Einstehen für echte Klimagerechtigkeit

19.01.2021
Bildnachweis: Michael Schoch (Headerbild und Vorschaubild)
karin mader

Karin Mader arbeitet bei Brot für alle
als Fachexpertin für Wirtschaft & Menschenrechte (Elektromobilität, Elektronik)

Das missbrauchte Zitat

Gross war mein Erstaunen, als ich erfuhr, dass ich im Namen von Brot für alle die zweifelhafte Ehre habe, auf einer Website zitiert zu werden, die ganz offensichtlich gegen das neue CO2-Gesetz Stimmung macht. Diese wird von einer «IG Klimagerecht» betrieben, zu deren Gründungsmitgliedern u.a. Avenergy, der Dachverband der Schweizer Erdöllobby, gehört. Mit von der Partie sind auch Exponenten der SVP wie etwa ihr ehemaliger Präsident Alfred Rösti, der auf der Website unter dem Titel «Was ist Umweltschutz» gegen das CO2-Gesetz argumentiert.

Ich wurde* auf dieser Website in einem Beitrag über Elektromobilität mit einer Aussage zitiert, die im Beobachter vom 7. Dezember 2020 erschienen ist: Im Zusammenhang mit dem Abbau von Lithium in Südamerika, einem zentralen Batterie-Rohstoff für Elektrofahrzeuge, heisst es da: «Karin Mader von Brot für alle sagt gegenüber dem Beobachter: ‘Die lokale Bevölkerung leidet schon jetzt unter Frischwassermangel.’ Das Ökosystem rund um die Salzwüsten in Argentinien, Chile und Bolivien werde zerstört.»

Natürlich stehe ich nach wie vor voll und ganz hinter dieser Aussage und finde es grundsätzlich begrüssenswert, wenn die Schäden, die der zunehmende Rohstoffabbau verursacht, angesprochen werden. Daraus zu schliessen, dass Elektromobilität nicht «klimagerecht» und das CO2-Gesetz insgesamt der falsche Weg sei, ist jedoch völlig verfehlt!

Klimagerechte Lösungsansätze

Um die Klimaerwärmung zu bremsen, ist der Ausstieg aus den fossilen Energien dringend nötig. Dafür brauchen wir sowohl das CO2-Gesetz als auch neue Technologien wie die Elektromobilität. Dabei dürfen jedoch die Risiken und Schäden, die mit dem zunehmenden Rohstoffabbau für diese Technologien einhergehen, in der Tat nicht länger ausgeblendet werden. Nötig sind konkrete Massnahmen, wie wir sie im September 2020 zusammen mit Fastenopfer und dem Verkehrs-Club Schweiz VCS in unserer Studie «Die Batterie – Knackpunkt der Elektromobilität» skizziert haben:

  • Hersteller und Händler müssen ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrnehmen.
  • Die Politik muss Innovationen fördern sowie Anreize und Regulationen schaffen, damit Batterien von Beginn weg recycling-fähig konstruiert werden, möglichst lange genutzt, und anschliessend möglichst vollständig wiederverwertet werden. Denn Recycling vermindert den Bedarf an ständig neu geförderten Rohstoffen, und die damit einhergehenden sozialen und ökologischen Schäden.
  • Um den Rohstoffbedarf insgesamt zu begrenzen, braucht es gleichzeitig eine Reduktion des Fahrzeugbestands. Dies setzt voraus, dass wir unser Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling und Veloverkehr.

Es gibt sie also bereits, die «klimagerechten Lösungsansätze»!

Die SVP und die Schweizer Erdöl-Lobby sprechen auf ihrer neuen Website die menschenrechtlichen und ökologischen Risiken rund um den wachsenden Rohstoffbedarf an. Die Feststellung dieser Tatsachen ist ein erster wichtiger Schritt. Im zweiten Schritt geht es darum, die Umsetzung dieser Lösungen mitzutragen und zu fördern. Die Bekämpfung des CO2-Gesetzes ist dazu sicher kein taugliches Mittel. Im Gegenteil: Das neue CO2-Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Klimagerechtigkeit!

*Das Zitat wurde mittlerweile auf unser Betreiben hin von der Webseite gelöscht.

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