Faire Lieferketten

Für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie

Fair Wear Foundation

Die Corona-Pandemie trifft Textilarbeiterinnen und -arbeiter weltweit besonders hart. In Indien beispielsweise verhing die Regierung von Ende März bis im Mai einen kompletten Lockdown. Alle Fabriken waren geschlossen, viele Migrantinnen und Migranten, die dort arbeiteten, mussten nach Hause zurückkehren. Hunderttausende marschierten zu Fuss in ihre Dörfer zurück. Nach dem Lockdown begannen die Fabriken mit etwa einem Drittel der ursprünglichen Belegschaft wieder zu produzieren. Aber nur unter strengen und übergriffigen Auflagen: Die Unternehmer schreiben den Arbeitenden häufige Gesundheitschecks und die Benutzung einer App vor, die alle ihre Bewegungen und Kontakte aufzeichnet.

Zudem sind viele Frauen durch die Pandemie aus dem Arbeitsprozess gefallen, weil sie die Kinder und Grosseltern betreuen mussten. Ihr Anteil ist von bis zu 60 auf etwa 30 Prozent gesunken. Das ist besonders verheerend, da auf ihnen oftmals auch die finanzielle Verantwortung für die gesamte Familie lastet. «Ich möchte Arbeiterinnen eine Stimme geben, damit sie sich gegen die Ausbeutung wehren und für ihre Rechte engagieren können», erklärt Shatil Ara ihr langjähriges Engagement als Koordinatorin der Fair Wear Foundation in Bangladesch.

Die Unternehmen erhalten Hilfeleistungen wie Steuererleichterungen, günstigere Zinsen auf Krediten und einen Aufschub der Rückzahlungen, um die Krise zu bewältigen. Für die Arbeiterschaft gab es jedoch keine Hilfe. Versprechen seitens der Regierung, dass die Fabriken den Arbeitenden die Löhne weiterzahlen würden, wurden nicht eingehalten. Die Industrie wehrte sich vor dem obersten Gericht erfolgreich gegen eine solche Verfügung. Da weniger als fünf Prozent der Textilarbeiterinnen und -arbeiter einer Gewerkschaft angehören und die Gewerkschaften schwach sind, konnten diese auch keine Lohn-Zahlungen aushandeln.

Region

Weltweit

Dauer

2012 - 2021

Projektsumme

Fr. 51'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8032

Verantwortung

Miges Baumann

Das Projekt

Als Gründungsmitglied der Fair Wear Foundation engagiert sich Brot für alle für die Rechte der Angestellten in der Textilindustrie. Häufig sind die vorherrschenden Anstellungsbedingungen auch nach den Gesetzen der jeweiligen Länder nicht legal. Doch wenn die Angestellten ihre Rechte nicht kennen, können sie sich auch nicht dafür einsetzen. Deshalb führt die Fair Wear Foundation mit Unterstützung von Brot für alle Schulungen zu Arbeitsrechten oder der Beurteilung der Gebäudesicherheit in den Fabriken für das Management und die Angestellten durch.

Mit der Fair Wear Foundation wurde eine bisher einmalige Kooperation geschaffen: Gewerkschaften und NGOs setzen sich mit Unternehmens-vertreter und -vertreterinnen sowie Markenlabels zusammen mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Firmen, die der Fair Wear Foundation beitreten, verpflichten sich, acht Uno-Prinzipien entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Dazu gehören eine freie Arbeitswahl, das Verbot von Diskriminierung und Kinderarbeit sowie das Recht auf existenzsichernde Löhne. Überprüft werden die Verbesserungen durch unabhängige Kontrollen, die regelmässig und unangemeldet durch lokale Partnerorganisationen durchgeführt werden. Seit 2016 unterstützt Brot für alle die Entwicklung neuer Programme für das Rechtstraining von Arbeiterinnen und Arbeitern – in Vietnam, China, Indonesien und neu auch in Indien und Bangladesch. Infolge der Corona Pandemie arbeitet die Fair Wear Foundation daran, diese Programme mit Hilfe von kurzen Informations-Videos auch Online anzubieten. Diese thematisieren vor allem die Arbeitsrechte, welche infolge der Covid-19-Krise besonders gefährdet sind, wie die Gefahr von Entlassungen oder die Gesundheit am Arbeitsplatz.

 

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Durchführung von (Online-) Trainings in den Zulieferfabriken der Fair Wear Foundation-Partner sowie Aufbau von unabhängigen Beschwerde-Mechanismen.

  • Begünstigt werden aktuell 875 000 Angestellte von Mitglied-Firmen der Fair Wear Foundation. Indirekt profitieren alle Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilbranche, da neue Standards definiert und der Druck auf die Konkurrenzfabriken erhöht wird.

Engagement im Norden

  • Um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie flächendeckend zu verbessern, macht Brot für alle die Arbeit der Fair Wear Foundation bekannt, motiviert Markenfirmen der Stiftung beizutreten und regt öffentliche Beschaffer an, von Mitgliedsfirmen einzukaufen.

  • Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten werden für die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sensibilisiert und lernen ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten kennen.

Partnerorganisation

Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Initiative von Unternehmen, Gewerk-schaften und NGOs, die sich für faire Arbeits-bedingungen in der Textil-industrie einsetzen. Die FWF engagiert sich gemein-sam mit den Unternehmen für Verbesserungen, führt unabhängige Kontrollen in den Zulieferbetrieben durch und schult die Arbeiter/innen bezüglich ihrer Rechte. Die Stiftung zählt heute 80 Mitglieder aus sieben europäischen Ländern, welche insgesamt 120 Marken vertreten. Zu den Schweizer Mitgliedern und Marken gehören u.a. Albiro, die Schweizerische Post, KJUS, Mammut, Mountain Force, Manroof, Odlo, Workfashion.
Brot für alle ist im Stiftungsrat der FWF vertreten.

www.fairwear.org

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für die Fair Wear Foundation ermöglichen Sie zum Beispiel Workshops für Näherinnen, damit sie ihre Arbeitsrechte kennenlernen.

PC: 40-984-9, Vermerk: Fair Wear Foundation

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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