Vollgas Richtung CO2-Gesetz!

01.06.2021
karin mader

Karin Maderarbeitet bei Brot für alle als Fachexpertin für Wirtschaft und Menschenrechte 

Autobranche in Bewegung

2020 wurden in der Schweiz 24 Prozent weniger Autos verkauft als 2019hauptsächlich wegen Covid. Gleichzeitig wuchs aber der Absatz von Elektroautos um fast 50 Prozent. Dieser Trend setzt sich dieses Jahr weiter fort: Im ersten Quartal 2021 haben Elektroautos bereits einen Marktanteil von 8,5 Prozent, und Hybrid-Autos einen Anteil von 7,9 Prozent erreicht. Mit den seit Januar 2021 geltenden strengeren Zielwerten für den CO2-Ausstoss von Neuwagen dürften diese Zahlen weiter steigen. Statt sich über die zunehmenden Einkünfte aus dem Elektrofahrzeughandel zu freuen und den neuen Wirtschaftssektor aktiv mitzugestalten, bleibt die Schweizer Autobranche jedoch stehen und beklagt höhere Abgaben auf fossile Treibstoffe wie Diesel und Benzin. Zusammen mit der Flug- und Erdölbranche beharrt sie auf ihrem klimaschädlichen Geschäftsmodell und lobbyiert gegen das CO2-Gesetz. 

Startup für Recycling 

Hinter den Kulissen hat die Autobranche die Zeichen der Zeit aber scheinbar doch erkannt. «In der Schweiz entsteht die erste Recyclinganlage für Elektroautos» titelte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am 24. April 2021. Auto-Schweiz, der Verband der Autoimporteure, der 58 Marken vertritt, möchte eine Branchenlösung für das Recycling von Elektrofahrzeug-Batterien auf die Beine stellen. Im Kanton Solothurn soll eine Fabrik entstehen, die ab 2024 Batterien von ungefähr 1000 Elektroautos rezyklieren kann; zehn Jahre später sollen es bereits 10’000 sein. Das Startup namens «Librec» – kurz für «Lithium-Battery-Recycling» – erhält gemäss NZZ technische Unterstützung durch die Empa und Fördergelder vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). 

Mit «Librec» soll nicht nur das zukünftige Entsorgungsproblem für den problematischsten Teil der Elektrofahrzeuge bewältigt werden. Gleichzeitig will die Autobranche dank «Librec» auch erreichen, dass sie weiterhin von der vorgezogenen Entsorgungsgebühr für Elektrofahrzeugbatterien befreit bleibt, welche der Bund erhebt. Das Entsorgungssystem würde durch die Autoimporteure umgesetzt, der Bund hätte lediglich Kontrollfunktion. «Finanziert würde das Entsorgungssystem durch einen Beitrag beim Kauf des Elektroautos und durch den Verkauf der zurückgewonnenen Rohstoffe», wie die NZZ schreibt. 

Gemäss der Studie «Die Batterie – Knackpunkt der Elektromobilität» von Brot für alle, Fastenopfer und dem Verkehrs-Club Schweiz vom August 2020 müsste dabei allerdings sichergestellt werden, dass nicht nur wirtschaftlich attraktive, sondern sämtliche Rohstoffe aus Elektrofahrzeugbatterien möglichst vollständig wiederverwendet werden. Denn dank Recycling gewonnene sekundäre Rohstoffe tragen dazu bei, negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zu vermindern, die mit der Förderung von Primärrohstoffen aus der Natur verbunden sind.  

Mit dem zunehmenden Import von Elektrofahrzeugen und der Planung einer Recyclingfabrik für Elektrofahrzeugbatterien setzt die Schweizer Autobranche wichtige Anliegen bereits um, die zu mehr Klimagerechtigkeit und zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens beitragen. Die Stossrichtung entspricht den Zielsetzungen des CO2-Gesetzes, das die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 (gegenüber 1990) vorschreibt. Mehr noch: Letztendlich würde die Recycling-Initiative durch das neue Gesetz weiterbefördert. Statt den Verlust ihres ausgedienten, auf fossilen Energien beruhenden Erfolgsmodells zu beklagen, könnte die Schweizer Autobranche deshalb mit dem konsequenten nächsten Schritt weiter gewinnen: «Vollgas Richtung CO2-Gesetz!» 

Danke, dass Sie diesen Beitrag teilen!

Ihre Spende ist wichtig

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!