Petition für mehr Klimagerechtigkeit

04.05.2021
YM

Yvan Maillard Ardenti arbeitet bei Brot für alle als Fachperson für Klimagerechtigkeit

SNB drückt sich um Klimaverantwortung

Wie jedes Jahr Ende April fand letzte Woche auf dem Bundesplatz der traditionelle Setzlingsmarkt statt. Dieses Jahr gab es gleichentags direkt nebenan noch ein aussergewöhnliches Ereignis: Endlich hatte ich die Gelegenheit, einen Vertreter und eine Vertreterin der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu treffen!

Während Monaten hatten wir Briefe an die Präsidentin des Schweizer Bankrats geschrieben. Ohne Erfolg: All unsere Einladungen zu einer Diskussion über Klimarisiken wurden abgelehnt. Umso überraschter war ich, als man mir per E-Mail einen Termin für die Überreichung unserer Petition bestätigte. – Die Petition fordert von der SNB, künftig nicht mehr in fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Gas zu investieren. Wir hatten sie im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Kampagne zur Klimagerechtigkeit gestartet. Denn die SNB investiert gegenwärtig Milliarden in diese Energieträger, die zur globalen Erwärmung beitragen, was zu grossen Klimakrisen führt. Millionen von Menschen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Insbesondere im Süden leiden die Menschen immer öfter unter Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen, die Hungersnöte verursachen. Die Petition stiess auf grosse Resonanz: 14’000 Menschen haben unterschrieben und fordern gemeinsam mit uns die SNB dazu auf, Verantwortung fürs Klima zu übernehmen!

Brot für alle mit SNB-Aktie

Darüber hinaus haben wir von Brot für alle im vergangenen Jahr eine Aktie der SNB gekauft, um an der Generalversammlung teilnehmen zu können. Diese fand am 30. April 2021 online statt. Deshalb konnten wir  leider nicht persönlich teilnehmen, durften unsere Fragen als Aktionär aber schriftlich einreichen. Die Antworten der SNB waren allerdings mehr als enttäuschend: In Bezug auf ihre Verantwortung betreffend Klima erklärte die Bank lediglich, dass sie im Rahmen des Netzwerkes der Zentralbanken am «internationalen Erfahrungsaustausch» teilnehme, ohne jedoch konkrete Massnahmen zur Reduktion ihrer Klimawirkung zu nennen.

Die SNB führte aus, ihre Geschäftstätigkeit sei nicht dem Pariser Abkommen unterstellt und das Schweizer CO2-Gesetz enthalte keine Vorschriften für ihre Anlagepolitik. Obwohl die SNB behauptet, sich intensiv mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen, hat sie bisher nicht viel getan. Sie hat einzig jene Unternehmen aus ihrem Portfolio ausgeschlossen, die zur Hauptsache Kohleminen betreiben. Dies betrifft gerade mal fünf der 150 Unternehmen im Portfolio der SNB, die im Bereich fossile Brennstoffe tätig sind, was 0,1 Prozent der SNB-Investitionen im Bereich fossile Energieträger entspricht. Diese Massnahme ist also nur ein winzig kleiner erster Schritt…

Es erstaunt deshalb nicht, dass die Schweizerische Nationalbank anderen Zentralbanken in Europa hinterherhinkt. Dies zeigt auch eine kürzlich von der NGO «Positive Money» veröffentlichte Studie, in der die SNB wesentlich schlechter abschneidet als etwa die Zentralbanken von Frankreich und Schweden, die sich vollständig aus Kohle, Öl und Erdgas zurückziehen. Unsere Nationalbank hat also noch einen langen Weg vor sich. Ein Grund mehr, unseren Kampf für mehr Klimagerechtigkeit fortzusetzen. Wir werden nicht locker lassen!

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