Uganda - Perspektiven 3/2018

Einsatz für ehemalige Kinderarbeiter

28.09.2018
 
Auch zwei Jahre nach Aufdeckung des Kinderarbeitsskandals hat der Zementkonzern Lafarge Holcim die Opfer nicht entschädigt. TLC, Partnerorganisation von Brot für alle, kämpft weiterhin für die Rechte der betroffenen Kinder.
 
Im Mai 2017 zeigte eine Studie von Brot für alle und ihrer Partnerorganisation  Twerwaneho Listeners’ Club (TLC) das Ausmass der 2016 aufgedeckten Missstände in der Lieferkette von LafargeHolcim in Uganda auf: Über zehn Jahre lang hatte Hima Cement, Tochterfirma des Zementkonzerns, von der Arbeit von rund 150 Kindern und Jugendlichen profitiert. Sie waren günstige Arbeitskräfte beim Abbau von Pozzolan, einem Hilfsstoff zur Zementproduktion. Erst als der Skandal öffentlich wurde, reagierte LafargeHolcim.

Seit Januar 2017 kauft die franzö­sisch­ schweizerische Firma den Rohstoff nur noch aus mechanisierten Steinbrüchen, die einzig erwachsene  Arbeitskräfte beschäftigen. Die Folge: Viele Kleinschürfer verloren von einem Tag auf den anderen Arbeit und Verdienst. Kinder und Jugendliche hatten für den gefährlichen Job in den Steinbrüchen nicht nur die Schule vernachlässigt, sondern auch ihre Gesundheit gefährdet: «Während meiner Arbeit hatte ich immer wieder Verletzungen an den Beinen und Händen und ich habe mehrere Fingernägel verloren», berichte te ein 16­ jähriger Kinderarbeiter.

Die Zukunftsaussichten für Jugendliche ohne Schulabschluss und Ausbildung sind schlecht.
 
Forderung erneuert
 
Doch LafargeHolcim und sein Zulieferer drücken sich bis heute um ihre Verantwortung. Das Unternehmen erklärt, eine externe Untersuchung habe keine Hinweise auf Kinderarbeit in der Lieferkette von Hima Cement gefunden; es weigert sich aber, den Bericht öffentlich zugänglich zu machen.
 
TLC machte sich deshalb erneut an die Arbeit und liess ehemalige Kinderarbeiter in Videos zu Wort kommen. Diese stellen eindeutig klar, dass sie früher für Lieferanten von Hima Cement gearbeitet haben. Zudem beklagen sie, LafargeHolcim habe nichts unternommen, um ihnen zu helfen. Brot für alle wiederholte deshalb an der Generalversammlung Anfang Mai 2018 ihre Forderung an LafargeHolcim und deren Zulieferer. Diese sollen ihre Verant­wortung anerkennen und die ehemaligen Kinderarbeiter unterstützen, damit sie in die Schule gehen können  oder eine Berufsbildung erhalten. Lafarge stritt die Kinderarbeit jedoch erneut ab.
 
Brot für alle und TLC werden nicht lockerlassen, bis LafargeHolcim die Anliegen der ehemaligen Kinderarbeiter ernst nimmt und sie entschädigt. TLC wird mit lokalen Gemeinschaften das Verhalten der Hima Cement Limited dokumentieren. Dazu hat TLC in drei Dorfgemeinschaften sogenannte Monitoring Clubs gebildet sowie 15 lokale Führungspersonen informiert und in die Monitoring­ Arbeit eingeführt. — Lorenz Kummer
 
LafargeHolcim bezieht in Uganda inzwischen nur noch Rohstoffe aus mechanisierten Minen. Die Jugendlichen sind seither ohne Arbeit und ohne Perspektiven.
Bewaffnete Sicherheitsmänner sorgen dafür, dass niemand das Minengelände betritt.
Auf den staubigen Strassen fahren täglich Hunderte von Lastwagen von und zu den Minen.