Kampf gegen Land Grabbing

Zugang zu Land gegen Hunger

Silnorf

Das Dorf Tonka grenzt unmittelbar an eine Ethanolfabrik, in der Zuckerrohr von den umliegenden Plantagen verarbeitet wird. Tonka befindet sich auf den 14 300 Hektare, welche 2009 von der Firma Addax Bioenergy gepachtet wurden. «Als Addax kam», erzählt Umaru Kamara, «haben sie uns versprochen, dass keines der Dörfer umgesiedelt wird. Aber in unserem Dorf sind die Bedingungen schlimm geworden: Das Trinkwasser ist verschmutzt, der Rauch treibt uns Tränen in die Augen und wir haben Angst vor den Explosionen in der Fabrik». Nun will die Firma das Dorf doch umsiedeln. Sie hat aber noch nicht angekündigt, wohin die Menschen ziehen sollen. «Seit die Firma uns sagte, dass wir umgesiedelt werden, leben wir in Angst. Wir sind ruhelos – von was sollen wir am neuen Ort leben?», sagt Umaru Kamara.

Die Regierung von Sierra Leone und viele Landbesitzerinnen und -besitzer hatten 2009 dem Pachtvertrag zugestimmt. Sie vergaben ihre Landrechte für weniger als einen Dollar pro Monat und Hektar während 50 Jahren an Addax Bioenergy. Die Firma versprach Schulen und Spitäler. Doch diese Versprechen wurden nie eingehalten. Auch haben die Menschen oft nicht verstanden, welche Teile ihres Landes dieser Vertrag umfasst. Da das Projekt vom damaligen sierra-leonischen Präsidenten und den lokalen Autoritäten abgesegnet war, hatten sie kaum eine Wahl und liessen sich im guten Glauben auf den Vertrag ein.

Grosszügig unterstützt wurde das Plantagenprojekt von europäischen Entwicklungsbanken – auch von einer, die von der Schweiz mitfinanziert wird. 2016 hat die Genfer Besitzerin den sierra-leonischen Betrieb verkauft und mit der neuen Besitzerin Sunbird hat sich vieles zum Schlechten verändert. Heute haben die Bäuerinnen und Bauern die Kontrolle über ihre Ernährungsgrundlagen verloren und stehen trotz grosser Versprechungen mit weniger als vorher da. Statt Reis oder Maniok wächst auf fruchtbarem Ackerland Zuckerrohr für Agrartreibstoffe oder es wird überhaupt nicht mehr bebaut. Bauernfamilien wie die von Umaru Kamara sind so in ihrer Existenz bedroht und werden abhängig von den Entscheidungen internationaler Unternehmen.

Projektnummer

835.8076

Land

Sierra Leone

Dauer

2011 - 2020

Projektsumme

Fr. 33'000.- / Jahr

Verantwortung

Silva Lieberherr

Das Projekt

Brot für alle setzt sich gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Silnorf für die betroffenen Familien ein. Silnorf informiert die Menschen darüber, welche Rechte sie haben, und hilft ihnen, diese von den Investoren sowie vom Staat Sierra Leone einzufordern.

Doch laufend kommen neue Herausforderungen hinzu: Unter Addax existierte immerhin eine regelmässige Kommunikation zwischen der Firma und den Dorfbewohnern, doch die britische Firma Sunbird will nun nur noch selten und unregelmässig solche Sitzungen durchführen. Mittlerweile musste auch Sunbird neue Investoren suchen. Die betroffenen Menschen werden nicht informiert und sind den Launen der wechselnden Besitzer und Manager immer mehr ausgeliefert. Es ist in dieser Situation zentral, dass die Menschen sich organisieren und ihre Rechte einfordern.

Brot für alle unterstützt Silnorf dabei, die lokalen Gemeinschaften als verlässliche Partnerin in dieser schwierigen Situation zu begleiten.

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Recherche zu Sunbird Energy und Aufbau eines Kommunikations-kanals mit Sunbird, um die Probleme zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten.

  • Die Pachtverträge müssen gemäss Vertrag neu verhandelt werden. Silnorf unterstützt die Betroffenen in diesen Verhandlungen.

  • Direkte Unterstützung für Gemeinden, die beispielsweile von Umsiedlung betroffen sind. Schulungen der betroffenen Kleinbäuerinnen und -bauern über ihre Rechte und wie sie diese durchsetzen können.

Engagement im Norden

  • Brot für alle informiert die Öffentlichkeit über die Situation vor Ort und fordert Sunbird Bioenergy sowie ihre Investoren dazu auf, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen.

  • Brot für alle setzt sich mit anderen Organisationen dafür ein, dass die Entwicklungsbanken kein Land Grabbing mehr unterstützen und die Entwicklungshilfegelder den Menschen zugutekommen statt den Konzernen.

  • Brot für alle engagiert sich in der Schweiz, damit Konzerne ihre Verantwortung gegenüber Menschen und Umwelt auch im Ausland wahrnehmen müssen.

Partnerorganisation

Das «Sierra Leone Network on the Right to Food», kurz Silnorf, besteht aus 25 lokalen NGOs und zivil-gesellschaftlichen Organi-sationen. Das Netzwerk stärkt mit seinen Tätigkeiten das Bewusstsein für das Recht auf Nahrung in der Bevölkerung. Silnorf arbeitet vor Ort mit sieben Mitarbei-tenden und ist Mitglied des Afrikanischen Netzwerks für das Recht auf Nahrung.

 

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Silnorf können Schulungen organisiert werden, damit sich die lokalen Gemeinschaften für ihre Rechte einsetzen können.

PC: 40-984-9, Vermerk: Silnorf

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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