Ethisch Wirtschaften

Für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie

 

SACOM

Jedes zweite Smartphone wird in China hergestellt. Dafür stehen die Angestellten sieben Tage pro Woche in Tausenderreihen am Fliessband. Bei der Arbeit sind sie oft giftigen Chemikalien ausgesetzt. Einige davon – so etwa das hochgiftige Benzol – sind in Europa zur industriellen Anwendung längst verboten. Um Lagerkosten zu sparen, bestellen die Konzerne extrem kurzfristig. Den Druck geben die Zulieferunternehmen an ihre Beschäftigten weiter: Bis zu 50 Überstunden pro Woche müssen sie leisten, um die Lieferfristen einzuhalten. Dabei erlaubt das chinesische Gesetz maximal 36 Überstunden pro Monat.

 

Doch viele haben keine Wahl, denn die Grundlöhne genügen nicht zum Leben. Dies zeigt eine Studie vom Oktober 2015: Obwohl ein grosser Apple-Zulieferer bessere Löhne verspricht, bezahlt er in Wahrheit nur den lokalen Mindestlohn von umgerechnet 188.- Franken pro Monat. «Immer wieder begehen Arbeitende Selbstmord, weil sie dem Druck nicht standhalten können. Beim Apple-Zulieferer Biel Crystal, wo die Hälfte aller Smartphone-Abdeckgläser herstammt, sprang eine junge Frau vom Dach. Sie hatte während zwei Monaten keinen einzigen Tag frei», erzählt Kwan Liang, Projektverantwortliche bei Sacom. Brot für alle und Sacom engagieren sich gemeinsam gegen diese unmenschlichen Arbeitsbedingungen.

Verantwortung

Karin Mader

Land

China

Dauer

2017 - 2018

Projektsumme

Fr. 60'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8052

Das Projekt

Sacom evaluiert regelmässig die Arbeitsbedingungen der Zuliefer-Fabriken von führenden IT-Herstellern wie Apple, HP oder Nokia. Da unabhängige Beobachter keinen Zutritt zu den Fabriken erhalten, lassen sich Sacom-Mitarbeitende inkognito bei den Firmen anstellen. So erhalten sie einen ungeschminkten Eindruck von den Arbeitsbedingungen. Zudem führen sie Interviews mit Fabrikarbeitenden ausserhalb des Geländes durch.

Diese unabhängigen Studien zeigen auf, wie stark die Realität in den Fabriken von den Selbstverpflichtungen der Hersteller und den gesetzlichen Arbeitsnormen abweicht. Die Ergebnisse der Studien werden über Brot für alle in der Schweiz und international über das Netzwerk «GoodElectronics» veröffentlicht sowie den bekannten Elektronikherstellern vorgelegt. Präzedenzfälle, wie die zahlreichen Suizide von Mitarbeitenden bei Foxconn, haben eine grosse mediale Wirkung. Sacom verwendet diese Beispiele, um den nötigen öffentlichen Druck aufzubauen und so Veränderungen herbeizuführen.

 

Das Engagement von Brot für alle gemeinsam mit Sacom zeigt Wirkung: 2008 führte Sacom ein Pilotprojekt bei Delta Electronics, der Zulieferfirma von Hewlett Packard, durch. Sacom informierte die Arbeiterinnen und Arbeiter über ihre Rechte. Solche Workshops zu Arbeitsrechten im chinesischen Elektroniksektor waren einmalig und öffneten weitere Türen. Die Resultate wurden zudem von John Ruggie, dem damaligen UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und Unternehmen, für die Evaluation von Beschwerdemechanismen genutzt.

Unsere Ziele

Im Süden

  • Brot für alle unterstützt Sacom bei der Durchführung von investigativen Studien und Dokumentationen. Dabei untersuchen und dokumentieren Sacom-Mitglieder als Mitarbeitende die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten.

  • Sacom strebt ab 2017 eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit gleich gesinnten Organisationen in weiteren Ländern Südostasiens an, da die Lieferketten bestimmter internationaler Elektronik-Marken sich über verschiedene Länder erstreckt, in die sie je nach Situation «ausweichen», um allfälliger Kritik zu entgehen.

Im Norden

  • Brot für alle engagiert sich gemeinsam mit Fastenopfer für bessere Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette der Elektronikindustrie

  • Dank Recherchen und Kampagnen sind politische Vorstösse auf Kantons- und Bundesebene eingereicht, die eine Neuregelung der öffentlichen Beschaffungskriterien fordern.

  • Brot für alle informiert die Konsumentinnen und Konsumenten über die Herstellungsbedingungen in der IT-Branche.

  • Brot für alle übt Druck auf die Hersteller-Firmen aus, damit sie sich vermehrt an international festgelegte Standards im Arbeitsrecht halten.

Partnerorganisation

Sacom (Students & Scholars against corporate misbehavior), ist eine unabhängige Organisation mit Sitz in Hongkong.

Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedin­gungen und die Rechte der Arbeitnehmenden in Fabriken zu untersuchen und ihnen auf diesem Weg zu ihrem Recht zu verhel­fen. Seit der Gründung im Jahr 2005 veröffentlicht Sacom fortlaufend Studien­berichte über Unternehmen in der Textil-, Elektronik- und Spielzeugbranche und veranstaltet international beachtete Protestkund­gebungen.

www.sacom.hk

 

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Sacom kann eine Studie über die Folgen der Arbeit mit Chemikalien durchgeführt werden.

PC: 40-984-9, Vermerk: Sacom

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


Hier das Projektblatt als PDF herunterladen »

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