Ethisch Wirtschaften

Marktmacht nutzen – mit einer Stimme sprechen

 

Projekt: Electronics Watch

«Wir stehen den ganzen Tag am Fliessband und wiederholen die gleiche Aufgabe, wieder und wieder. Es ist sehr anstrengend» sagt Xu Min. Die 19-jährige Frau studiert Buchhaltung und ist eine von vielen Studierenden, die gezwungen werden, im Wistron-Werk in Zhongshan in Südchina zu arbeiten. «Die Arbeit hat überhaupt nichts mit meiner Ausbildung zu tun. Niemand von uns will hier sein. Wir sind alle deprimiert, aber wir haben keine Wahl, denn die Universität hat uns gesagt, dass wir unser Diplom nicht bekommen, wenn wir uns weigern.» In der Fabrik werden Server für die drei großen IT-Unternehmen HP, Dell und Lenovo hergestellt. Wie Xu Min arbeiten tausende von chinesischen Studierenden zehn bis zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, unter Bedingungen, die den chinesischen Arbeitsrechtsstandards und chinesischer Richtlinien für Praktika widersprechen.

Tausende Kilometer von Zhongshan entfernt lernen an europäischen Universitäten Millionen von jungen Europäerinnen und Europäer für ihren Universitätsabschluss. Die Hochschulen investieren viel in Elektronik-produkte: 2015 werden in Westeuropa über 4,27 Milliarden Euro für IT-Hardware, Software und Dienstleistungen ausgegeben – insbesondere für Produkte von HP, Dell und Lenovo. Im Jahr 2014 investierten sie allein in Server 461,38 Millionen Euro. Öffentliche Behörden und Universitäten sind Grossabnehmer von Elektronikerzeugnissen wie Computer, Laptops, Smartphones, Tablets, Drucker, Kopiergeräte oder Server. Gemeinsam verfügen sie über eine beträchtliche Kaufkraft. Und gemeinsam hätten sie die Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen in der Elektronikindustrie zu verbessern. Deshalb konzentriert sich Electronics Watch in ihrer Arbeit auf die öffentlichen Beschaffer in Europa.

Projektnummer

835.8042

Land

China

Dauer

2014 - 2016

Projektsumme

Fr. 25'000 / Jahr

Verantwortung

Daniela Renaud

Das Projekt

Genau wie Brot für alle engagiert sich die Initiative Electronics Watch für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Elektronik-Sektor, insbesondere in China. Electronics Watch wurde 2013 gegründet und hat die öffentlichen Beschaffer im Fokus. Diese sollen dazu gebracht werden, sich aktiv gegen Menschenrechtsverletzungen im Elektroniksektor stark zu machen. In der Branche sollen Verhaltensweisen etabliert werden, die die Verantwortung der Unternehmen für die Achtung der Menschenrechte auch in ihrer eigenen Zulieferkette berücksichtigen.

Electronics Watch führt aktuelle Studien über die sich ständig verändernde Elektronikindustrie und das öffentliche Beschaffungswesen durch, untersucht die Arbeitsbedingungen in Fabriken weltweit, die neuesten Fortschritte in der Rückverfolgbarkeit von Lieferketten und führt Workshops für Arbeitende durch. Um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern hat Electronics Watch beispielsweise einen Verhaltenskodex oder Muster-Vertragsklauseln erarbeitet. Die so geschaffenen Standards bilden die Grundlage der Kontrollen, die Electronics Watch vor Ort durchführt sowie einen juristischen Rahmen für alle am Lieferprozess beteiligten Akteure.

Unsere Ziele

Im Süden

  • Erschaffung eines umfassenden, glaubwürdigen und unabhängigen Prüfsystems für die Elektronikindustrie, in das sowohl die Arbeitnehmenden als auch lokale zivilgesellschaftliche Organisationen eingebunden sind.

  • Erarbeiten eines wirksamen, rechtlich bindenden Instruments für öffentliche Beschaffungsverantwortliche, welche bereit sind, soziale Kriterien in ihre Ausschreibungen zu integrieren. So erhalten sie genügend Einfluss auf Marken, Unternehmen und Hersteller.

Im Norden

  • Sensibilisierung der Schweizer Öffentlichkeit und der öffentlichen Beschaffer für die Arbeitssituation in der chinesischen Elektronik-industrie insbesondere über die Kampagne «High Tech – No Rights?»

  • Brot für alle pflegt Kontakte und organisiert Treffen zwischen Electronics Watch und öffentlichen Beschaffern in der Schweiz mit der Absicht, diese für die Mitgliedschaft bei Electronics Watch zu gewinnen.

  • Brot für alle arbeitet als Mitglied in der informellen Beratungsgruppe von Electronics Watch mit.

Electronics Watch ist eine unabhängige Monitoring-Organisation. Durch sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung in Europa will sie die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte in der globalen Elektronikbranche erreichen.

Electronics Watch besteht aus sieben europäischen Organisationen, die das Projekt durchführen, und wird von zahlreichen Kooperationspartnern unterstützt. Darunter befinden sich öffentliche Verwaltungen, Universitäten, Forschungszentren sowie zivilgesellschaftliche Organisationen und Netzwerke aus ganz Europa, den USA, China, Mexiko und anderen Schlüsselregionen der Elektronikindustrie.

Das Konsortium arbeitet völlig unabhängig von den Unternehmen, die überprüft werden.

www.electronicswatch.org

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für Electronics Watch wird zum Beispiel eine Fabrik auf die Einhaltung der Arbeitsrechte untersucht.

PC: 40-984-9, Vermerk: Electronics Watch

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


Hier das Projektblatt als PDF herunterladen »

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