Mali: Gefährliches Engagement für das Recht auf Land

29.07.2020
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Ester Wolf ist Fachverantwortliche
für die Rechte der Bäuerinnen und Bauern bei Brot für alle

Bewaffneter Überfall auf einen Partner von Brot für alle

In der Nacht vom 22. Juni stürmten 6 vermummte Männer in Uniform das Wohnhaus von Massa Kone in der Nähe von Bamako. Die schwer bewaffneten Männer rissen die Familie aus dem Schlaf. Sie zielten mit ihren Waffen auf die Kinder und fragten nach Massa Kone. Dieser befand sich zum Glück nicht vor Ort. Er schläft aus Sicherheitsgründen schon seit längerer Zeit nicht mehr zu Hause. Die Angreifer forderten seinen Computer. Nachdem sie auch diesen nicht finden konnten, nahmen sie neben den USB-Sticks sämtliche Telefone und Wertsachen mit. Die Familie kam mit dem Schrecken davon, aber der Schock sitzt tief – vor allem bei den Kindern.

Der Einsatz für das Recht auf Land ist gefährlich

Massa Kone arbeitet für die Convergence Malienne contre l’Accaparement des Terres (CMAT) und ist gleichzeitig Wortführer der Westafrikanischen Convergence, die sich für das Recht auf Land, Wasser und Saatgut einsetzt. Sie ist ein langjähriger Süd-Partner von Brot für alle. Ich schätze die Zusammenarbeit mit Massa Kone sehr. Aktuell arbeitet er an einem brisanten Landgrabbing Fall in Mali, in den eine chinesische Firma involviert ist. Massa Kone’s Organisation versucht, die betroffene Gemeinde im Kampf um ihr Land zu unterstützen. Offensichtlich ist die Arbeit der CMAT gewissen Investoren und Eliten jedoch ein Dorn im Auge. Auch der Ablauf des Überfalls deutet darauf hin, dass es sich um mehr als nur einen «normalen» Überfall mit Diebstahl handelte. Die Familie befürchtet sogar, dass sie den Landrechts-Verteidiger entführen wollten.

Immer wieder bin ich durch meine Arbeit mit mutigen Frauen und Männern in Kontakt, die sich unter Lebensgefahr für die Menschrechte einsetzen. Die Zahl der Drohungen und der Morde an Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger wie Massa Kone steigt besorgniserregend an. Die Investoren haben oft die einflussreichen Eliten auf ihrer Seite, oft profitieren auch Regierungen, die wirtschaftliche Interessen über die Menschenrechte stellen.

Es braucht unsere Solidarität

Die Situation in Mali ist sehr komplex. Das Land wird von politischen Unruhen geschüttelt, und die Covid-Pandemie lässt die Zahl der Hungernden ansteigen. Das macht es aktuell noch schwieriger, eine Aufklärung des Überfalls auf Massa Kone zu erreichen. Dennoch habe ich Hoffnung, dass dieser Fall aufgeklärt wird und unser Partner in Zukunft besser geschützt werden kann. Die nationale und internationale Solidarität spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Die Westafrikanische Convergence mit Mitgliedern aus 14 Ländern veröffentlichte eine Solidaritätserklärung, die auch Brot für alle mitunterschrieben hat. Wir haben zudem die diplomatische Vertretung der Schweiz informiert und um Unterstützung gebeten, damit die malische Regierung zur juristischen Aufklärung des Falls angehalten wird. Ausserdem kontaktierte die Convergence ausländische diplomatische Vertretungen, die westafrikanischen Institutionen sowie die UN-Instanzen. In Mali stiess die Presse-Konferenz der Convergence zum Überfall auf Massa Kone’s Familie Ende Juni auf reges öffentliches Interesse. Auch das kann ein Schutz sein. Dank der finanziellen Unterstützung aus dem Norden wird Massa Kone sich einen Anwalt leisten können. Auch das zeigt mir, wie wichtig unsere Unterstützung ist.

Download:
Solidaritätsaufruf «Déclaration suite à l’attaque à main armée et cambriolage du domicile du porte-parole de la CGLTE OA»

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