Faire Lieferketten

Marktmacht nutzen – mit einer Stimme sprechen

Electronics Watch

«Wir geben unser Leben, um ein Einkommen zu erzielen», sagt eine Angestellte, die anonym bleiben möchte, über die gesundheitsschädigenden Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz. Eine neue Studie über Elektronikfirmen in China erklärt, wie die Arbeitsbedingungen persönliche Faktoren verstärken, die zu Verzweiflung bis hin zu Selbstmord führen. Die Fabriken wälzen den Produktions- und Preisdruck, den sie durch die auftraggebenden globalen IT-Marken erfahren, auf die Menschen an den Fliessbändern ab. Arbeitsstress ist ein wichtiger Grund für die hohen Selbstmordraten in chinesischen Elektronikfabriken. Dies belegt die Studie von Electronics Watch und Economic Rights Institute, die durch Brot für alle mitfinanziert wurde.

2010 trat die Problematik erstmals ins öffentliche Bewusstsein. Damals sorgten zahlreiche Selbstmordfälle beim taiwanesischen Apple-Zulieferer Foxconn für Schlagzeilen. Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Selbstmordfällen wurden von den Verantwortlichen jedoch kategorisch verneint. Die neue Studie untersuchte die Zustände in weiteren Firmen und belegt den Zusammenhang eindeutig. Zu den wichtigsten Aspekten zählen der Stress wegen nicht gewährten Ruhezeiten und Freitagen sowie Konflikte und Einschüchterung durch das militärisch organisierte Überwachungs-personal. Eintönige Arbeitsvorgänge ohne jegliche Änderungsperspektiven können zu Depressionen führen. Ungenügende oder nicht ausbezahlte Löhne verschärfen den psychischen Druck zusätzlich.

Aufgrund dieser Erkenntnisse sucht Electronics Watch nun einen konstruktiven Dialog mit dem internationalen Branchenverband Responsible Business Alliance (RBA) sowie mit einzelnen IT-Markenfirmen. Ziel ist, die Missstände zu beheben, damit die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter elektronische Geräte in Sicherheit und Würde und zu fairen Bedingungen produzieren können.

Projektnummer

835.8042

Land

China

Dauer

2018 - 2019

Projektsumme

Fr. 35'000 / Jahr

Verantwortung

Karin Mader

Das Projekt

Electronics Watch engagiert sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingun­gen in der Elektronikindustrie, insbesondere in Lieferbetrieben von internationalen Markenfirmen in Asien. Als Hebel dient der Organisation dabei ihre Mitgliederbasis, die vor allem aus öffentlichen Beschaffern in Europa besteht, und die dank ihrer grossen und vereinten Kaufkraft Einfluss auf die Herstellungsbedingungen im IT-Sektor ausüben können.

Gleichzeitig bietet ihnen Electronics Watch konkrete Dienstleistungen bei der verantwort-ungsvollen Beschaffung an, um sie dabei zu unterstützen, ihrer öffentlichen Vorbildrolle in Europa gerecht zu werden. In den Produktionsländern stützt sich Electronics Watch auf ein Netzwerk aus lokalen NGOs ab. Diese nehmen Missstände direkt wahr, und suchen – mit Rückendeckung und Unterstützung durch Electronics Watch – das Gespräch mit verantwortlichen Fabrikmanagern, um Abhilfe zu schaffen.

Auf Vermittlung von Brot für alle wurde der Kanton Waadt 2016 erstes Schweizer Mitglied von Electronics Watch. 2018 folgte dann das gesamte westschweizer Einkaufskonsortium für IT-Geräte, PAIR (Partenariat des Achats Informatiques Romand).

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Electronics Watch besucht die Lieferfirmen der weitgehend europäischen Mitgliederorganisationen, untersucht Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern und überwacht die Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen vor Ort.

  • Am anderen Ende der Lieferkette bietet Electronics Watch ihren Mitgliedern konkrete Dienstleistungen zum nachhaltigen und verantwortungsvollen Einkauf von IT-Geräten, welche europäisches, wie schweizerisches öffentliches Beschaffungsrecht berücksichtigen.

Engagement im Norden

  • Brot für alle sensibilisiert Schweizer KonsumentInnen, inklusive öffentliche Beschaffer, für die Arbeitssituation in der Elektronikindustrie. Dazu dienen insbesondere auch Forschungsberichte von Partnerorganisationen.

  • Brot für alle pflegt Kontakte und organisiert Treffen zwischen Electronics Watch und öffentlichen Beschaffern in der Schweiz, um diese für die Mitgliedschaft bei Electronics Watch zu gewinnen.

  • Brot für alle engagiert sich im Beirat von Electronics Watch, wie auch in internationalen Netzwerken, in denen auch Electronics Watch vertreten ist, um mit vereinten Kräften positive Veränderungen zu erwirken.

Electronics Watch ist eine unabhängige Monitoring-Organisation für öffentliche Beschaffer mit Sitz in Holland. Electronics Watch erbringt für ihre Mitglieder Dienstleistungen, welche ihre soziale Verantwortung stärken und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Elektroniksektor beitragen.
Zu den Mitgliedern von Electronics Watch zählen einzelne öffentliche Institutionen, wie auch Einkaufskonsortien in Deutschland, Grossbritannien, Holland, Spanien, Schweden und in der Schweiz.

www.electronicswatch.org

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Electronics Watch wird zum Beispiel eine Fabrik auf die Einhaltung der Arbeitsrechte untersucht.

PC: 40-984-9, Vermerk: Electronics Watch

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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