Grosser Erfolg für Saatgutmesse in Kamerun

01.04.2021
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Ester Wolf ist Fachverantwortliche
für 
Recht auf Nahrung bei Brot für alle 

Saatgut fassbar gemacht

Ich fand das Thema Saatgut früher immer recht kompliziert. Es braucht einiges an Fachwissen, um die nationalen und internationalen Saatgutregelungen oder zum Beispiel die Herausforderungen von intellektuellen Eigentumsrechten, Patenten oder Hybridsaatgut zu verstehen. Inzwischen arbeite ich viel zu diesem Bereich und habe gemerkt, dass es auch sehr fassbar sein kann. Ein anschauliches Beispiel dafür war die festliche und farbenfrohe Saatgutmesse, die Ende Februar in Kamerun durchgeführt wurde.

Die Vorgeschichte dazu: Vor einiger Zeit ist unsere kamerunische Partneorganisation RADD (Réseau des Acteurs du Développement Durable) auf uns zugekommen. «Wir beobachten, dass unser lokales Saatgut nach und nach verschwindet», sagte uns Marie Crescence Ngobo, die Koordinatorin von RADD. «Früher wurden die lokalen Sorten von Generation zu Generation weitergeben. Heute weichen sie zunehmend dem uniformierten, oft industriell angebautem Saatgut. Die Biodiversität schwindet und damit viele sehr gute, lokal angepasste Saatgutsorten.» Um dem entgegenzuwirken, hatte RADD die Idee, eine grosse Saatgutmesse zu organisieren und bat Brot für alle um Unterstützung. Das Ziel von RADD ist es, die Vielfalt der lokalen Saatgutsorten zu bewahren und den Bauerfamilien zugänglich zu machen.

Viele Bauernorganisationen, mit denen wir in Westafrika zusammenarbeiten, organisieren regelmässig solche Messen. Somit konnten wir RADD nicht nur finanziell unterstützen, sondern sie auch beraten und mit Expertinnen und Experten aus aus anderen Ländern Westafrikas in Kontakt setzen. So konnte unsere malische Partnerorganisation Cofersa technische Tipps zur Konservierung und Dokumentation von Saatgut geben. Gleichzeitig kann RAAD auch von Cofersas politischem Engagement für den Schutz des bäuerlichen Saatguts lernen. Ich informierte RADD zudem über die Prozesse an der Uno zum Schutz von Saatgut. Zur Vorbereitung der Messe reiste das Team von RADD schliesslich wochenlang in entlegene Dörfer Kameruns, um bei den Bauernfamilien für die Teilnahme zu werben.

Premiere für Kamerun

Ende Februar 2021 war es dann soweit: Unter dem Motto «Unser lokales Saatgut retten und erhalten» fand in Esse, einem Dorf 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Yaoundé, Kameruns erste Saatgutmesse statt. Das Interesse an der Veranstaltung übertraf die Erwartungen der Organisatorinnen und Organisatoren bei Weitem. Über 800 Besucherinnen und Besucher kamen, um drei Tage lang an rund 100 Ständen Saatgut zu kaufen und zu tauschen. Seltene Sorten wurden dokumentiert und eine Auswahl konnte direkt auf einem von RADD betreuten Schulungsfeld angebaut werden Eine sehr seltene Sorte von schwarzem Mais wurde an einem Stand «neu» entdeckt. Die Artenvielfalt war gross, so konnte man unter anderem verschiede Sorten von Hirse, Maniok oder Sorgho finden. Konferenzen und Informationsveranstaltungen rundeten das Programm ab. Neben Fachleuten aus Kamerun stand auch ein Experte aus Mali seinen Kolleginnen und Kollegen mit Rat und Tat zur Seite. Neben Bäuerinnen und Bauern besuchten Politikerinnen und Politiker, lokale Autoritäten und zahlreiche Journalisten und Journalistinnen die Messe. Sogar die Landwirtschaftsministerien zählte zu den Gästen. Radio und Fernsehen berichteten über die gelungene Veranstaltung. Für die Einhaltung der sanitären Corona-Schutzmassnahmen sorgte ein Team von Medizinstudierenden. «Die Messe hat uns gezeigt, wie gross der Bedarf und das Interesse an unseren lokalen Sorten ist», freut sich die Koordinatorin von RAAD. «Für uns ist das der Auftakt für ein langfristiges Engagement zum Schutz unseres Saatgutes.»

Als Ansprechperson von Brot für alle für unsere Partnerorganisation RADD freue ich mich sehr über diesen Erfolg und ebenso darauf, das Engagement von RADD zum Schutz ihres Saatguts auch weiterhin zu unterstützen.

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