Solidarität auf dem Bundesplatz

22.09.2020
silva

Silva Lieberherr arbeitet bei Brot für alle als Fachperson für Landwirtschaft – und engagiert sich für den dringend notwendigen Wandel

Klimakrise ruft nach dringenden Massnahmen

Es ist wahnsinnig toll, dass vor dem Bundeshaus endlich etwas passiert, das im Verhältnis zur Dringlichkeit der Klimakrise steht. Denn was drinnen im Parlament diskutiert wird, tut das überhaupt nicht. Wenn man etwa angesichts der globalen Bedrohung darüber diskutiert, ob CO2-Abgaben für Privatjets aufgeweicht werden sollen oder nicht, und wenn einem angesichts des friedlichen Protests hunderter junger Leute nur eine gewaltsame Räumung in den Sinn kommt. Vielmehr müssten sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier drüber freuen, dass sich die Klimabewegung überhaupt noch an sie wendet.

Denn dass Wandel nötig ist, grundlegender Wandel und zwar sofort, sollte mittlerweile eigentlich jedem und jeder klar sein. Ganz offensichtlich bekommt das Parlament diesen Wandel nicht hin, obwohl es natürlich auch unter den Bundespolitikerinnen und -politikern Verbündete gibt. Aber die Menschen auf dem Bundesplatz, die in einem beeindruckenden Tempo Zelte, Küchen, Toiletten – ein ganzes Camp – aufgebaut haben, die um mich herum Transparente malen und mit Umstehenden sowie mit Parlamentarier*innen diskutieren – sie sind Teil dieses Wandels.

Solidarität ist uns wichtig. Und Solidarität ist hier viel zu spüren. Oft geht es in Diskussionen um die Menschen im globalen Süden, die jetzt schon unmittelbar unter der Klimakrise leiden. Aber nicht nur um sie, es geht auch um Black Lives Matter, oder um die Basler Aktivistin, die gestern wegen der Teilnahme an einer Demonstration zu acht Monaten unbedingter Gefängnisstrafe verurteilt worden ist. Es geht um Arbeiterinnen und Arbeiter, die in den klimaschädlichen Industrien arbeiten, und mit denen zusammen eine neue Welt erschaffen werden muss. Und es geht auch ganz konkret um diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die wegen der Besetzung auf dem Bundesplatz ihre Waren nicht abladen können. Schnell wird Hilfe für sie organisiert.

Es ist Aufgabe der Parlamentarier und Parlamentarierinnen, sich um die Lösung der Klimakrise zu kümmern. Dass sie es nicht tun, sondern sich irgendwelchen aggressiven Scheindebatten widmen, macht deutlich, weshalb die Besetzung des Bundesplatzes nötig ist. Es darf nicht geräumt werden – und dafür braucht es die Solidarität aller. 

«We are unstoppable, another world is possible!» ist einer der Rufe, die manchmal hier erklingen. Menschen können von unten die Welt verändern. Das sehe ich in Liberia, in Kamerun, in Indien – und das sehe ich hier.

Fotos und Videos von Klimastreik

PS: Jetzt wurde der Bundesplatz also geräumt. Junge Menschen haben unverdrossen friedlich, mutig und klug vor dem Bundeshaus dafür demonstriert, dass diejenigen im Bundeshaus das Ziel «Netto Null bis 2030» endlich umsetzen. Ihre Forderungen und konkreten Vorschläge scheinen sehr vernünftig. Radikal scheint hingegen, dass diese Menschen von Polizisten in Kampfmontur weggetragen wurden. Die Klimabewegung statt die Klimakrise wird als Problem behandelt. Aber, wie die Aktivisten und Aktivistinnen schreiben, «Aufgeben ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können».

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