Elektromobilität

Die Batterie - Knackpunkt der E-Mobilität

News

Elektromobilität: Akku-Hersteller müssen transparenter werden

02.09.2020

Batterien sind der Knackpunkt der Elektromobilität. Eine neue Studie untersucht erstmals den Umgang der wichtigsten Akku-Hersteller mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen.

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«Riesige Verdunstungsanlagen in der chilenischen Atacama-Hochlandwüste. Der Abbau des Batterierohstoffs Lithium gefährdet das lokale Ökosystem und die Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung» Foto: Hemis / Alamy Stock Photo

Hintergrund

Die Batterie - Knackpunkt der Elektromobilität

Ohne massiven Ausbau der Elektromobilität ist die Abkehr von fossilen Energien und eine klimaverträglichere Verkehrsentwicklung kaum zu erreichen. Im Zentrum steht dabei der Akku, der die Energie für den Betrieb der Elektrofahrzeuge speichert.

Die Herstellung dieser Batterien erfordert jedoch selbst viel Energie und verursacht ökologische und soziale Schäden, die nicht ausgeblendet werden dürfen. Die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen halten fest, dass sich die Sorgfaltspflicht von global tätigen Konzernen über die gesamte Wertschöpfungskette erstreckt. Dies gilt auch für Akku- und Fahrzeughersteller. Die grössten sozialen und ökologischen Risiken bestehen dabei am Anfang der Lieferketten, bei der Rohstoffförderung. Mit dem steigenden Bedarf an Batterierohstoffen für die Elektromobilität nehmen diese massiv zu.

Zahlen und Fakten

  • 1

    Boom bei Elektroautos

    2019 wurden in der Schweiz gemäss Auto Schweiz über 311'000 Autos verkauft, rund 12'000 mehr als im Vorjahr. Während der Absatz von Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren rückläufig ist, erleben jene mit alternativem Antrieb einen Boom. Der Marktanteil von Elektroautos hat sich in der Schweiz 2019 mehr als verdoppelt.
  • 2

    Zunehmende Elektrifizierung

    Von 2010 bis 2018 stieg die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Akkus, dem heutigen Standard-Energiespeicher für Elektrofahrzeuge, jährlich um 30 Prozent. Dafür verantwortlich sind gemäss der Global Battery Alliance die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs sowie der wachsende Bedarf an Energiespeichern für Stromnetze.
  • 3

    Steigende Nachfrage

    Laut Prognosen der Weltbank dürfte sich die Nachfrage nach Batterierohstoffen bis 2050 gegenüber 2018 vervier- bis verfünffachen.
  • 4

    Wichtigste Batterierohstoffe

    Zu den wichtigsten Batterierohstoffen für Elektrofahrzeuge gehören Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Graphit.
  • 5

    Gefährliche Arbeitsbedingungen

    Ein grosser Teil dieser Rohstoffe wird in Ländern mit hoher Armut und schwachen Verwaltungs- und Gouvernanzstrukturen abgebaut. Während lokale Eliten mit der Rohstoffförderung teils saftige Gewinne erzielen, profitiert die Bevölkerung nur sehr begrenzt. Minenarbeiterinnen und Minenarbeiter leiden oft unter miserablen und gefährlichen Arbeitsbedingungen.
  • 6

    Klagen über Menschenrechtsverletzungen

    Gemäss dem Business & Human Rights Resource Centre beziehen sich weltweit die meisten Klagen über Menschenrechtsverletzungen auf den Rohstoffsektor. Im Vordergrund stehen etwa die Umsiedlung ganzer Dörfer im Anschluss an die Vergabe von Minenkonzessionen, die Zerstörung landwirtschaftlicher Anbauflächen, Wasserverschmutzung, Wasserknappheit, sowie die Beeinträchtigung von Sicherheit und Gesundheit der lokalen Bevölkerung durch Minenaktivitäten.
  • 7

    Lithium-Dreieck in Chile, Argentinien und Bolivien

    Das sogenannte Lithium-Dreieck in Chile, Argentinien und Bolivien hält über 60 Prozent der weltweit bekannten Reserven am “weissen Gold”. Es ist vergleichsweise günstig, weil der Rohstoff Bestandteil einer unterirdischen Salzlösung ist, und durch natürliche Verdunstung gewonnen wird. Für die Förderung einer Tonne Lithium werden etwa 2 Millionen Liter Salzlösung benötigt. Dies führt zum Absinken des Grundwasserspiegels und beeinträchtigt die Frischwasserreserven für das sensible Ökosystem und die indigene Bevölkerung.
  • 8

    Kobalt aus der DR Kongo

    In einer Elektroauto-Batterie stecken heute etwa acht Kilogramm Kobalt. Das Schwermetall stammt fast ausschliesslich aus der Demokratischen Republik Kongo und hat einen schlechten Ruf, weil beim Abbau im Kleinbergbau Kinderarbeit weit verbreitet ist, trotz bestehender Kinderschutzgesetze und Vorschriften.
  • 9

    China als grösster Produzent und Abnehmer

    China ist nicht nur der grösste Markt für Elektrofahrzeug-Akkus, sondern dominiert gleichzeitig auch weite Teile der globalen Batterielieferketten, insbesondere die Verarbeitung der Rohstoffe und die Herstellung der Speicherzellen.
  • 10

    Tesla

    Tesla gehört zu den beliebtesten Automarken. Das Unternehmen hat sich Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auf die Fahne geschrieben und strebt kobaltfreie Batterien an. Vorerst wird das umstrittene Metall jedoch weiterhin benötigt. Tesla hat gemäss Financial Times im Sommer 2020 mit Glencore einen Liefervertrag für bis zu 6000 Tonnen Kobalt pro Jahr abgeschlossen.
Foto: Markus Distelrath auf Pixabay

Das tut Brot für alle

Elektrofahrzeugbatterien unter der Lupe

Im September 2020 haben Brot für alle, Fastenopfer und der Verkehrs-Club der Schweiz VCS eine Studie zur Geschäftspolitik der sechs grössten internationalen Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien aus China, Südkorea und Japan veröffentlicht. Ebenfalls unter die Lupe genommen wurde der Schweizer Technologiekonzern ABB. Analysiert wurden firmeneigene Daten aus den Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility-Berichten zum Umgang der Unternehmen mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen, insbesondere in ihren Lieferketten.

Die Ergebnisse lauten zusammengefasst: Es gibt einen Mangel an Transparenz in den Lieferketten der Batteriehersteller, erhebliche Risiken bei der Rohstoffförderung, und eine ungenügende Wiederverwertung der Batterien und ihrer einzelnen Rohstoffe.

In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist jedoch bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.

Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.

Beim Umweltmanagement liegt der Fokus der Batteriehersteller auf den CO2-Werten. Dabei haben nur drei der sieben untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele auf die Forderungen des Pariser Klimaabkommens abgestimmt.

Das fordert Bfa

Sorgfaltspflicht und Kreislaufwirtschaft

  • Sorgfaltspflicht
    Batteriehersteller müssen ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrnehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld.
  • Öffentliche Beschaffer
    Öffentliche Beschaffer sollen dank ihrer Kaufkraft und entsprechend ihrer Vorbildrolle Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Herstellungsbedingungen einfordern, indem sie basierend auf dem revidierten öffentlichen Bundesbeschaffungsgesetz auch beim Kauf von Elektrofahrzeugen entsprechende Kriterien anwenden.
  • Investoren
    Die Anlagestrategie von Investoren in «grüne» Energietechnologien ist fragwürdig, solange die sozialen und Umweltrisiken beim Rohstoffabbau nicht mitberücksichtigt werden.
  • Recycling
    Verbesserungsmöglichkeiten bestehen gleichzeitig im Ausbau des Recyclings. Die Politik muss entsprechende Innovationen fördern sowie Anreize und Regulationen schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und anschliessend möglichst vollständig wiederverwertet werden. Recycling vermindert den Bedarf an ständig neu geförderten Rohstoffen, und die damit einhergehenden sozialen und Umweltschäden.

Das können Sie tun

Alternatives Mobilitätsverhalten

Unter dem Strich ist die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen zwar besser als jene von Fahrzeugen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Um den Rohstoffbedarf zu begrenzen, ist jedoch gleichzeitig eine Reduktion des Fahrzeugbestands notwendig. Dazu muss sich unser Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling und Veloverkehr.

Dokumente

«Die Batterie – Knackpunkt der Elektromobilität», Studie von Brot für alle, Fastenopfer und dem Verkehrs-Club der Schweiz VCS, August 2020:

Kontakt

Karin Mader

Wirtschaft & Menschenrechte
(Elektromobilität, Elektronik)

031 380 65 82

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