Ethisch Wirtschaften

Den Arbeitenden in der Textilindustrie eine Stimme geben

 

Fair Wear Foundation

Am 24. April 2013 stürzte die Rana-Plaza-Textilfabrik in Sabhar, Bangladesch, ein und begrub Arbeiterinnen und Arbeiter unter sich – mehr als 1130 Menschen starben in dieser Katastrophe. Am Gebäude waren schon zuvor Risse zu sehen, es gab keinen ausreichenden Brandschutz und zu wenig Notausgänge. Vor und mit der Berichterstattung über die Tragödie wurden auch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Näherinnen bekannt: Arbeiterinnen werden geschlagen, Kinderarbeit ist verbreitet. In Rana Plaza wurde für Marken produziert, die bei uns verkauft werden wie C&A, Benetton oder Mango. Diese Katastrophe zeigt exemplarisch die Probleme in der Textilindustrie auf.

«Ich möchte Arbeiterinnen eine Stimme geben, damit sie sich gegen die Ausbeutung und für ein besseres Leben einsetzen können», betont Shatil Ara, Koordinatorin der Fair Wear Foundation (FWF) in Bangladesch. Rund 75 Prozent der Angestellten in der Textilindustrie sind Frauen. Auf ihnen lastet oftmals die Verantwortung für die ganze Familie. In Bangladesch zum Beispiel arbeitet eine Näherin bis zu 16 Stunden am Tag an sieben Tagen pro Woche. Und dies zu einem Lohn, der bei weitem nicht reicht für ein Leben in Würde. Kommt es zu Arbeitsunfällen oder anderen Absenzen, zum Beispiel durch Krankheit oder Schwangerschaft, haben die Frauen keinerlei soziale Absicherung und stehen vor dem Nichts.

Region

Weltweit

Dauer

2012 - 2017

Projektsumme

Fr. 50'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8032

Verantwortung

Miges Baumann

Das Projekt

Als Gründungsmitglied der Fair Wear Foundation engagiert sich Brot für alle für die Rechte der Angestellten in der Textilindustrie. Häufig sind die Anstellungsbedingungen auch nach den Gesetzen der jeweiligen Länder nicht legal. Doch wenn die Angestellten ihre Rechte nicht kennen, können sie sich auch nicht dafür einsetzen. Deshalb führt die Fair Wear Foundation mit Unterstützung von Brot für alle Schulungen zu Arbeitsrechten oder der Beurteilung der Gebäudesicherheit in den Fabriken durch, für das Management und die Angestellten.

Mit der Fair Wear Foundation wurde eine bisher einmalige Kooperation geschaffen: Gewerkschaften und NGOs wie Brot für alle setzen sich zusammen mit Unternehmensvertretern und Markenlabels – mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Firmen, die der Fair Wear Foundation beitreten, verpflichten sich, acht UNO-Prinzipien entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Dazu gehören eine freie Arbeitswahl, das Verbot von Diskriminierung und Kinderarbeit sowie das Recht auf existenzsichernde Löhne. Weiter umfassen die Prinzipien die Vereinigungsfreiheit, das Recht auf Kollektivverhandlungen, angemessene Arbeitszeiten, sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen sowie ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis. Überprüft werden die Verbesserungen durch unabhängige Kontrollen, die regelmässig und unangemeldet durch lokale Partnerorganisationen durchgeführt werden. 2015 ist zudem mit Unterstützung von Brot für alle der erste elektronische Factory Guide erschienen, welcher dem Management vor Ort hilft, Missstände zu erkennen und bessere Arbeitsbedingungen umzusetzen.

 

2016 unterstützt Brot für alle die Entwicklung neuer Programme für das Rechtstraining von Arbeiterinnen und Arbeitern – in China und anderen asiatischen Ländern. Dank den Kursen, die auf den früheren Basiskursen aufbauen, sollen sich die Angestellten 2017 im Dialog mit dem Management besser für ihre Arbeitsrechte einsetzen können.

 

Unsere Ziele

Im Süden

  • Durchführung von Trainings in den Zulieferfabriken der Fair Wear Foundation-Partner sowie Aufbau von unabhängigen Beschwerde-Mechanismen.

  • Begünstigt werden aktuell 875‘000 Angestellte von Mitglied-Firmen der Fair Wear Foundation. Indirekt profitieren alle Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilbranche, da neue Standards definiert und der Druck auf die Konkurrenzfabriken erhöht wird.

Im Norden

  • Um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie flächendeckend zu verbessern, macht Brot für alle die Arbeit der Fair Wear Foundation bekannt, motiviert Markenfirmen der Stiftung beizutreten und regt öffentliche Beschaffer an, von FWF-Mitgliedsfirmen einzukaufen.

  • Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten werden für die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sensibilisiert und lernen ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten kennen.

Partnerorganisation

Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Initiative von Unternehmen, Gewerkschaften und NGOs, die sich für faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzen. Die FWF engagiert sich gemeinsam mit den Unternehmen für Verbesserungen, führt unabhängige Kontrollen in den Zulieferbetrieben durch und schult die Arbeiter/innen bezüglich ihrer Rechte. Die Stiftung zählt heute 80 Mitglieder aus sieben europäischen Ländern, welche insgesamt 120 Marken vertreten. Zu den Schweizer Mitgliedern und Marken gehören u.a. die Schweizerische Post, switcher, Mammut, Mountain Force, Mountain Equipment, manroof, Odlo und Transa. Brot für alle ist im Stiftungsrat der FWF vertreten.

www.fairwear.org

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für die Fair Wear Foundation ermöglichen Sie zum Beispiel Workshops für Näherinnen, damit sie ihre Arbeitsrechte kennenlernen.

PC: 40-984-9, Vermerk: Fair Wear Foundation

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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