Socfin - Liberia

Entlassungen und mangelhafte Versorgung

26.05.2020
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Silva Lieberherr arbeitet bei Brot für alle als Fachperson Landwirtschaft und Landrechte

Dividenden für Socfin-Aktionäre

In Liberia engagieren wir uns, zusammen mit unserer Partnerorganisation Green Advocates, für die Rechte der Gemeinden sowie Arbeiterinnen und Arbeiter zweier Kautschukplantagen, die zum Socfin-Konzern gehören. Meine für März geplante Projektreise und die Besuche der Gemeinden, die von den Plantagen betroffen sind, konnten wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Natürlich stehen wir trotzdem ständig in Kontakt mit den Leuten vor Ort. 

Bereits Ende April schrieben zahlreiche afrikanische Organisationen einen offenen Brief an Socfin, den auch Brot für alle mitunterzeichnet hat. Darin forderten sie, dass auf deren Plantagen in Sierra Leone, Kamerun, Ghana und Liberia die WHO-Empfehlungen umgesetzt und die notwendigen Schutzmassnahmen für alle Arbeiterinnen und Arbeiter sowie die umliegenden Gemeinden ergriffen werden. 

Mein Kollege vor Ort, der Vorsitzende der Organisation Alliance for Rural Democracy (ARD) Paul Larry George, musste jedoch bei seinem kürzlichen Besuch auf den beiden Plantagen in Zentral-Liberia feststellen, dass Socfin offenbar nicht genügend auf die Forderungen eingegangen ist. 

«Wir machen uns grosse Sorgen um die Gesundheit der Arbeiter auf der LAC-Plantage», sagte er mir am Telefon. Das von den Gesundheitsbehörden empfohlene Social Distancing ist beispielsweise in den Fahrzeugen, die die Arbeiter normalerweise auf die Plantagen und wieder zurück bringen, fast nicht einzuhalten. 

Hunger als Folge von Landnahme

Noch schlimmer sei die Situation auf der SRC-Plantage, wo das Management den Betrieb eingestellt habegemäss Socfin aus wirtschaftlichen Gründen. Dort würden aktuell nur noch einige wenige Sicherheitsleute und Manager arbeiten. «Mehrere Festangestellte haben uns ihre Entlassungsbriefe gezeigt. Die Situation ist sehr prekär», schildert George. «Die Leute befürchten, dass der Konzern wie bereits während der Ebola-Krise Angestellte entlässt, um sie anschliessend nur noch temporär weiter zu beschäftigen. Damit verlieren sie den Anspruch auf Rentenleistungen, die ihnen als Arbeitnehmer zustehen.» 

Für die Menschen im Einzugsgebiet beider Plantagen sei das Leben sehr schwierig geworden: Weil sie nur noch wenig Land für die Selbstversorgung zur Verfügung haben, müssen sie Lebensmittel dazukaufen. Diese sind aber aktuell sehr teuer und oft gar nicht verfügbar. Denn auch in Liberia sind infolge der Corona-Krise Transporte eingeschränkt und viele Märkte teilweise geschlossen. «Die Menschen, die von der Landnahme durch Socfin-Plantagen betroffen sind, hungern», fasst Paul Larry George zusammen. 

Gleichzeitig blickt Socfin einmal mehr auf ein lukratives Geschäftsjahr zurück: Am 26. Mai findet am Hauptsitz des Konzerns die Generalversammlung statt. Letztes Jahr zahlte die SocfinGruppe über 29 Millionen Euro an die Hauptaktionäre und die Verwaltungsratsmitglieder aus (Quelle: https://www.profundo.nl/projecten/unravelling-the-socfin-group). Auch 2019 hat die SocfinGruppe über 31 Millionen Gewinn gemacht. Demnach dürfte der Geldsegen an die Shareholder und Verwaltungsräte wieder hoch ausfallen. Während die Arbeiter und Dorfbewohnerinnen in Afrika und Asien schwer unter den Folgen der Corona-Krise leiden und um ihr Überleben kämpfen. 

Einmal mehr rufen deshalb Aktivistinnen und Aktivisten anlässlich der Generalversammlungen der Konzerne Socfin und Bolloré mit Protestaktionen deren Menschenrechtsverletzungen in Erinnerung. Dieses Jahr nicht auf der Strasse, sondern in den sozialen Medien und mit einem Meinungsbeitrag in der französischen Presse.

 

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