Themen Entwicklungspolitik: Wirtschaft und Menschenrechte

Glencore im Kongo: Ungelöste Probleme

17.07.2014

Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und aggressive Steuerpraxis – Realitäten rund um die Minen von Glencore in der Demokratischen Republik Kongo. Das belegte vor drei Jahren eine Studie von Fastenopfer und Brot für alle. Der Zuger Bergbaukonzern versprach Verbesserungen. Neue Recherchen und Analysen zeigen aber, dass sich in entscheidenden Bereichen nicht viel verbessert hat.

Im April 2012 erklärte Glencore, das Problem der Gewässerverschmutzung durch ihre Fabrik Luilu in der Demokratischen Republik Kongo sei gelöst. Dank mehrerer Auffangbecken werde das belastete Wasser aus der Fabrik zurückbehalten. Doch neue wissenschaftliche Analysen im Auftrag von Brot für alle, Fastenopfer und und Rights and Accountability in Development (Raid) belegen das Gegenteil: Die Analyse von Proben aus dem Canal Albert und dem Fluss Pingiri zeigt, dass diese Wasserläufe Kupfer- und Kobalt-Konzentrationen aufweisen, die ein Vielfaches über den im Gesetz festgelegten und laut der Weltgesundheitsbehörde noch zulässigen Grenzwerten liegen: Die Belastung mit Kupfer liegt bis zu 6 Mal über den Grenzwerten, bei Kobalt sogar bis 53 Mal. Offenbar genügen die Massnahmen von Glencore nicht und das hat verheerende Folgen: Im Fluss Luilu finden sich keine Fische mehr und die einstigen Weideflächen entlang des Flusses gleichen „verbrannter Erde“. Die Bewohnerinnen und Bewohner flussabwärts können das Wasser weder für ihre täglichen Bedürfnisse noch für das Bewässern der Felder nutzen.

Fastenopfer, Brot für alle und Raid haben auch Untersuchungen bei der Mine der Mutanda Mining (Mumi) in Basse-Kando vorgenommen. Sie ist mehrheitlich im Besitz von Glencore. Die Mine liegt in einem Jagschutzgebiet, wo das Gesetz ausdrücklich jegliche Bergbautätigkeit verbietet. Dennoch hat Mumi eine Konzession erhalten – und treibt das Projekt voran, ohne diesen Widerspruch zu klären. 

Menschenrechte werden oft verletzt

Im Februar 2014 starb Mutombo Kasuyi nach Gewalttätigkeiten der Polizei auf dem Konzessionsgelände der Glencore-Beteiligung Kamoto Copper Company (KCC) in Kolwezi. Der Familienvater hatte dieses auf der Suche nach Arbeit durchquert. Der Tod von Kasuyi ist das jüngste Beispiel, mit wie viel Gewalt Sicherheitskräfte die Konzessionsgelände von Glencore schützen – und wie wenig die Menschenrechte respektiert werden.

Für die Gemeinschaften hat Glencore Schulen und Gesundheitsposten errichtet sowie wichtige Viehzucht- und Landwirtschafts-Projekte ermöglicht. Das Vorgehen Glencores weist allerdings Lücken auf.  So flossen 2011 rund 90 Prozent der verbuchten Ausgaben für die Gemeinschaften, also 15 Millionen Franken, in die Infrastruktur. Dazu gehören Strassenbau oder die Erneuerung eines Flugplatzes, also Anlagen zum direkten Nutzen des Unternehmens. Glencore berücksichtigt auch zu wenig die Auswirkung seiner Entscheide. So wurde beispielsweise eine Strasse durch das Konzessionsgelände, die von der lokalen Bevölkerung genutzt wurde, gesperrt, ohne die Betroffenen zu konsultieren. Das zwingt die Menschen mehrerer Dörfer zu einem zehn Kilometer langen Umweg und erschwert ihnen, aus dem Verkauf von selbstgezogenem Gemüse einen kleinen Verdienst zu erwirtschaften.

Steuerersparnis viel höher als Hilfsgelder

Erstaunlich bleibt, wie ein auf maximale Gewinne ausgerichteter Konzern in seiner Minengesellschaft KCC jedes Jahr immer wieder Verlust ausweist. Dabei haben die Preise für Kupfer seit der Finanzkrise 2008 wieder markant zugelegt und auch die von den Minen von Glencore in der DR Kongo verkauften Mengen stiegen.

Das Beispiel der Glencore-Beteiligung KCC zeigt, wie transnationale Konzerne verschiedene Strategien zur Steuervermeidung nutzen. Tochterfirmen werden in Steueroasen und steuerfreundlichen Gemeinwesen gegründet. Dank der Verrechnung unterschiedlicher Handelspreise, überteuerter Dienstleistungen oder Zinszahlungen lassen sich Gewinne in Länder mit tiefer Steuerbelastung und vielerlei Abzugsmöglichkeiten verschieben, womit den Produktionsländern weniger Steuereinnahmen bleiben. Nach den Berechnungen von Fastenopfer, Brot für alle und Raid hat Glencore allein in den letzten fünf Jahren 157 Millionen Dollar (rund 140 Mio. Fr.) auf Kosten des kongolesischen Staates „optimiert“. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum erreichte die Schweizer Entwicklungshilfe zugunsten der DR Kongo den Betrag von gut 54 Mio. Franken.

Verbindliche Regeln schaffen

Fazit: Für die Bevölkerung rund um die Minen von Glencore in der DR Kongo ist die Situation nicht erfreulich. Die Situation hat sich in entscheidenden Bereichen wenig verbessert, stellen Brot für alle, Fastenopfer und Raid aufgrund ihrer Recherchen fest. Dies obwohl Glencore – wie im Nachhaltigkeitsbericht ausgeführt – vermehrt soziale Verantwortung übernehmen will. 

Diese neuste Studie ist ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit der Kampagne „Recht ohne Grenzen“. Diese von Fastenopfer und Brot für alle mitgetragene Kampagne fordert verbindliche Verhaltensregeln für international tätige Konzerne. Einzig Gesetze für soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen machen die Sorgfaltspflicht zum weltweit verbindlichen Standard. Freiwillige Initiativen, die einzig auf Selbstregulierung setzen, haben sich als zu wenig wirksam erwiesen, um Verstösse gegen die Menschenrechte und die Zerstörung der Umwelt zu verhindern.

Weitere Informationen: 

– Chantal Peyer, Brot für alle, Unternehmensverantwortung und Menschenrechte, 079 759 39 30

– Patricio Frei, Fastenopfer, Verantwortlicher Kommunikation, 041 227 59 51

Studie, Zusammenfassung, Bilder und weitere Informationen:

www.brotfueralle.ch/glencore

www.fastenopfer.ch/bergbau