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Drei Fragen an… Jeanne Pestalozzi-Racine, Stiftungsratspräsidentin von Brot für alle

08.12.2011

Ab 2012 präsidiert Jeanne Pestalozzi-Racine den Stiftungsrat von Brot für alle. Wichtig ist für Pestalozzi die Verankerung von Brot für alle in der Kirche und der Zivilgesellschaft.

Vorerst herzliche Gratulation zu Ihrer neuen Aufgabe, Frau Pestalozzi, und vielen Dank für das Engagement. Sie kennen Brot für alle – was wünschen Sie sich für das neue Amt?
Jeanne Pestalozzi-Racine: Dialog und eine klare Stimme: Der Dialog nach innen, wo 2011 vier neue Stiftungsrätinnen gewählt wurden, aber auch mit den Mitarbeitenden. Dazu gehört auch das Gespräch mit den evangelischen Partnerwerken und natürlich mit dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK. Nach aussen soll unser Werk mit einer klaren Stimme auftreten, soll bei aktuellen Fragen eine Stimme der Verantwortung einbringen und auch der Zuversicht.

Sie sind seit 2005 Stiftungsrätin von Brot für alle und kennen die Herausforderungen der Organisation. Themen werden in nächster Zeit besonders wichtig?

Nach einer Zeit mit vielen Strukturdiskussionen geht es jetzt wieder mehr um die Inhalte, die wesentlichen Themen. Diese Themen spielen eine grosse Rolle im Gespräch mit den Kirchgemeinden, die Brot für alle in ihrem Engagement für eine gerechtere Welt unterstützt. Zentral sind auch die Dienstleistungen von Brot für alle für die Partnerwerke, was den Begünstigten im Weltsüden zugute kommt. Dies ohne den kirchlichen Aspekt zu verstecken, also Professionalität ohne Berührungsängste mit Spiritualität.

Ich glaube nicht, dass das heikel ist: Im Zentrum unserer Arbeit stehen immer die Menschen und das Ziel, dass sie in Würde leben können. Mein Traum ist, dass wir als Werk aus unseren Erfahrungen in den Projekten der Entwicklungszusammenarbeit hilfreiche Leitlinien für ein verantwortliches Handeln hier geben können.
    
Manchenorts wird es schwieriger, Menschen und Geld für die Arbeit von Brot für alle zu finden. Wie erleben Sie das?
Es ist so, im Jubiläumsjahr, nach 50 Jahren, wird die Pioniergeneration pensioniert. Aber nach wie vor gilt, dass die Zuwendung zu unserer Nächsten und unserem Nächsten keine Grenzen kennt. Sie überschreitet immer Grenzen, vom Einzelnen über die Schweiz in die ganze Welt. Wir können nicht Christinnen und Christen sein, ohne das Ganze im Blick zu haben. Darum bin ich sicher, dass wir neue Leute gewinnen werden, die jetzt Verantwortung tragen. Unsere Chance ist die Zivilgesellschaft, mit der wir im Norden wie im Süden zusammenarbeiten.  
Interview: Urs Walter

 

Die neue Präsidentin

Jeanne Pestalozzi-Racine war von 1995 bis Oktober 2011 Kirchenrätin und damit Mitglied der Exekutive der Evangelisch-reformierten Landeskirche Zürich. Zuvor hatte die 59-jährige sich in der Zürcher Disputation, einem Erneuerungs- und Erwachsenenbildungsprojekt, einen Namen gemacht. Sie hat Romanistik und Altphilologie abgeschlossen, ist Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sechs Enkelkindern. Seit 2005 gehört sie dem Stiftungsrat von Brot für alle an.