Kinderarbeit: LafargeHolcim lässt Opfer im Stich

08.05.2018

Bern/Luzern, 8. Mai 2018. Auch zwei Jahre nach Aufdeckung des Kinderarbeits-Skandals in Uganda haben LafargeHolcim und ihre Zulieferer nichts unternommen, um den Opfern zu helfen. Brot für alle und Fastenopfer fordern den Zementkonzern an der heutigen General-versammlung in Dübendorf auf, seine Verantwortung endlich wahrzunehmen. Der Fall zeigt auch, dass die Schweiz die Sorgfaltspflicht von Unternehmen gesetzlich regeln muss.

Vor einem Jahr machte eine Studie von Brot für alle und ihrer Partnerorganisation TLC das Ausmass der 2016 von «Le Monde» aufgedeckten Missstände in der Lieferkette von LafargeHolcim in Uganda publik: Über zehn Jahre lang hatte Hima Cement, eine Tochterfirma des Zementkonzerns, von der Arbeit von rund 150 Kindern und Jugendlichen profitiert. Sie waren günstige Arbeitskräfte im Abbau von Pozzolan, einem Hilfsstoff zur Zementproduktion. Erst als der Skandal ruchbar wurde, reagierte LafargeHolcim. Seit Januar 2017 kauft die französisch-schweizerische Firma den Rohstoff nur noch aus mechanisierten Steinbrüchen, die einzig erwachsene Arbeitskräfte beschäftigen.

Die Folge: Viele Kleinschürfer verloren von einem Tag auf den anderen Arbeit und Verdienst. Kinder und Jugendliche hatten für den gefährlichen Job in den Steinbrüchen nicht nur die Schule vernachlässigt, sondern auch ihre Gesundheit gefährdet. Doch LafargeHolcim und ihre Lieferanten drücken sich bis heute um ihre Verantwortung, obschon sie gemäss den Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGP) aufgefordert sind, Wiedergutmachung zu leisten. Das Unternehmen erklärt, eine externe Untersuchung habe keine Hinweise auf Kinderarbeit in der Lieferkette von Hima Cement gefunden; es weigert sich aber, den Bericht öffentlich zugänglich zu machen.

In neuen Videoaussagen geben nun mehrere ehemalige Kinderarbeiter zu Protokoll, dass sie früher für Lieferanten von Hima Cement gearbeitet haben. Zudem sagen die betroffenen Kinder aus, dass LafargeHolcim nichts unternommen hat, um ihnen zu helfen, so wie Fastenopfer und Brot für alle dies vor einem Jahr gefordert haben. Der Zementkonzern hat zwar einige Toiletten in einer Schule gebaut und Programme zur Gesundheitsberatung und Einkommenssteigerung von Familien lanciert. Die ehemaligen Kinderarbeiter stehen aber noch immer ohne Hilfe und berufliche Perspektiven da.

Deshalb erneuern Brot für alle und Fastenopfer an der heutigen Generalversammlung ihre Forderung an LafargeHolcim und deren Zulieferer, ihre Verantwortung für die Kinderarbeit anzuerkennen und die früheren Kinderarbeiter zu unterstützen, damit sie wieder in die Schule gehen können oder eine Berufsbildung erhalten. Der Fall LafargeHolcim verdeutlicht, dass die Sorgfaltspflicht von Konzernen gesetzlich geregelt werden muss, wie dies die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht. Denn freiwillige Massnahmen oder öffentlicher Druck genügen ganz offensichtlich nicht, Konzerne zur Übernahme ihrer Verantwortung zu bewegen.

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, Brot für alle, +41 79 489 3824; maillard@bfa-ppp.ch

Mehr Informationen, Videoaussagen und Fotos: www.sehen-und-handeln.ch/medien