Ethisch Wirtschaften

Einsatz für die Rechte der Arbeiterinnen in China

Projekt: Chinese Working Women Network

In der Nähe einer der zahlreichen Computerfabriken in Shenzhen steht ein kleiner Büchertisch am Strassenrand. Einige junge Arbeiterinnen bleiben neugierig stehen. Andere sind schon in die Lektüre vertieft. Was wie eine Freizeitbeschäftigung aussieht, ist für viele der Frauen ein erster Schritt zu mehr Selbstbewusstsein und gegen die Ausbeutung in den Fabriken. Denn mit diesem Stand informiert das Chinese Working Women Network (CWWN) die Frauen über ihre Rechte. Rechte, die ihnen oft verwehrt bleiben.

 

Die meisten Arbeiterinnen stammen aus ländlichen Gebieten und suchen Arbeit bei den grossen Herstellern von Spielzeugen, Textilien oder Elektronikgeräten. Sie hoffen auf ein Leben über dem Existenzminimum. Doch der Arbeitsalltag ist hart, insbesondere für Frauen. Dies zeigt auch die Geschichte von Xiao Wen: Wie viele Frauen leidet sie unter der Mehrfachbelastung als Arbeiterin, Frau und Mutter. Von ihrem Mann missbraucht, versuchte sie mit ihrem Kind zu fliehen. Doch der Wunsch, dass ihr Kind in einer «intakten» Familie aufwachsen kann, liess sie umkehren. Heute arbeitet Xiao Wen weit weg in einer Elektronikfabrik und kann ihr Kind nur an wenigen Tagen im Jahr sehen.

 

Wie Xiao Wen arbeiten die Frauen und Männer in den Industriestätten nicht selten zehn bis zwölf Stunden am Tag und haben kein Anrecht auf ärztliche Versorgung oder soziale Absicherungen, was gerade bei einer Schwangerschaft zu grossen Problemen führt.

Projektnummer

835.8014

Land

China

Dauer

2017 bis 2018

Projektsumme

Fr. 30'000.- / Jahr

Verantwortung

Karin Mader

Das Projekt

Brot für alle engagiert sich gemeinsam mit CWWN für die Rechte der Arbeiterinnen. Das Netzwerk vermittelt zwischen Hochschulaktivisten, Arbeitenden, Hilfswerken, Konsumenten und der Politik. So schafft sie ein Verständnis zwischen den verschiedenen Gruppen, um die Arbeitssituation der Fabrikarbeiterinnen zu verbessern. Unterstützung erhalten die Frauen vor Ort. Zwei Kurszentren befinden sich im Süden Chinas, im sogenannten Perlfluss-Gebiet, wo viele Elektronikfirmen angesiedelt sind.

 

In diesen Zentren können die Arbeiterinnen über ihre Arbeitssituation sprechen, sich vernetzen, von ihren Familien erzählen, ihre Wünsche und Hoffnungen teilen und ihre Freizeit verbringen. In verschiedenen Kursen lernen sie, wie sie in ihrer täglichen Arbeit ihre Gesundheit schützen können und erfahren mehr über die international anerkannten Arbeitsstandards oder Umwelt- und Sozialrechte.

 

Die Mitarbeitenden von CWWN stehen vor grossen Herausforderungen. Die chinesische Regierung setzt NGOs immer stärker unter Druck. Schulungs-zentren werden geschlossen, Internetseiten gesperrt. Gleichzeitig arbeitet eine neue Generation von Wanderarbeiterinnen in den Fabriken. Sie sind besser ausgebildet, nutzen elektronische Medien und haben nur noch wenig Bezug zur Landwirtschaft an ihren Herkunftsorten. Sie migrieren nicht mehr temporär, sondern wandern als Teil der städtischen Bevölkerung je nach Arbeit von einer Fabrik zur nächsten. Dabei haben sie jedoch nicht die gleichen sozialen Rechte wie die ansässige Bevölkerung und sind als allein stehende Frauen und Fabrikarbeiterinnen gleich mehrfach kultureller, sozialer und sexueller Ausbeutung ausgesetzt.

 

Um sie besser zu erreichen, hat CWWN begonnen, eine virtuelle Plattform über soziale Medien aufzubauen. Die Inhalte werden dabei teilweise direkt von speziell durch CWWN ausgebildete Fabrikarbeiterinnen erstellt, und haben dadurch einen noch stärkeren Bezug zu ihrem Alltagsleben und zu ihren Problemen, bei denen die Frauen sich gleichzeitig austauschen und beraten können. Ab 2017 sollen 20 journalistisch ausgebildete Arbeiterinnen Inhalte bereitstellen, die direkt 3000 Fabrikarbeiterinnen ansprechen und indirekt ein Publikum von bis zu 400 000 Personen erreichen.

Unsere Ziele

Im Süden

  • CWWN erarbeitet Materialien für die Schulung von Angestellten zu Themen wie Arbeitsrechte oder Selbsthilfegruppen.

  • CWWN führt Trainings in den städtischen Kurszentren im Perlflussdelta durch und arbeitet mit lokalen Berufsschulen zusammen.

  • Ab 2017 baut CWWN eine virtuelle Plattform über soziale Medien auf, um vermehrt mobile Wanderarbeiterinnen für ihre Rechte zu sensibilisieren und mit entsprechenden Informationen zu versorgen.

Im Norden

  • Konsumentinnen und Konsumenten werden für die Arbeitsbedingungen in der chinesischen Textil- und Elektronikindustrie sensibilisiert und lernen ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten kennen.

  • Brot für alle unterstützt CWWN in der aktuell schwierigen politischen Situation, bei der die Arbeit von chinesischen NGOs unter Druck steht.

CWWN (Chinese Working Women Network) wurde 1996 als Non-Profit-Organisation in Shenzhen gegründet mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Chinesischen Wander-arbeiterinnen zu verbessern sowie ihr feministisches Bewusstsein zu fördern und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. CWWN wurde von einer Gruppe rund um Pun Ngai gegründet. Sie ist Professorin für Soziologie an der Technischen Universität in Hongkong.

Zu dieser Gruppe gehören auch Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Gewerkschafts-mitglieder. CWWN hat grosse und langjährige Erfahrung im Aufbau von alternativen Projekten in China, gestützt auf solider Recherchearbeit und mittels Entwicklungstrainings.

 

Ihr Beitrag

Mit einer Spende für das Chinese Working Women Network unterstützen Sie zum Beispiel den Aufbau der virtuellen Informationsplattform für Wanderarbeiterinnen..

PC: 40-984-9, Vermerk: CWWN

 

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


Hier das Projektblatt als PDF herunterladen »

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