Faire Lieferketten

Den Arbeiterinnen und Arbeitern in der Textilindustrie eine Stimme geben

Fair Wear Foundation

Bauern arbeiten auf ihren Reisfeldern, Hähne krähen, Schweine suhlen sich im Dreck. Inmitten dieser südvietnamesischen Idylle steht die Fabrikanlage der Viva Vina Co. Ldt. Die meisten Arbeiterinnen der Fabrik stammen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern. Sie nähen Rucksäcke für verschiedene europäische Marken wie Intersport oder Haglöfs.

Die Fair Wear Foundation untersuchte die Fabrik 2017 und befragte die Arbeiterinnen zu ihren Arbeitsbedingungen: Die Fragen wurden brav nach dem Motto «smile and keep silent» beantwortet. Die Angestellten der Fair Wear Foundation wissen aber, dass sie solche Aussagen nicht unhinterfragt glauben müssen: Vor Untersuchungen werden die Arbeiterinnen von den Firmen trainiert, damit diese das «Richtige» sagen und die Firmen in ein gutes Licht rücken. «Gute Audits bedeuten gesicherte Jobs und die Arbeiterinnen können das ihre dazu beitragen», wird ihnen eingetrichtert. Deshalb gehört es zur Aufgabe der Fair Wear Foundation ein Vertrauens-verhältnis zu den Arbeiterinnen und Arbeitern aufzubauen.

 «Ich möchte Arbeiterinnen eine Stimme geben, damit sie sich gegen die Ausbeutung wehren und für ihre Rechte engagieren können.» erklärt Shatil Ara ihr langjähriges Engagement als Koordinatorin der Fair Wear Foundation in Bangladesch. Rund 75 Prozent der Angestellten in der Textilindustrie sind Frauen. Auf ihnen lastet oftmals die Verantwortung für die ganze Familie. In Bangladesch zum Beispiel arbeitet eine Näherin bis zu 16 Stunden am Tag an sieben Tagen pro Woche. Und dies zu einem Lohn, der bei weitem nicht reicht für ein Leben in Würde. Kommt es zu Arbeitsunfällen oder anderen Absenzen, etwa durch Krankheit oder Schwangerschaft, haben die Frauen keinerlei soziale Absicherung und stehen von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts.

Region

Weltweit

Dauer

2012 - 2019

Projektsumme

Fr. 50'000.- / Jahr

Projektnummer

835.8032

Verantwortung

Miges Baumann

Das Projekt

Als Gründungsmitglied der Fair Wear Foundation engagiert sich Brot für alle für die Rechte der Angestellten in der Textilindustrie. Häufig sind die vorherrschenden Anstellungsbedingungen auch nach den Gesetzen der jeweiligen Länder nicht legal. Doch wenn die Angestellten ihre Rechte nicht kennen, können sie sich auch nicht dafür einsetzen. Deshalb führt die Fair Wear Foundation mit Unterstützung von Brot für alle Schulungen zu Arbeitsrechten oder der Beurteilung der Gebäudesicherheit in den Fabriken für das Management und die Angestellten durch.

Mit der Fair Wear Foundation wurde eine bisher einmalige Kooperation geschaffen: Gewerkschaften und NGOs setzen sich mit Unternehmensvertreter- und vertreterinnen sowie Markenlabels zusammen mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Firmen, die der Fair Wear Foundation beitreten, verpflichten sich, acht Uno-Prinzipien entlang der gesamten Lieferkette umzusetzen. Dazu gehören eine freie Arbeitswahl, das Verbot von Diskriminierung und Kinderarbeit sowie das Recht auf existenzsichernde Löhne.

Überprüft werden die Verbesserungen durch unabhängige Kontrollen, die regelmässig und unangemeldet durch lokale Partnerorganisationen durchgeführt werden. Seit 2016 unterstützt Brot für alle die Entwicklung neuer Programme für das Rechtstraining von Arbeiterinnen und Arbeitern – in Vietnam, China, Indonesien und anderen asiatischen Ländern. Dank den Kursen, die auf den früheren Basiskursen aufbauen, sollen sich die Angestellten besser für ihre Arbeitsrechte einsetzen können.

 

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Durchführung von Trainings in den Zulieferfabriken der Fair Wear Foundation-Partner sowie Aufbau von unabhängigen Beschwerde-Mechanismen.

  • Begünstigt werden aktuell 875 000 Angestellte von Mitglied-Firmen der Fair Wear Foundation. Indirekt profitieren alle Arbeiterinnen und Arbeiter der Textilbranche, da neue Standards definiert und der Druck auf die Konkurrenzfabriken erhöht wird.

Engagement im Norden

  • Um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie flächendeckend zu verbessern, macht Brot für alle die Arbeit der Fair Wear Foundation bekannt, motiviert Markenfirmen der Stiftung beizutreten und regt öffentliche Beschaffer an, von FWF-Mitgliedsfirmen einzukaufen.

  • Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten werden für die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sensibilisiert und lernen ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten kennen.

Partnerorganisation

Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Initiative von Unternehmen, Gewerk-schaften und NGOs, die sich für faire Arbeits-bedingungen in der Textil-industrie einsetzen. Die FWF engagiert sich gemein-sam mit den Unternehmen für Verbesserungen, führt unabhängige Kontrollen in den Zulieferbetrieben durch und schult die Arbeiter/innen bezüglich ihrer Rechte. Die Stiftung zählt heute 80 Mitglieder aus sieben europäischen Ländern, welche insgesamt 120 Marken vertreten. Zu den Schweizer Mitgliedern und Marken gehören u.a. Albiro, die Schweizerische Post, KJUS, Mammut, Mountain Force, Manroof, Odlo, Workfashion.
Brot für alle ist im Stiftungsrat der FWF vertreten.

www.fairwear.org

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für die Fair Wear Foundation ermöglichen Sie zum Beispiel Workshops für Näherinnen, damit sie ihre Arbeitsrechte kennenlernen.

PC: 40-984-9, Vermerk: Fair Wear Foundation

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


Hier das Projektblatt als PDF herunterladen »

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Welchen Betrag möchten Sie spenden?