Socfin - Liberia

Die liberianische Socfin-Plantage SRC will keinen Konfliktlösungsprozess

03.06.2020

2008 hat die Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) der liberianischen Socfin-Tochter SRC für den Ausbau ihrer Kautschukplantage einen Kredit von zehn Millionen US-Dollar gewährt. Im Mai 2019 hat die liberianische NGO Green Advocates im Namen von 22 Dorfgemeinschaften eine Beschwerde beim IFC eingereicht, in der sie auf gravierende Menschenrechtsverletzungen im Umfeld der SRC-Plantage hinweist. 

Die Ombudsstelle des IFC (CAO) hat die Beschwerde im Juni 2019 angenommen. Vertreterinnen und Vertreter der CAO haben sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation rund um die SRCPlantage in Liberia gemacht und Gespräche mit Menschen aus den betroffenen Dorfgemeinschaften geführt, die die Beschwerde eingereicht hatten. So schildert der im März 2020 publizierte Bericht der Ombudsstelle beispielsweise Fälle von Landvertreibungen und von Gewalt auf den Plantagen und berichtet davon, wie schwierig es für die Leute geworden ist, genug zum Leben zu verdienen. Die Darstellung der Situation durch die Verantwortlichen der SRCPlantage bildet ebenfalls Teil dieses Berichts.  

Basierend auf dieser Situationsanalyse wollte die Ombudsstelle im Frühsommer 2020 einen Konfliktlösungsprozess einleiten. Dieser bedarf jedoch der Zustimmung beider Konfliktparteien. Während die betroffenen Menschen trotz all dem, was sie erlebt haben, damit einverstanden waren, hat die Plantagenfirma einen solchen Prozess abgelehnt. Die Begründung von SRC ist, dass die Ombudsstelle parteiisch sei zugunsten der Beschwerdeführer und sie ihr nicht trauen könnten. Dabei ist das CAO die Ombudsstelle ihres eigenen Kreditgebers, der Weltbanktochter IFC. Green Advocates, Partnerorganisation von Brot für alle und Beschwerdeführerin, hat dazu in einem führenden Online-Journal Stellung bezogen (siehe Artikel). Brot für alle teilt diese Einschätzung. 

Die Beschwerde nennt nicht nur Verfehlungen von SRC, sondern kritisiert grundsätzlich, dass der IFC als Geldgeber seine eigenen Standards ungenügend eingehalten und überwacht hat. Ohne den Kredit der IFC hätten viele der Menschenrechtsverletzungen und Vertreibungen, von denen die Menschen vor Ort berichten, möglicherweise gar nicht stattgefunden. Dass die Plantagenfirma SRC jetzt den Vorwurf erhebt, die Untersuchung ihres Kreditgebers bevorzuge die betroffenen Leute und gehe gegen ihren Kunden, ist bemerkenswert. Sowohl Green Advocates als auch Brot für alle sehen eine Mitverantwortung des IFC für die Land- und Menschenrechtsverletzungen, die Brot alle bereits im Februar 2019 in einem ausführlichen Bericht öffentlich gemacht hat. 

Alfred Brownell, Direktor von Green Advocates, erklärt dazu im oben erwähnten Artikel, dass „die betroffenen Menschen hinsichtlich der Beweise für mutwillige Rechtsverstösse, die SRC gegen sie verübt hat, optimistisch sind und bereit, alles zu tun, damit das Unternehmen für die Schäden aufkommt, aber sie sind auch bereit, alle verfügbaren Konfliktbeilegungsmechanismen auszuschöpfen.

Juni 2020