#MeToo in Kamerun

10.12.2020
Bildnachweis: Tina Goethe/Brot für alle (Headerbild und Vorschaubild)
TG
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Tina Goethe und Silva Lieberherr arbeiten bei Brot für alle
im Bereich Recht auf Nahrung und Land Grabbing.

Frauen brechen das Schweigen

«Women Women Women – Power Power Power» rufen die Frauen aus elf west- und zentralafrikanischen Ländern in einem Video, das sie anlässlich der diesjährigen «16 Tage gegen Gewalt  gegen Frauen» produziert haben. Es ist ein lautes NEIN gegen die Gewalt, die sie und unzählige andere Frauen im Umfeld von industriellen Palmölplantagen erleben. Damit brechen die Frauen der «Internationalen Allianz gegen industrielle Palmölplantagen» das Schweigen, mit dem nur die Gesellschaft und Regierungen ihrer Länder die Täter schützen. Sondern auch das Schweigen seitens der Palmölkonzerne, die die Plantagen betreiben und somit Mitverantwortung für die Gewalt gegen Frauen tragen.

In dem Video melden sich Betroffene zu Wort, deren Leben durch die Palmölplantagen dominiert wird. Über die «Internationale Allianz gegen industrielle Palmölplantagen» tauschen sich Frauen aus Liberia, Gabun, Sierra Leone, Kamerun und anderen Ländern darüber aus, was ihnen widerfährt und wie sie Widerstand leisten können. Dabei ähneln sich die Erfahrungen in den verschiedenen Ländern stark. Zum Teil, weil die Plantagen den gleichen Firmen gehören. So etwa der Palmöl- und Kautschukkonzern Socfin, dessen Tochterfirmen im schweizerischen Freiburg ansässig sind.

 

Das Video thematisiert Gewalt auf verschiedenen Ebenen. Da ist die ökonomische Gewalt, die die Frauen erleben, weil sie ihrer wirtschaftlichen (Über)Lebensgrundlagen beraubt werden, weil sich die Konzerne das Land ihrer Gemeinschaften angeeignet haben. Sie verbieten den Frauen nicht nur den Zugang zu den eigentlichen Plantagen, sondern auch zu dem Land und Wald, die zwar den Firmen «gehören», von ihnen aber (noch) nicht bewirtschaftet werden. Für die Plantagen roden sie den «Bush», also den Wald, wo die Menschen Lebensmittel, Medizinpflanzen oder Baumaterial für ihren täglichen Bedarf fanden. «Der Wald ist unser Supermarkt», sagen die Frauen der Allianz. Wenn ihnen der «Bush» nicht mehr zur Verfügung steht, müssen sie für all das Geld zahlen. Geld, das sie nicht haben. Denn auch das Land, auf dem sie einst Produkte anbauten, die sie auf dem Markt verkauften, wurde ihnen genommen. So stellten sie etwa aus den Nüssen von Ölpalmen Speiseöl sowie Seife und Kosmetika her.

Frauen aus Kamerun berichten, ihnen sei der Besitz von Palmnüssen grundsätzlich verboten. Wenn sie mit Palmnüssen von Plantagenwärtern «erwischt» würden, bezichtige man sie automatisch des Diebstahls. Egal, ob die Frauen bei der Ernte heruntergefallene Nüsse aufgesammelt oder diese von den wenigen eigenen Palmen, die ihnen geblieben sind, geerntet haben. Damit erklären ausgerechnet diejenigen die Frauen wegen ein paar Nüssen zu Diebinnen, die ihnen vorher in grossem Stil das Land gestohlen haben.

 

Im Video wird deutlich, wie die wirtschaftliche Gewalt die Grundlage für die physische und sexuelle Gewalt legt, der viele Frauen im Umfeld der Plantagen ausgesetzt sind. Berichte über sexueller Nötigung, Vergewaltigung und andere Formen der Gewalt sind keine Einzelfälle. Sie haben nachweislich mit der Plantagenwirtschaft zugenommen.

Die Frauen der «Internationalen Allianz gegen industrielle Palmölplantagen» organisieren sich, um gemeinsam Widerstand zu leisten. In Kamerun ist es gelungen, das Thema auf die Agenda des Sozialministeriums zu setzen. Mit Fallberichten, juristisch aufgearbeiteten Beschwerden und Öffentlichkeitsarbeit gelingt es den organisierten Frauen, das Schweigen über Gewalt gegen Frauen zu brechen und sich gegenseitig zu stärken. Leider wurde mit der Ablehnung der Konzernverantwortungsinitiative eine wichtige Chance verpasst, die diesen Frauen eine Chance gegeben hätte, ihre Rechte in der Schweiz einzuklagen. Der Kampf für Frauenrechte bleibt aktuell, internationale Kampagnen wie die «16 Tage gegen Gewalt gegen Frauen» sind dafür ein wichtiges Instrument.

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