Schweizer Grossbank UBS in Brasilien

24.06.2021
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NinaBurri

Silva Lieberherr arbeitet bei Brot für alle
als Fachperson für Landwirtschaft und Landrechte

Nina Burri arbeitet bei Brot für alle 
als Fachperson für Unternehmen und Menschenrechte

Investments in die Agrarindustrie - Stoff für künftige Skandale

Brasilien sei für die Agrarindustrie der «Ort, wo Geld wächst», schrieb ein brasilianisch-schweizerisches Journalist*innenduo vor wenigen Wochen im Onlinemagazin Republik. Von diesem Wachstum will auch die Schweizer Grossbank UBS profitieren. Dafür ging sie letzten Herbst mit der staatsnahen Banco do Brasil ein Joint Venture ein. Der Deal: Die brasilianische Partnerbank kann auf das lokale Netzwerk der UBS zurückgreifen, während diese exklusiven Zugang zur Unternehmenskundschaft der Banco do Brasil erhält.

Ein Blick in die Liste der Kundinnen und Kunden der Banco do Brasil bringt Bedenkliches zu Tage: hier findet man unter anderen den weltweit grösste Fleischverarbeiter JBS oder Bunge, den zweitgrössten brasilianischen Agrarexporteur. Gemäss einer des Forest&Finance-Netzwerks ist die Banco do Brasil damit führend in der Finanzierung des sogenannten forst-risk-sectors. Dieser Sektor umfasst diejenigen Firmen, die direkt in die Lieferketten von Rindfleisch, Soja, Zellstoff, Papier oder Holz involviert sind und deren Aktivitäten den Regenwäldern und den Menschen, die dort leben, schaden können. Konkret geht es also um Firmen, die ein hohes Risiko haben, direkt in die Abholzung von Regenwald, in Brandrodung und Vertreibung involviert zu sein.

Die UBS betont, der Fokus der Zusammenarbeit liege zwar auf der Agrarindustrie, jedoch auf der ‘aufgeklärten’, die wisse, dass sie dem Regenwald Sorge tragen müsse. Die Recherche des Journalistenduos zeigt jedoch: Für die UBS dürfte es nicht so einfach sein, die ‘gute’ von der ‘schlechten’ Agrarindustrie zu unterscheiden, also zwischen derjenigen, die zur Umweltzerstörung beiträgt und derjenigen, die das nicht tut. Fraglich ist indes, ob sie dies überhaupt will. Das Forest500-Netzwerk hat die Richtlinien der Schweizer Grossbank für Soja und Viehzucht untersucht und vergibt nur gerade 33, respektive 19 von 64 möglichen Punkten. So gibt es auch schon erste kontroverse Finanzierungen – etwa der Soja- und Viehhändler Grupo Scheffer oder des Saatgut- und Pestizidverkäufers Agrogalaxy.

Dass sich die UBS mit ihren Investments in Brasilien in einem heiklen Umfeld bewegt, zeigt auch folgende Aussage im Artikel der Republik: «Als Mitglied der Agrarlobby ABAG finanziert die UBS auch die Parlamentarische Front für Landwirtschaft und Viehzucht (FPA) mit. Diese wiederum hat Bolsonaros Wahlsieg überhaupt erst möglich gemacht. ABAG ist eine der einflussreichsten Organisationen der brasilianischen Agrarindustrie und versammelt 67 Schwergewichte aus allen Bereichen des Sektors, darunter Cargill, Bayer, John Deere, JBS und Syngenta.»

Die jüngsten Investitionen der UBS stehen stellvertretend für viele Akteure des Schweizer Finanzplatzes, die nach wie vor in Geschäftsbereiche investieren, die nicht nur den Klimawandel fördern, sondern auch im direkten Zusammenhang mit illegaler Abholzung, Vertreibungen oder anderen Menschenrechtsverletzungen stehen. Damit verletzen sie oft ihren eigenen Richtlinien und widersprechen öffentlichen Stellungnahmen. Auch die Schweizer Nationalbank tätigt immer noch solche Investitionen, obwohl sie im vergangenen Jahr beteuerte, nicht mehr in Kohleproduzenten investieren zu wollen. Brot für alle überreichte ihr deshalb Anfang Mai eine Petition: 14’000 Unterzeichnende fordern die SNB auf, nicht mehr in fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Gas zu investieren.

Das Joint Venture der UBS mit der Banco do Brasil ist noch jung, die vorliegende Recherche eine Art Frühwarnung. Sie zeigt aber: Die ungenügenden Standards der UBS, gemischt mit intransparenten Lieferketten und der Verwicklung der Agrarindustrie mit der menschenfeindlichen Bolsonaro-Regierung, ist Stoff für zukünftige Skandale. Wir werden genau hinsehen.

Erschienen ist die Recherche erstmals in der Republik, später dann auf Portugiesisch im brasilianischen Onlinemagazin ((o))eco.

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