Für das Recht auf eigenes Nahrung

Ökologische Landwirtschaft schafft Lebensperspektiven für Bauernfamilien

Anafae

«Die Corona-Pandemie zeigt deutlicher denn je, dass wir mit unserem Ansatz der Agrarökologie goldrichtig liegen», erzählt uns Octavio Sánchez, Direktor von Anafae, in einem Interview. Viele Menschen in Honduras arbeiten im informellen Sektor und verdienen nun während der verhängten Ausgangssperren nichts mehr. Vielerorts wird Hunger zum Problem.

«Diejenigen, die Mais, Bohnen, Obst und Gemüse anbauen und ein paar Kleintiere halten, haben jetzt am wenigsten Probleme. Wer aber zum Beispiel voll auf Kaffeeproduktion gesetzt hat, ist anfälliger auf eine Krisensituation, in der die Lieferketten nicht mehr funktionieren. Den besten Schutz bieten ein Stück Land mit einer diversifizierten Produktion und solidarische Netzwerke, die die Lebensmittel so verteilen, dass es für alle etwas hat.» Octavio ist ebenfalls zuhause eingesperrt und darf nur einmal pro Woche zum Einkaufen aus dem Haus, aber er bleibt weiter aktiv und zuversichtlich: «Covid-19 zeigt uns, wie wichtig es ist, sich weiterhin für das Recht auf Land und Saatgut sowie für lokale Märkte und starke soziale Netzwerke in den Gemeinden einzusetzen. Kurz, für eine Lebensweise ausserhalb des kapitalistischen Systems, die nicht auf Profit ausgerichtet ist.»

Obwohl Honduras über fruchtbares Land und eine einzigartige Artenvielfalt verfügt, herrscht in den ländlichen Gebieten grosse Armut. Von den rund acht Millionen Einwohnern lebt ein Viertel von weniger als 1.25 US-Dollar pro Tag. Es mangelt den Betroffenen an Zugang zu Land und sauberem Wasser. Dazu kommt der Klimawandel mit unregelmässigen oder ausbleibenden Regenfällen, und eine Regierung, die Agrarkonzernen sehr wohlgesinnt ist. Ein neues Gesetz, welches Agrarkonzernen exklusive Rechte für zertifiziertes Saatgut geben würde, könnte die Situation der Bauernfamilien noch zusätzlich verschärfen und zeigt: «Die Regierung stellt die Rechte der Unternehmen über die der Bevölkerung», so Octavio.

Land

Honduras

Dauer

2009 bis 2023

Projektsumme

Fr. 50'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8036

Verantwortung

Tina Goethe

Das Projekt

Anafae, Partnerorganisation von Brot für alle, arbeitet derzeit zusammen mit anderen nationalen Organisationen und Netzwerken daran, das Recht auf Saatgut der Bäuerinnen und Bauern besser zu schützen.

Das sogenannte «Monsanto-Gesetz» (Ley para la protección de obtenciones de vegetales) gefährdet heute tausende von Familien, die seit jeher ihr eigenes Saatgut züchten und verbessern. Deshalb haben Anafae und ihre Partner eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Brot für alle unterstützte ihren Partner dabei mit juristischer Beratung und mit finanziellen Mitteln.

Nebst juristischer Hilfe unterstützt Anafae Bauernfamilien dabei, ihr Saatgut aus lokalen und angepassten Sorten zu gewinnen und weiterzuverwenden. Damit wird das traditionelle Wissen gestärkt und die Unabhängigkeit der Bauern und Bäuerinnen bewahrt. Mit Saatgutbanken und an Saatgutmessen können sie das Saatgut und ihre Erfahrungen im Anbau austauschen. Die so entwickelten Sorten sind den lokalen Gegebenheiten angepasst und benötigen weder Pestizide noch Kunstdünger. Dies schützt die Böden, das Grundwasser sowie die Artenvielfalt und das Klima auf lange Sicht.

Unsere Ziele

Aktivitäten im Süden

  • Unterstützung der Bäuerinnen und Bauern im Kampf um ihre Rechte

  • Weiterführung der Informationskampagnen zu Rechten betreffend Saatgut, Agrarökologie und Ernährungssouveränität

  • Die Verfassungsbeschwerde gegen das «Monsanto-Gesetz» wird weiterverfolgt

  • Erarbeitung eines alternativen Saatgutgesetztes

  • Zusammen mit den Gemeindeverwaltungen wird ein System entwickelt, das das lokale Saatgut der Bauernfamilien registriert und deren Rechte daran schützt

  • Vernetzung und Austausch mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Honduras und Lateinamerika, welche zum Saatgut arbeiten

Engagement im Norden

  • Lobbyarbeit in der Schweiz und in der EU zur Saatgutthematik. Engagement gegen die internationale Normierung von Saatgutqualität und Eigentumsrechten zu Lasten traditioneller Sorten und der Biodiversität.

  • Politischen Arbeit, um die Schweizer Regierung zur Umsetzung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern im In- und Ausland anzuhalten.

  • Sensibilisierung der Schweizer Öffentlichkeit für die Wichtigkeit der Saatgutthematik

Partnerorganisation

Die Organisation Anafae (Asociación Nacional de Fomento de la Agricultura Ecológica) umfasst 36 Mitglieder wie NGOs, Bauernorganisationen, Produzentengruppen und Bildungseinrichtungen. Anafae schult Kleinbauern-familien in agroökologischen Anbaumethoden, fördert den Austausch zwischen den Produzierenden und unterstützt die lokale Ver-marktung. Auf politischer Ebene setzt sich Anafae für Ernährungssouveränität ein und beitreibt Informations- und Sensibilisierungsarbeit.

www.anafae.org

 

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Anafae ermöglichen Sie den Aufbau einer neuen Saatgutbank.

PC: 40-984-9, Vermerk: Anafae


Die Südaktivitäten dieses Projekts werden von der DEZA mitfinanziert.

Projektauskunft

Yuri Forster

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

forster@bfa-ppp.ch


Hier das Projektblatt als PDF herunterladen »


Jetzt spenden »

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Welchen Betrag möchten Sie spenden?