Hoffnung auf faire Prozesse

26.11.2020
Bildnachweis: Brot für alle (Headerbild und Vorschaubild)
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Gabriela Neuhaus arbeitet als Redaktorin
des Magazins Perspektiven bei Brot für alle

Socfin-Plantagen in Liberia verweigern Gespräche

In den letzten Wochen haben die CEOs verschiedener Konzerne gegenüber Schweizer Medien wiederholt betont, welch hohe Bedeutung sie der Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards in ihren Betrieben einräumten – weltweit. Die Menschen im Süden würden von den Konzernen allgemein profitieren, deren wirtschaftliche Aktivitäten zudem oft mit sozialem Engagement verbunden sei.

Was von solch schönen Worten zu halten ist, zeigt die aktuelle Recherche von Frank Sainworla und seinen Kollegen. Der liberianische Journalist und Gründer der unabhängigen Medienplattform Public Trust Media Group hat im Auftrag von Brot für alle diesen Sommer die beiden riesigen Kautschukplantagen Salala Rubber Corporation (SRC) und Liberian Agricultural Company (LAC) besucht, deren Management und Handel über zwei in der Schweiz ansässige Tochterfirmen des luxemburgischen Socfin-Konzerns abgewickelt werden.  

Klagen über Landvertreibungen, Gewalt und ein «Klima der Angst» auf den Socfin-Plantagen waren bereits im Februar 2019 publik geworden, als Brot für alle zusammen mit der liberianischen Partnerorganisation Green Advocates aufgrund verschiedener Besuche vor Ort einen aufsehenerregenden Bericht über die angetroffenen Missstände veröffentlichte. Im Mai 2019 reichten 54 Betroffene aus 22 Dörfern, wiederum mit Unterstützung der NGO Green Advocates, bei der Kreditvergabestelle der Weltbank für den Privatsektor (IFC) eine Beschwerde gegen Socfin ein. Diese hatte 2010 der Socfin SRC-Plantage einen Kredit über 10 Millionen USD gewährt – und schickte nun Vertreter ihrer Ombudsstelle nach Liberia, um die Situation vor Ort zu untersuchen. In der Folge machte die Ombudsstelle beiden Seiten ein Vermittlungsangebot, das von den Betroffenen in den Dörfern angenommen wurde. Socfin hingegen lehnte ab.

Mehr noch: Frank Sainworla zeigt in seiner aktuellen Recherche, dass Socfin nicht bloss die Vermittlungsgespräche ablehnte, sondern seit 2019 in den Dörfern offensichtlich eine Gegenorganisation aufbaute, die den Kritikern das Wasser abgraben sollte: Die Gründung der sogenannten Citizens Union, einer Gruppe, die hauptsächlich aus der lokalen Elite besteht und sich für die Seite des SRC-Managements stark macht, habe dazu geführt, dass ein Teil der Dorfgemeinschaften heute gespalten sei.

Die Wochenzeitung (WOZ) hat mit Frank Sainworla über seine Recherchen gesprochen und letzte Woche einen Artikel zur ganzen Geschichte publiziert. Dieser ermöglicht einen aufschlussreichen Einblick in die Art und Weise, wie der Konzern mit Kritik umgeht. Der verstörendste Punkt an Sainworlas Recherche sei, so die WOZ, dass das nationale Konzessionsbüro in Liberia behauptete, nichts von der Beschwerde der lokalen Bevölkerung zu wissen, während der Journalist festhält: «Wir können durch alte Zeitungsberichte und Mails der NGOs beweisen, dass die Regierungsagentur definitiv über die Beschwerde Bescheid weiss. Doch die Regierung hat bisher nichts in der Sache unternommen.»

Die WOZ hat Socfin mit Sainworlas Recherche konfrontiert. Einmal mehr verweigerte der Konzern das Gespräch und verweist auf das laufende Verfahren der IFC-Ombudsstelle. Diese hat nämlich, nach dem gescheiterten Vermittlungsangebot, eine weitergehende Untersuchung eingeleitet. «Ausserdem wollen wir nicht in eine politische Kampagne involviert werden, die rund um die Konzernverantwortungsinitiative-Abstimmung läuft», heisst es im Schreiben von Socfin weiter.

Ganz anders Frank Sainworla. Für ihn ist die Annahme der KV-Initiative eine Chance für die betroffene Bevölkerung in Liberia: «Wir erleben hier tagtäglich, was es heisst, in einem Kreislauf institutionalisierter Verantwortungslosigkeit zu stecken», sagt er gegenüber der WOZ. «Die Initiative ist für uns ein Wegöffner.»

Fazit: Ein Ja am kommenden Sonntag, 29. November zur Konzernverantwortungsinitiative tut dringend not. Weil die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards ein Recht ist. Ein Recht, das nicht dem Belieben der multinaltionalen Konzerne überlassen bleiben darf. Glänzende Jahresberichte und leere Versprechungen reichen nicht für dessen Umsetzung.

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