weitergeben

    Geben Sie Ihr altes Gerät Freunden oder Bekannten weiter – oder einer vertrauenswürdigen Organisation wie Solidarcomm.
  • 4

    Recyceln

    Falls Ihr Gerät nicht mehr funktioniert, bringen Sie es Ihrem Händler zurück oder einer Recyclingstelle.
  • 5

    Andere zu fairem Verhalten auffordern

    Fordern Sie von Ihrem Arbeitgeber, Ihrer Schule oder Gemeinde, bei Neuanschaffungen im IT-Bereich soziale und ökologische Kriterien zu beachten.
  • 6

    Electronics Watch beitreten

    Motivieren Sie Ihre Gemeinde dazu, Mitglied von Electronics Watch zu werden.

Kontakt

Karina_Mader
Karin Mader

Menschenrechte im Elektroniksektor

031 380 65 82

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