Medienmitteilung

Ökumenische Kampagne 2013: Verursacht Schweizer Geld Hunger?

28.02.2013

Multinationale Konzerne reissen sich riesige Flächen in Entwicklungsländern unter den Nagel. Durch Land Grabbing droht eine Fläche 50 Mal so gross wie die Schweiz für die Nahrungsmittelproduktion verloren zu gehen. Vertreibungen und Hunger sind die Folgen. Ermöglicht werden solche Grossprojekte durch Entwicklungsbanken, die von der Schweiz mitfinanziert sind. Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein fordern nun im Rahmen der ökumenischen Kampagne „Ohne Land kein Brot“ vom Bundesrat Klarheit, dass keine öffentlichen Gelder aus der Schweiz für Landnahmen verwendet werden.

Seit der Nahrungsmittelkrise 2007 steigt die Nachfrage nach Agrarland. Für Agroindustrieprojekte oder reine Spekulation raffen multinationale Konzerne mit oft bedenklichen Methoden riesige Ackerflächen in Entwicklungsländern zusammen. Darauf bauen sie Pflanzen für Viehfutter oder Agrotreibstoff an, die für den Export bestimmt sind. Bauernfamilien werden von ihrem Boden vertrieben, der sie zuvor ernährt hat. Ohne Land aber verlieren sie ihre Lebensgrundlage. Armut und Hunger sind die Folgen.

Weniger Nahrung, tiefgreifende soziale Veränderungen und Spannungen – Die Resultate einer Untersuchung von Brot für alle und Fastenopfer über die Auswirkungen von Grossprojekten in Sierra Leone alarmieren. Weil ein Fünftel der Landwirtschaftsfläche von Land Grabbing betroffen ist, werden Lebensmittel knapper. «Es gibt weniger Reis und Süsskartoffeln. Zugleich sind die Grundnahrungsmittel teurer geworden», sagt Abass Kamara, Koordinator von SiLNoRF, einer von Brot für alle unterstützten Organisation in Sierra Leone. Fazit der Untersuchung: Insgesamt liegen die Belastungen solcher Grossprojekte weit über ihrem Nutzen. Kommt hinzu, dass Projekte, wie dasjenige des Schweizer Unternehmens Addax Bioenergy zum Anbau von Zuckerrohr, bis 2022 von der Gewinnsteuer befreit sind. Dem Staat fehlt so Geld für die Entwicklung zu Gunsten der Bevölkerung.

An Land Grabbing-Projekten sind auch die internationalen Entwicklungsbanken beteiligt, 13 Institutionen davon mit Schweizer Geld. Fastenopfer und Brot für alle fordern deshalb vom Bundesrat mehr Transparenz bei den Geldflüssen der Entwicklungsbanken. Maja Ingold, Nationalrätin und Stiftungsrätin von Brot für alle, sagt: «Es darf nicht sein, dass die Schweiz agroindustrielle Grossprojekte mitfinanziert, welche die Lebensgrundlagen der Kleinbauernfamilien zerstören.»

Die christlichen Werke setzen sich vor Ort gegen Land Grabbing ein. In Indien etwa unterstützt Fastenopfer Gemeinschaften der indigenen Adivasi und Dalits, ihr in der Verfassung verankertes Recht auf Land einzufordern. «Bis heute haben 8‘265 indigene Familien 5‘554 Hektaren Land für ihre Ernährung gesichert», erklärt Ajoy Kumar, Koordinator des Landesprogrammes in Indien.

In der Schweiz wollen Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne «Sehen und Handeln» auf Unrecht hinweisen und Veränderungen bewirken. Antonio Hautle, Direktor des Fastenopfers, lädt ein, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen: «Konsum, der auf eine naturnahe Produktion, faire Bedingungen und kurze Wege setzt, trägt zu mehr Gerechtigkeit bei.» Dazu vermitteln die Agenda für die Fastenzeit und die Website www.sehen-und-handeln.ch Handlungsmöglichkeiten.