Faire Lieferketten

Einsatz für die Rechte der Arbeiterinnen in China

Chinese Working Women Network

«Überstunden heute Abend: Die Schrift auf dem Anschlagbrett ändert sich nie. Wie fliessendes Wasser tröpfeln die Tage pausenlos dahin.» Dies ist die erste Strophe eines Gedichtes, welches auf einer Internetplattform von CWWN, dem Chinese Working Women Network, kursiert. Die Partner­organisation von Brot für alle bietet Fabrikarbeiterinnen die Möglichkeit, sich online mit anderen Arbeitenden auszutauschen. Dies tut auch der Autor des Gedichts: «Der Arbeiter ist immer in seiner eigenen kleinen Welt und spricht nicht mit dem Rest.» Auf den Plattformen von CWWN findet man die zahlreichen Geschichten der Arbeiterinnen. Sie handeln von Müttern, die ihre Kinder nicht aufwachsen sehen können, von Frauen, die mit 42 Jahren aussehen wie weit über 60. Oder von Söhnen, die erst am Fliessband verstehen, was ihre Eltern durchmachten, während sie als Kinder daheim auf sie warteten. Die Menschen, welche in den Fabriken Südchinas für einen Hungerlohn Überstunden leisten, reden sich so grosse Lasten von der Seele. Und in der Gemeinschaft finden sie nicht nur Trost, sondern auch Kraft und Wissen.

Projektnummer

835.8014

Land

China

Dauer

2018 bis 2019

Projektsumme

Fr. 30'000.- / Jahr

Verantwortung

Karin Mader

Das Projekt

Brot für alle engagiert sich gemeinsam mit CWWN für die Rechte der Arbeiterinnen. Das Netzwerk vermittelt zwischen Hochschulaktivisten, Arbeitenden, Hilfswerken, Konsumenten und der Politik. So schafft sie ein Verständnis zwischen den verschiedenen Gruppen, um die Arbeitssituation der Fabrikarbeiterinnen zu verbessern.

In den letzten Jahren hat CWWN Schulungszentren aufgebaut, um die Arbeiterinnen und Arbeiter zu vernetzen und sie über ihre Rechte zu informieren. Doch die Mitarbeitenden von CWWN stehen aktuell vor grossen Herausforderungen. Die chinesische Regierung setzt NGOs immer stärker unter Druck. Schulungszentren werden geschlossen, Internetseiten gesperrt. Gleichzeitig arbeitet eine neue Generation von Wanderarbeiterinnen in den Fabriken. Sie sind besser ausgebildet, nutzen vermehrt elektronische Medien und wandern als Teil der städtischen Bevölkerung je nach Arbeit von einer Fabrik zur nächsten. Dabei haben sie nicht die gleichen sozialen Rechte wie die ansässige Bevölkerung und sind als alleinstehende Frauen und Fabrikarbeiterinnen gleich mehrfach kultureller, sozialer und sexueller Ausbeutung ausgesetzt.

Um die Arbeiterinnen weiterhin zu erreichen, baute CWWN Online-Plattformen auf. Hier informieren sich tausende von Frauen (und auch Männern) und tauschen sich aus. Begleitet werden sie dabei von qualifizierten Reporterinnen und engagierten Arbeiterinnen, die dazu durch CWWN speziell ausgebildet wurden. So organisieren und vernetzen sich die Fabrikarbeiter zunehmend selbstständig und treffen sich in kleinen Gruppen, um Erfahrungen und Erlebnisse mit Gleichgesinnten zu besprechen. Die besondere Förderung des Selbstbewusstseins und Handlungsspielraums von Fabrikarbeiterinnen bildet nach wie vor den Schwerpunkt von CWWN. In diesem Rahmen erhalten die Arbeiterinnen wichtige Informationen und Ratschläge zu ihren Arbeitsrechten und -möglichkeiten, aber auch für den Alltag. Besondere Schwerpunkte bilden die Themen Gesundheit, sexuelle Gewalt, Kindererziehung und die besonders benachteiligte Situation von Wanderarbeiterinnen.

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Unterstützung der laufenden Informations- und Ausbildungsaktivitäten auf den Online-Plattformen von CWWN

  • Rekrutierung, Aus- und Weiterbildung von Fabrikarbeiterinnen im Erstellen relevanter Inhalte und der Handhabung sozialer Medien

  • Erarbeitung und Publikation von Materialien für die Schulung von Ange­stellten zu Themen wie Arbeitsrechte oder Organisation von Selbst­hilfegruppen

  • Fortsetzung der frauenspezifischen Bildungsprogramme zu Arbeit und Geschlechterrollen

  • Förderung des selbstständigen und unabhängigen Online-Austausches unter Arbeiterinnen und Arbeitern

Engagement im Norden

  • Konsumentinnen und Konsumenten werden für die Arbeitsbedingungen in der chinesischen Textil- und Elektronikindustrie sensibilisiert und lernen ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten kennen.

  • Brot für alle unterstützt CWWN in der aktuell schwierigen politischen Situation, bei der die Arbeit von chinesischen NGOs unter Druck steht.

CWWN (Chinese Working Women Network) wurde 1996 als Non-Profit-Organisation in Shenzhen gegründet mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Chinesischen Wander-arbeiterinnen zu verbessern sowie ihr feministisches Bewusstsein zu fördern und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. CWWN wurde von einer Gruppe engagierter Professorinnen rund um die Technische Universität in Hongkong gegründet. CWWN hat grosse und langjährige Erfahrung im Aufbau von alternativen Projekten in China, gestützt auf solider Recherchearbeit und mittels Entwicklungstrainings.

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für das Chinese Working Women Network unterstützen Sie zum Beispiel den Aufbau der virtuellen Informationsplattform für Wanderarbeiterinnen..

PC: 40-984-9, Vermerk: CWWN

 

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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