Grosses Medienecho in Nigeria

23.02.2021
SL

Silva Lieberherr arbeitet bei Brot für alle
als Fachperson Landwirtschaft und Landrechte

«Plantagen sind keine Wälder»

Wenn Chief Ajele Sunday, der Sprecher des Okomu-Clans, über die Okomu-Palmölplantage spricht, wählt er klare Worte: «Es ist unglücklich, dass die Regierung des Edo State bei der Versklavung der Menschen mitmacht, indem sie immer mehr Land an multinationale Firmen verkauft. Auf diesen Waldparzellen leben Menschen, die hier Landwirtschaft betreiben und Handel. Wo sollen die Leute hin, wenn man dieses Land verkauft? In Nigeria schützen die Gesetze nur die Reichen, während die Armen, die im Wald leben und uns ernähren, leiden.»[1]

Solche Worte kommen bei den Leuten der Okomu-Communities gut an. Der Begriff der «Versklavung» mag für uns etwas dramatisch erscheinen. Fakt ist: Die Situation vor Ort ist dramatisch.

So brannte etwa am 20. Mai 2020 das Dorf Ijaw-Gbene im Okomu-Gebiet nieder. Augenzeugen beschuldigen Sicherheitskräfte der Firma Okomu Oil Palm Plantation Plc (OOPC), gemeinsam mit Angehörigen der Armee dafür verantwortlich zu sein. In den Jahren zuvor waren schon drei weitere Dörfer unter ähnlichen Umständen in Brand gesteckt worden. OOPC, die zur Socfin-Gruppe gehört, weist die Anschuldigungen von sich.

Der Vorfall im Mai hat die örtlichen Bauern und Fischer obdachlos gemacht; ihr Hab und Gut wurde zerstört. Die 80 Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes mussten in Nachbargemeinden und Kirchen Obdach suchen.[2]

Engagierte Öffentlichkeitsarbeit

Als sich Ajele Sunday für die Betroffenen einsetzen wollte, versuchte die beschuldigte Firma, ihn zu diffamieren und seine Forderungen als haltlos darzustellen. Als Antwort darauf wollte er den Sachverhalt vor Ort aufdecken und zu den Leuten in die Dörfer fahren, sie unterstützen und mobilisieren, Journalisten informieren und Pressekonferenzen organisieren. Aber dafür brauchte er Geld. Nicht viel zwar – mit ein paar hundert Franken kann oft schon einiges bewegt werden.

Brot für alle hat deshalb Ajele Sunday, mit dem wir seit Jahren in verschiedenen Netzwerken zusammenarbeiten, finanziell unterstützt, damit er seine Aktivitäten für die Brandopfer durchführen konnte. Gerade in solch schwierigen Situationen ist es wichtig, den Leuten schnell und unkompliziert zur Seite zu stehen.

Kürzlich wollte ich von ihm wissen, wie es gelaufen sei. Sehr gut, schrieb er euphorisch zurück. Er habe die Herzen der Menschen gewonnen. Und das Medienecho muss enorm gewesen sein: «18 Fernsehstationen, 20 Onlinemedien und 15 Zeitungen» hätten schon darüber berichtet, und es würden immer mehr. Die Proteste der lokalen Bevölkerung seien viral gegangen.

Es sind diese Momente, in denen ich mich freue, für Brot für alle zu arbeiten: Wenn wir mit wenig Geld und spontaner Solidarität gemeinsam mit den lokalen Aktivisten so viel erreichen können.

Ajele Sunday will den Widerstand vor Ort zusätzlich mit seinem Song «Plantations are not forests» unterstützen und verbreiten. Es handelt sich um ein Protestlied gegen die UNO-Landwirtschaftsorganisation FAO, die Palmölplantagen als Wälder definiert. Diese Monokulturen aus endlosen Reihen von Bäumen sind nichts anderes als grüne Wüsten, die mit einem echten Wald nichts gemein haben.

Übrigens: Die von Okomu Oil Palm Plantation (OOPC) betroffenen Gemeinden haben einen Brief an Nigerias Präsident Muhammadu Buhari und den Governor des Bundesstaates Edo, Godwin Obaseki, geschrieben. Unterstützen auch Sie den Brief mit Ihrer Unterschrift: https://www.regenwald.org/petitionen/1224/doerfer-brennen-fuer-palmoel-stopp#more

[1] https://coastaltimesng.com/2021/01/31/marginalization-okomu-community-cries-out-protests-maltreatment-harassment-of-indigenes-by-oil-company/

[2] https://www.regenwald.org/petitionen/1224/doerfer-brennen-fuer-palmoel-stopp#more

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