Ethisch Wirtschaften

Für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie

Ethisch Wirtschaften

SACOM

«Ich stehe hier von morgens bis abends am Fliessband, wir können kaum Pausen machen, denn wir müssen einen neuen Grossauftrag für Apple in Rekordzeit erledigen», sagt Xu Min. «Erholen kann ich mich auch in meiner Freizeit kaum, denn wir wohnen zu viert in einem kleinen Raum eines firmeneigenen Wohnblocks». Die 19-Jährige studiert eigentlich Hotelmanagement an einer Berufsfachschule. «Die Arbeit in der Fabrik hat überhaupt nichts mit meiner Ausbildung zu tun», stellt Xu Min fest, «aber wenn wir uns wehren, wird die Schule uns nicht weiter fördern und das Diplom verweigern». Innerhalb der Elektronikindustrie werden anlässlich solcher «Berufspraktika» tausende von Studentinnen und Studenten als billige, temporäre Arbeitskräfte ausgebeutet, wie Nachforschungen von Sacom, Partnerorganisation von Brot für alle, ergeben haben. Zum 10-jährigen Jubiläum von Apples iPhone hat Sacom die Zustände in den Zulieferfirmen in China erneut unter die Lupe genommen, und nach wie vor bestehende Missstände aufgedeckt und dokumentiert. Die Ergebnisse hat Sacom 2017 erstmals auch in kurzen Videoanimationen zusammengefasst, welche die Situation im Comic-Stil veranschaulichen. Die Videoclips fanden schnell Verbreitung über soziale Medien und grossen Anklang insbesondere beim jungen Publikum. Dass ihre Aufklärungs- und Sensibilisierungsaktion sich lohnt, konnte Sacom bereits nach wenigen Wochen feststellen: Apple setzte bei verschiedenen Zulieferfirmen kurzfristig einen Anstellungsstopp von studentischen Praktikantinnen durch!

Sacom ging auch der Frage nach, ob Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter mit den ausbezahlten Löhnen zurechtkommen. Dabei stellt die Organisation fest, dass dies weiterhin selten möglich ist. Denn die Löhne und Sozialbeiträge halten mit den steigenden Lebenshaltungskosten in den Städten, in denen sich die wichtigsten Zulieferfirmen befinden, nicht Schritt.

Verantwortung

Karin Mader

Land

China

Dauer

2017 - 2018

Projektsumme

Fr. 60'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8052

Das Projekt

Unabhängige Beobachter erhalten keinen Zutritt zu den Fabriken. Daher lassen sich Sacom-Mitarbeitende immer wieder inkognito bei Firmen anstellen. So erhalten sie einen ungeschminkten Eindruck von den Arbeitsbedingungen. Zudem führen sie Interviews mit Fabrikarbeitenden ausserhalb des Geländes durch. Dies wird jedoch immer schwieriger und gefährlicher. Seit Januar 2017 trägt ein neues Gesetz dazu bei, dass Menschenrechtsorganisationen in China noch stärker von den Behörden kontrolliert und verfolgt werden. Unabhängige Studien, wie jene von Sacom, werden dadurch noch wichtiger. Sie zeigen auf, wie stark die Realität in den Fabriken von den Selbstdarstellungen der Hersteller und den gesetzlichen Arbeitsnormen abweicht. Die Ergebnisse der Studien werden über Brot für alle in der Schweiz und international über das Netzwerk «GoodElectronics» veröffentlicht sowie den bekannten Elektronikherstellern vorgelegt. Präzedenzfälle, wie die zahlreichen Suizide von Mitarbeitenden bei Foxconn, haben eine grosse mediale Wirkung. Sacom hilft durch ihre Forschungs- und Kampagnenarbeit, den nötigen öffentlichen Druck aufzubauen und so Veränderungen herbeizuführen – sowohl vor Ort, in den Produktionsländern, wie auch in der Schweiz und in anderen Ländern, die elektronische Geräte hauptsächlich konsumieren.

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Brot für alle unterstützt Sacom bei der Durchführung von investigativen Studien und Dokumentationen sowie bei Kampagnen und Sensibilisierungsaktionen in Hongkong/China.

  • Sacom strebt seit 2017 eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Organisationen in weiteren Ländern Südostasiens an, da die Lieferketten bestimmter internationaler Elektronik-Marken sich über verschiedene Länder erstrecken, in die sie für bessere Geschäftsbedingungen «ausweichen».

Engagement im Norden

  • Brot für alle informiert die Konsumentinnen und Konsumenten über die Herstellungsbedingungen in der IT-Branche.

  • Brot für alle engagiert sich gemeinsam mit Fastenopfer für bessere Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette der Elektronikindustrie.

  • Dank Recherchen und Kampagnen sind in der Schweiz politische Vorstösse eingereicht, die eine Neuregelung der öffentlichen Beschaffungskriterien fordern.

  • Brot für alle übt Druck auf die Hersteller-Firmen aus, damit sie sich an international festgelegte Standards im Arbeitsrecht halten.

Partnerorganisation

Sacom (Students & Scholars against corporate misbehavior), ist eine unabhängige Organisation mit Sitz in Hongkong. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen und die Rechte der Arbeitnehmenden in Fabriken zu untersuchen und ihnen auf diesem Weg zu ihrem Recht zu verhelfen. Seit der Gründung im Jahr 2005 veröffentlicht Sacom fortlaufend Studienberichte über Unternehmen in der Textil-, Elektronik und Spielzeugbranche und veranstaltet international beachtete Protestkundgebungen.

www.sacom.hk

 

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Sacom kann eine Studie über die Folgen der Arbeit mit Chemikalien durchgeführt werden.

PC: 40-984-9, Vermerk: Sacom

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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