Gabun

Ein Dorf ohne Wasser und Hoffnung

04.06.2020
ladislasndembet

Ladislas Désiré Ndembet leitet die NGO Muyissi Environnement in Gabun.
Die Organisation ist Teil der von Brot für alle unterstützten Allianz gegen
die Ausweitung von Ölpalmplantagen in West- und Zentralafrika.

 

Notstand in Sanga

Sanga ist ein krankes Dorf. Die Menschen leiden an Durchfall und Hautproblemen. Die Verwaltungsangestellten und Staatsbehörden von Gabun kümmert das nicht einmal jetzt, wo sich die Corona-Pandemie im Land ausbreitet. Im Dorf gibt es keine medizinische Grundversorgung. Die Gemeinde ist völlig zerrüttet und weiss nicht mehr, was tun.

Der Grund: In unmittelbarer Nachbarschaft breitet sich der multinationale Konzern Olam Palm Gabon mit seinen industriellen Palmölplantagen immer weiter aus.

2018 wandte sich die Gemeinde an die lokale NGO Muyissi, Mitglied der Allianz gegen die Ausweitung von Ölpalmplantagen, die auch von Brot für alle unterstützt wird. Erstmals im September 2018 vor Ort, stellten Muyissi fest, dass es den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern verboten war, das Gelände der Plantage zu passieren, um zu ihren Feldern zu gelangen. Sie durften kein Holz für den Eigenbedarf fällen, mehrere Weiher waren durch die Plantagenanlagen blockiert, so dass sie nicht mehr fischen konnten und der Hauptwasserbrunnen war verschmutzt, weil stromaufwärts in den Plantagen massiv Pestizide und Dünger eingesetzt wurden. Zudem traf Muyissi mehrere Arbeiter von Olam an, die ohne Schutzausrüstung, mit blossen Händen mit dem gesundheitsgefährdenden Borax-Pentahydrat hantierten.

In einem Brief an den Verantwortlichen für nachhaltige Entwicklung von Olam wies Muyissi auf Missstände hin. Der daraufhin von Olam in Auftrag gegebene neue Brunnen ist jedoch von so schlechter Qualität, dass man sein Wasser nicht trinken kann.

Nach einem erneuten Notruf aus Sanga, entdeckte das Team von Muyissi im Mai 2019 mehrere Säcke mit Düngemitteln und weiteren Chemikalien, die ohne adäquate Schutzmassnahmen in der Plantage deponiert waren. Ein zweiter Brief an die Verantwortlichen bei Olam hatte keine Wirkung und blieb unbeantwortet. Das Stillschweigen des Konzerns  widerspiegelt die Missachtung einiger Konzernverantwortlicher gegenüber den Menschen vor Ort.

Während ihres letzten Besuchs im Dezember 2019 erfuhr Muyissi, dass Olam in der Zwischenzeit ein neues Bohrloch in Auftrag gegeben hatte, um die Gemeinde endlich wieder mit Trinkwasser zu versorgen. Doch auch dieses Projekt wurde nicht fertiggestellt und die Menschen im Dorf sind noch immer ohne gesicherten Zugang zu Trinkwasser.

So ist die Situation der Menschen in Sanga heute, angesichts der Covid-19-Pandemie, schlimmer denn je. Sanga trauert um sein Land, seinen Wald, seine Seen und Flüsse. Sie sind den giftigen Chemikalien ausgesetzt, die Olam Palm Gabon auf den Plantagen verwendet. Der Konzern scheint sich keinen Deut um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu kümmern, die seit Generationen in Harmonie mit ihrer Umgebung gelebt haben. Das Land, der Wald, seine Flüsse, Pflanzen und Tiere hatten ihnen bisher ein gutes Leben ermöglicht. Für die Menschen des Dorfes Sanga sind Olam und seine Plantagen ein wahrer Albtraum.

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