Klima und Landwirtschaft

Offener Brief der Kirchen an den Bundesrat zur Weltklimakonferenz in Paris

30.11.2015
Sehr geehrte Frau Bundesrätin Leuthard,

sehr geehrte Frauen Bundesrätinnen und Herren Bundesräte,

In den kommenden zwei Wochen verhandelt die Staatengemeinschaft in Paris über ein neues Klimaabkommen. Die Schweizer Bischofskonferenz, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Christkatholische Kirche der Schweiz rufen die Schweiz dazu auf, diesen Moment zu nutzen, um das Klima – und damit die Lebensgrundlagen der heutigen und der kommenden Generationen weltweit – zu schützen. Betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels sind aktuell vor allem die armen Menschen in Entwicklungsländern, ohne dass sie nennenswert zur Klimaerwärmung beigetragen hätten. Aber auch für die Bevölkerung der Schweiz stellen die zunehmenden Auswirkungen der Klimaerwärmung eine wachsende Herausforderung dar. 

Der Klimawandel bedroht konkret, was allen Menschen zusteht: ein Leben in Würde mit den notwendigen Lebensgrundlagen in einer intakten Umwelt. Unser Engagement für Klimagerechtigkeit begründet sich aus dem christlichen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Die im Juni 2015 veröffentliche Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato si‘“ trägt den Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ und betont die Rolle der Menschen. Weiter werden Umweltprobleme wie der Klimawandel als nicht losgelöst von sozialer Ungerechtigkeit verstanden:

Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um diese [Klima-]Erwärmung oder zumindest die menschlichen Ursachen, die sie hervorrufen und verschärfen, zu bekämpfen . […] Wir kommen jedoch heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussion aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde.
Papst Franziskus, Laudato si‘ (23 und 49)

Diesem Verständnis schliessen wir uns mit dieser Stellungnahme an. Die Kirchenleitungen sowie die kirchlichen Hilfswerke Brot für alle, Fastenopfer und Partner Sein tragen das Thema Klimagerechtigkeit kontinuierlich in die Schweizer Öffentlichkeit, zuletzt bei der ökumenischen Kampagne 2015. Insbesondere in den reichen Ländern – darunter die Schweiz – leben viele Menschen mit einem deutlich zu grossen ökologischen Fussabdruck.

Aber es gibt auch vorbildliche Initiativen, nicht zuletzt in unseren Kirchgemeinden und Pfarreien und an anderen Orten kirchlichen Lebens, die zu einem klimaverträglichen Leben beitragen. Wir danken all denen, die in diesem Sinne ansteckend wirken, besonders auch dem ökumenischen Verein oeku Kirche und Umwelt, der im kommenden Jahr sein dreissigjähriges Bestehen feiern wird. 

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz. Im September 2014 veröffentlichte er die interreligiöse Stellungnahme „Climate, Faith and Hope: Faith Traditions Together for a Common Future“, die sich an die politischen Entscheidungsträger aller Länder richtet:

Wir teilen die Überzeugung, dass die Bedrohung durch den Klimawandel(…) nur durch die verstärkte Zusammenarbeit der Staatengemeinschaft eingedämmt werden kann, basierend auf den Prinzipien des gegenseitigen Vertrauens, der Fairness und der Gerechtigkeit, der Vorsorge, Generationengerechtigkeit und der gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten. 

Wir fordern die Reichen dazu auf, die Armen und Schwachen stark und überall zu unterstützen, vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern, den kleinen Inselstaaten und Afrika südlich der Sahara. (…)
Ökumenischer Rat der Kirchen, Interfaith statement on climate change, 2014

In Paris geht es darum, dass sich Regierungen, allen voran wohlhabende Staaten wie die Schweiz, zu einer verbindlichen Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichten. Reichweite und Verbindlichkeit sind entscheidend dafür, ob die Menschheit den globalen Klimawandel mittel- und langfristig wirksam einzudämmen vermag. Die Verursacher des Klimawandels sollen ihre gemeinsame und individuelle Verantwortung anerkennen. Und es geht darum, arme Bevölkerungsgruppen und Länder bei der Anpassung an bereits nicht mehr vermeidbare Veränderungen finanziell zu unterstützen.

Wir zählen auf die Weitsicht und den Mut des Bundesrates und wünschen den Delegationsmitgliedern gutes Verhandlungsgeschick und erfolgreiche Gespräche in Paris. 

Bischof Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz 

Gottfried Wilhelm Locher, Präsident des Rates Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund

Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz