Partner im Norden

Drei Fragen an… Reto Aschwanden

11.02.2014
Reto Aschwanden*, seit Anfang Jahr ist Brot für alle eine der Trägerorganisationen des Vereins Label STEP – fair trade Teppiche. Was macht Label STEP?

Seit 1995 setzt sich Label STEP für fairen Handel mit handgefertigten Teppichen ein. Handgefertigte Teppiche werden grösstenteils in Ländern hergestellt, die zu den ärmsten der Welt gehören. Die Knüpferinnen gehören in diesen Ländern zu den benachteiligtsten Bevölkerungsschichten: Sie kommen aus ländlichen Gebieten, verdienen tiefe Löhne und sind meist unorganisiert, da oft in Heimarbeit geknüpft wird. Das Teppichknüpfen wird vielerorts nicht als offizieller Beruf anerkannt, die Knüpferinnen haben keine Lobby und der Zugang zu staatlichen Sozialleistungen bleibt ihnen verwehrt. Auch ist die missbräuchliche Kinderarbeit noch nicht in allen Herstellungsgebieten besiegt. 

Vor diesem Hintergrund setzt sich Label STEP für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ein. Dazu vergibt die Organisation ein Fair-Trade-Label an Teppichgross- und Einzelhändler, die sich zur Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards für ihr gesamtes Teppichsortiment verpflichten. Label STEP kontrolliert die Einhaltung dieser Standards und unterstützt die Produzenten bei allenfalls notwendigen Verbesserungsmassnahmen.

Letzte Woche trafen sich alle Ländervertreterinnen in Nepal. Was können Sie uns von dieser Veranstaltung berichten?

Label STEP führt jedes Jahr ein solches International Meeting durch. Vertreter aus unseren Niederlassungen in Afghanistan, Indien, Iran, Nepal und Pakistan trafen sich, um Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen auszutauschen und die Zukunft zu planen. Die Durchführung des Treffens in einem Produktionsland ermöglicht es den Mitarbeitenden aus den anderen Ländern, die Herausforderungen, aber auch die Erfolgsrezepte in anderen Ländern kennenzulernen. 

Nepal ist dafür ein sehr geeignetes Land: Die Löhne der Knüpfer und Knüpferinnen haben schon beinahe das von uns gewünschte Niveau erreicht, die in der Vergangenheit weit verbreite Kinderarbeit konnte nahezu ausgemerzt werden. Zudem konnten im Rahmen eines Label STEP-Projektes die vormals verfeindeten Branchenverbände und Gewerkschaften an einen Tisch gebracht werden um einen Entwurf für ein zukünftiges Arbeitsgesetz für die Teppichindustrie zu erarbeiten. Der Gesetzesentwurf berücksichtigt gleichermassen die Interessen der Arbeitnehmenden wie die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gesunde, nachhaltige Teppichindustrie. Nun wird Label STEP zusammen mit den anderen involvierten Parteien dafür lobbyieren, dass unser Entwurf in den zurzeit in Nepal laufenden Gesetzgebungsprozess einfliesst. 

Wie sieht die Zukunft von Label STEP aus?

Während die Situation der Teppichknüpferinnen im Iran relativ gut ist und sich in Nepal, aber auch in Indien, markant verbessert hat, gibt es in Pakistan und in Afghanistan noch viel zu tun. 

Wir sind zuversichtlich, dass wir in Zukunft unsere Wirkung in den Herstellungsländern weiter steigern und verbreiten können. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten fordern sozial- und umweltverträglich hergestellte Produkte. Und immer mehr Unternehmen sehen als es ihre Verantwortung, solche Produkte anzubieten. Fair-Trade-Initiativen wie Label STEP bieten der Wirtschaft ein geeignetes und wirkungsvolles Instrument dafür. Wir hoffen, dass sich zusätzlich zu den bereits engagierten 40 Firmen aus sechs Ländern zahlreiche weitere Unternehmen Label STEP und dem fairen Teppichhandel anschliessen werden.

 

*Reto Aschwanden ist Geschäftsleiter von Label STEP

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Besuchen Sie die Website von Label Step:
www.label-step.org »