Medienmitteilung

Klare Worte an der Eröffnung der Ökumenischen Kampagne

18.02.2010
Simonetta Sommaruga: "Private sind die besseren Fairtrader als die öffentlichen Instanzen" © Susanne Keller

Der internationale Handel verschärft den weltweiten Hunger. Als Alternativen präsentieren Fastenopfer und Brot für alle zur Eröffnung der ökumenischen Kampagne lokale Vermarktungsnetze sowie den Fairen Handel und fordern neue Handelsregeln. Anhand einer Umfrage haben sie auch Handlungsbedarf bei den Beschaffungsämtern ausgemacht. Diese hinken beim Fairen Handel den privaten Konsumenten hinterher.

„Arme Länder verlieren auf Grund unfairer Handelsbedingungen jährlich 700 Milliarden Dollar“, zitiert Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle UN-Berichte. Dieser Betrag übersteigt die Entwicklungshilfe-Beiträge um ein Mehrfaches. Parallel dazu treibt die Spekulation mit Grundnahrungsmittel die Preise in die Höhe, während Dumping-Exporte der europäischen Überschuss-Produktion die lokale Landwirtschaft in Bedrängnis bringt. Kleinbauern sind die Leidtragende, die Gewinne streichen andere ein.

Diese Tatsache dramatisieren die Pokerspieler auf den Plakaten und im Fernsehspot der ökumenischen Kampagne von Fastenopfer, Brot für alle in Zusammenarbeit mit Partner sein.

Mit Essen spielt man nicht!

Was auf den ersten Blick überspitzt scheint, ist bittere Realität: Viele der mehr als eine Milliarde Hungernden leben auf dem Land. In diesem Poker geht es nicht mehr um Waren, sondern um Menschenleben. Was Eltern ihren Kindern sagen, müsste auch für den Welthandel gelten: „Mit dem Essen spielt man nicht!“ Der weltweite Handel und erst recht der Börsenhandel braucht menschenrechtliche Leitplanken.

Beispielhaft berichtete Souleymane Bassoum, Programmkoordinator des Fastenopfers im Senegal, wie der internationale Handel die Kleinproduzenten in den Hunger treibt. Dumpingimporte zerstören den lokalen Markt, so dass die Lebensmittelpreise weit unter den Produktionskosten liegen. Die Folge sind Mangelernährung, Gesundheitsprobleme, sinkendes Bildungsniveau, Landflucht.

Lokale Handelsnetze und Fairer Handel als Gegenmittel

Als Gegenmittel haben sich die Partnerorganisationen des Fastenopfers in lokalen Handels-Netzen organisiert. Dort vermarkten sie regional produzierte Produkte. So bleibt der Mehrwert im Land bei den Bauernfamilien.

Gerade in der Schweiz hat der Faire Handel – gestützt von kirchlichen Kreisen – eine weltweite Spitzenposition. Diese verdankt er jedoch den Privatkonsumenten, wie eine Umfrage zum Stellenwert des Fairen Handels im Beschaffungswesen zeigt. Konsumentenschützerin Simonetta Sommaruga stellte fest: „Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind im Moment die besseren Fair Trader als die öffentliche Beschaffung.“

Die Umfrage zeigt ein sehr gemischtes Bild von sehr fortschrittlichen Kantonen wie Zürich, wo die soziale und ökologische Nachhaltigkeit im öffentlichen Beschaffungswesen umgesetzt wird, bis hin zu Fair-Trade-Ignoranten, welche sich hinter der Haltung der reinen Wirtschaftlichkeit verstecken. Als pikantes Detail fällt auf, dass Beschaffungsämter, die bereits soziale und ökologische Kritierien eingeführt haben, keine wesentliche Kostenerhöhung feststellten.

Fairhandels-Produkte auch bei staatlichen Institutionen gefordert

Für Sommaruga ist jetzt vor allem die politische Ebene gefordert, welche den Beschaffungsämtern klare Vorgaben gibt, damit der faire Handel gestärkt werde und somit auch das Anliegen der Kampagne, das Recht auf Nahrung, nicht weiter unter Druck gerate.

Antonio Hautle, Direktor des Fastenopfers, fasste das Anliegen der Kampagne in vier Punkten zusammen: „1. fordern wir Handelsregeln, welche die Rechte der Menschen im Süden berücksichtigen; 2. braucht es ein Umdenken in der Agrarpolitik; 3. fördern wir Projekte die zur Ernährungssicherung und einem Leben in Würde beitragen und 4. zeigen wir mit dem Fairen Handel Handlungsalternativen für private und institutionelle Konsumenten auf.“

www.rechtaufnahrung.ch

Medienmitteilung zum Start der ökumenischen Kampagne
Pascale Schnyder, Kommunikationsverantwortliche Brot für alle
031 380 65 80 / E-Mail