Medienmitteilung

Staub in der Luft und verschmutzte Böden: Glencore lässt im Kongo zu wenig Sorgfalt walten

27.11.2018
Lastwagen, die Kupfer und Kobalt transportieren, verursachen auf der Strasse zu Glencore’s KCC-Mine massive Staubbelastung. Foto: Meinrad Schade

Bern/Luzern, 27. November 2018. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verschmutzt mit seinen Kupfer- und Kobaltminen nach wie vor Luft und Böden rund um die Stadt Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. Laut dem jüngsten Bericht von Brot für alle und Fastenopfer hat sich die Lage bei der Wasserversorgung und -verschmutzung dagegen verbessert. Trotzdem stellen die beiden Organisationen fest, dass Glencore seine Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten und Umwelt nur ungenügend wahrnimmt. Abhilfe brächte die Konzernverantwortungsinitiative, die in der parlamentarischen Beratung steckt.

Für Joseph Ilunga* ist der Fall klar: «Es hat zu viel Staub in den Strassen». Der Krankenpfleger arbeitet in einem Gesundheitszentrum von Musonoi, einem Quartier der kongolesischen Minenstadt Kolwezi. Vor allem in der Trockenzeit behandelt er viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Auch die Quelle der Luftverschmutzung hat er schnell identifiziert. «Es sind die vielen Lastwagen», die auf den unbefestigten Strassen zur nahe gelegenen Kamoto Copper Company (KCC) rollen.

Die Kupfer- und Kobaltmine KCC gehört dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore. Schadstoffmessungen von Fastenopfer und Brot für alle bestätigen die Wahrnehmung des Gesundheitspersonals von Musonoi. Ende Mai 2018 lag die Staubbelastung im Quartier und im nicht weit entfernten Luilu zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Zufahrtsstrassen zur Mine sogar bei 500 Mikrogramm. Der Tagesmittel-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

Wiederholte Bodenverschmutzung

Die hohe Staubbelastung ist nur eines der Probleme im Umfeld von KCC und Mutanda Mining (MUMI), der zweiten grossen Glencore-Mine im Südosten der DR Kongo. In den letzten Jahren wurden Felder von Bauern und Bäuerinnen in der Nähe der Minen wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt. Glencore hat auf Druck von Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenopfer viele Opfer für den Ernteausfall entschädigt. Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden. Zudem hat Glencore die genaue Zusammensetzung der ausgelaufenen Substanzen in zwei Fällen nicht publik gemacht.

Die jüngste Studie ist der vierte Bericht der beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen über die Tätigkeit von Glencore in der DR Kongo seit 2011. Im Vergleich zum letzten Report von 2014 sind auch Fortschritte festzustellen. So hat Glencore das Einleiten von Abwässern aus der Mine KCC in den Fluss Luilu inzwischen unterbunden. Und für einen Teil der BewohnerInnen des Quartiers Luilu wurde ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung hat Glencore verbessert.

Abhilfe durch Konzernverantwortungsinitiative

Trotz dieser Fortschritte macht der jüngste Bericht klar, dass Glencore in der DR Kongo seine Sorgfaltspflicht nur unvollständig wahrnimmt. Ausmass und Zahl der Luft- und Bodenverschmutzungen sind nach wie vor hoch. Zudem hat der Konzern in einigen Fällen seine Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zuerst nicht anerkannt und erst auf anhaltenden Druck der lokalen Partnerorganisationen von Fastenopfer und Brot für alle Verbesserungen in die Wege geleitet.

Erneut wird damit deutlich, dass freiwillige Massnahmen von Konzernen nicht genügen. Ohne den Druck von Nichtregierungsorganisationen und aus der Zivilgesellschaft geschieht wenig. Probleme werden oft nur zögerlich angegangen und künftige kaum verhindert. Eine verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht, ist deshalb absolut notwendig. Nur so lässt sich die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Schweizer Unternehmen im Ausland konsequent einfordern.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Material zum Download: Fotos, Zusammenfassung der Studie, Vollversion der Studie (nur französisch)

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, Brot für alle, +41 79 489 38 24; maillard@bfa-ppp.ch