Recht auf Nahrung

Bauernorganisationen setzen sich gemeinsam für ihr Saatgut ein

Jinukun

«Wir sind die Sklaven des Hightech-Saatguts geworden. Das Saatgut wird immer teurer. Es ist höchste Zeit, aus diesem System auszusteigen und die lokalen Sorten zu stärken», sagt Anissah Adamu aus Niger. Als Bäuerin hat sie bereits erfahren, wie problematisch es ist, von industriellem Saatgut abhängig zu sein. Dieses wird von internationalen Konzernen wie Monsanto oder Syngenta gezüchtet und verkauft. Dass Saatgut muss nicht nur jedes Jahr neu gekauft werden. Auch die Ernte bleibt klein, wenn die dazugehörigen Düngemittel und Pestizide nicht verwendet werden. «Es gibt Alternativen zu diesen Sorten, aber die Regierungen stehen allzu oft unter dem Einfluss der Saatgutkonzerne. Ich setze mich dafür ein, dass sich dies ändert», so die engagierte Frau aus Niger.

Die grossen Saatgutkonzerne interessieren sich zunehmend für den afrikanischen Markt. Sie nutzen ihren Einfluss, um Gesetze voranzutreiben, die den Bauern und Bäuerinnen die Rechte am eigenen Saatgut streitig machen und sie in die Abhängigkeit treiben. In den Gesetzen soll zum Beispiel festgehalten werden, dass nur noch zertifiziertes Saatgut verkauft werden kann. Bäuerliches Saatgut erfüllt jedoch die technischen Bedingungen für eine Zertifizierung nicht. Und selbst wenn sie es zertifizieren könnten, wäre dies zu teuer. In Westafrika ist vielen Betroffenen und selbst Politikern das Ausmass dieser Gesetze nicht bewusst. Es gibt wenig Information und Dokumentation. Gleichzeitig gibt es in Westafrika eine Vielfalt von gut funktionierenden bäuerlichen Saatgutsystemen, die – wenn sie entsprechend gefördert und ausgebaut werden – eine zukunftsgerichtete Alternative zum Hightech-Saatgut der internationalen Konzerne darstellen. Dazu gehören zum Beispiel Erfahrungen und landwirtschaftliche Praktiken zur Aufbewahrung, zum Erhalt, zur Verbesserung, zum Austausch und zur Verbreitung von lokalem Saatgut. Dies geschieht unter anderem mit Hilfe von Saatgutbanken oder Saatgutmessen. Damit dieses Wissen nicht verloren geht und ausgebaut werden kann, muss es von einer Generation zur anderen weitergeben werden. Deshalb braucht es zum Schutz des heimischen Saatgutes klare politische Forderungen an die einzelnen Regierungen und an das Westafrikanische Parlament. Dazu gehört auch, dem Druck der Konzerne nicht nachzugeben und Gesetze zu verabschieden, die das Saatgut der Bäuerinnen und Bauern schützen.

Projektnummer

835.8096

Land

Westafrika

Dauer

2016 bis 2019

Projektsumme

Fr. 30'000.- / Jahr

Verantwortung

Ester Wolf

Das Projekt

Um dem negativen Einfluss der Saatgutlobby Einhalt zu gewähren und das heimische Saatgut zu schützen, arbeitet der Brot für alle-Partner Jinukun mit sechs Partnern aus Benin, Burkina Faso, Mali, Niger, Senegal und Togo zusammen. Zum einen werden die positiven Beispiele aus den jeweiligen Ländern dokumentiert und verbreitet. So wird verhindert, dass das Wissen verloren geht und gleichzeitig können die Bauernfamilien voneinander lernen. Zum anderen werden die regionalen und nationalen Politiken zur Saatgutgesetzgebungen analysiert. In einer Studie werden diese Erfahrungen und Inhalte zusammengetragen und gemeinsame politische Forderungen und Empfehlungen erarbeitet. Diese Studie bildet die Grundlage, um in einem weiteren Schritt die Inhalte zu verbreiten. Beispielsweise in Konferenzen, an Saatgutmessen oder in Schulungen. Ausserdem werden gemeinsam Lobby-Schritte und Aktionen wie Mobilisierungen auf der Strasse geplant und durchgeführt. In jedem Land gibt es lokale Kontaktgruppen, die sich aktiv am regionalen Projekt beteiligen und sich gleichzeitig in ihrem Land vernetzen. Dazu gehören Bauernorganisationen, Produzentengruppen und Nichtregierungsorganisationen. So sollen die Regierungen und die regionalen Instanzen wie das Westafrikanische Parlament dazu gebracht werden, das Recht auf Saatgut ihrer Bevölkerung zu schützen – und damit auch ihre Ernährung zu sichern.

Projektziele

Aktivitäten im Süden

  • Organisation von nationalen und regionalen Treffen zum Austausch zwischen verschiedenen Bauernorganisationen

  • Koordination mit den regionalen Kontaktgruppen

  • Recherche und politischen Analyse für die regionale Studie

  • Koordination der regionalen Lobbyarbeit

Engagement im Norden

  • Einsatz, dass die Schweiz das Recht auf Saatgut erkennt (zum Beispiel in der Uno-Deklaration für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern)

  • Recherche, Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema

  • Internationale Vernetzung unserer Partner, die zum Thema Saatgut arbeiten (z.B. GRAIN, ANAFAE, Redsag, La Via Campesina)

Die Organisation Jinukun ist ein Netzwerk von Organisationen aus Benin, die sich für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen einsetzen. Jinukun arbeitet eng mit Bauernfamilien, Fischern, Hirten und Jägern zusammen und fördert den Austausch zwischen Bauernorganisationen, Forschern, Nichtregierungsorganisationen und lokalen Einrichtungen. Im Bereich Agrarökologie arbeiten sie schwerpunktmässig zum Thema Saatgut. Jinukun und der Brot für alle-Partner Synergie Paysanne sind gemeinsam Mitglied des Verbandes für Agrarökologie in Benin.
http://jinukuncopagen.org/jinukun.html

Projektauskunft

Maria Dörnenburg

Bürenstrasse 12
3007 Bern

Tel +41(0) 31 380 65 62
Fax +41(0) 31 380 65 64

doernenburg@bfa-ppp.ch


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