Honduras im Ausnahmezustand

08.12.2017

Honduras - in einem Land, in dem Menschenrechtsverletzungen schon seit mehreren Jahren auf der Tagesordnung stehen, hat der Ausnahmezustand nach den Präsidentschaftswahlen am 26. November die Situation noch verschlimmert.

ANAFAE – ein langjähriger Partner von Brot für alle in Honduras – setzt sich für das Recht auf Nahrung ein, einschließlich der Förderung der Agrarökologie und des Rechts der Bauern und Bäuerinnen auf Saatgut und Land. Indigene Gemeinschaften und Bauerngruppen, die Mitglieder oder Partner von ANAFAE sind, sind regelmäßig schwerwiegenden Verletzungen ihrer Rechte ausgesetzt. Weil sie für ihre Rechte kämpfen, werden sie mit dem Tode bedroht, von der Polizei oder dem Militär misshandelt und in einigen auch ermordet.

Die ersten Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom 26. November 2017 gaben unseren Partnern Hoffnung. Der Kandidat der Opposition, Salvador Nasralla, lag nach einer Auszählung von etwa 60% der Stimmen um 5% vor dem derzeitigen Präsidenten Juan Orlando Hernández. Nasralla ist zum Symbol des Wandels in Honduras geworden. Nachdem die Nationale Wahlkommission über diese ersten Ergebnisse berichtet hatte, schwieg sie mehrere Tage lang. Dann verkündete sie schliesslich einen knappen Vorsprung für den aktuellen Präsidenten. Dies hat im ganzen Land, vor allem in den Großstädten, zu Demonstrationen geführt. Die Menschen mobilisieren sich, um den Mangel an Transparenz über diese Ergebnisse anzuprangern und weil sie sich getäuscht zu fühlen. Als Reaktion, hat der Präsident Hernández den Ausnahmezustand und eine nähtliche Ausgangssperre ausgerufen. Demonstranten werden von Polizei und Militär brutal unterdrückt. Es gibt bereits Tote, sowie viele Verletzte und Gefangene.

Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten und der Europäischen Union in Honduras trauen den Ergebnissen nicht und fordern eine Nachzählung der Stimmen.
Unser Partner in Honduras kann im Moment seine Arbeit nicht fortsetzen . «Es ist eine sehr heikle Situation und eine Zunahme der Repressionen zeichnet sich ab. Das ANAFAE-Team hat seinen Sitz in Tegucigalpa und wir mussten alle geplanten Feldaktivitäten absagen. Unsere Mitgliedsorganisationen auf dem Land sind ebenfalls blockiert und trauen sich nicht ihre Dörfer zu verlassen. Wir beobachten und bewerten die Situation ständig um die notwendigen Massnahmen zum Schutz unseres Lebens zu ergreifen», sagt Octavio Sánchez, Koordinator von ANAFAE.

Brot für alle hat einen offenen Brief an die Beobachtungskommissionen, die honduranischen Behörden und die internationalen Menschenrechtsinstitutionen mitunterzeichnet, um sich für Demokratie und die Achtung der Menschenrechte in Honduras einzusetzen.

«Diese Unterstützung ist für uns sehr wertvoll. Wir danken unseren Partnern in Europa für ihre Solidarität», fügt Octavio hinzu, «das gibt uns Hoffnung!».

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