Das CO2-Gesetz und der Meeresspiegel

04.06.2021
YM

Yvan Maillard Ardenti ist bei Brot für alle verantwortlich für das Dossier Klimagerechtigkeit

Schlechte Aussichten für Menschen, die an der Küste leben

Der globale Klimawandel führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Was hat das für Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Küstenbevölkerung? Heute lebt jeder zehnte Mensch auf der Welt weniger als zehn Meter über dem aktuellen Meeresspiegel. Somit ist der Anstieg des Meeresspiegels eine der schwerwiegendsten Folgen des Klimawandels, insbesondere für die Menschen, die in Küstennähe leben. Am stärksten wird dies in Asien zu spüren sein: In China, Bangladesch, Indien, Vietnam, Indonesien und Thailand leben 237 Millionen Menschen in Gebieten, die im Jahr 2050 regelmässig überflutet sein werden.

In Indonesien etwa ist diese Bedrohung auf den Inseln vor der Küste der Hauptstadt Jakarta sehr real: Auf Pari, wo die indonesische Partnerorganisation von Brot für alle Walhi arbeitet, sind die Häuser und die wirtschaftliche Existenz der Menschen bereits heute durch die globale Erwärmung bedroht. Die Auswirkungen werden jedes Jahr gravierender. «Früher reichte das Wasser selbst bei Flut und starkem Wind nicht bis zu unserem Haus. Aber letztes Jahr, während der Regenzeit, stieg der Wasserstand so hoch, dass es vom Salzwasser überflutet wurde», sagt die Inselbewohnerin Ibu Deli. Heute müssen die Bewohnerinnen und Bewohner von Pari jedes Jahr mit Überschwemmungen rechnen, manchmal sogar zweimal im Jahr. Zudem werden ihre Trinkwasserbrunnen unbrauchbar, wenn Salzwasser ins Innere gelangt.

Globale Klima-Ungerechtigkeit

Doch die Menschen auf Pari nehmen ihr Schicksal nicht widerstandslos hin. Mit Hilfe von Walhi und Brot für alle schützen sie die Küste: Sie pflanzen Mangroven und Bäume, um die Wellen zu brechen und die Flut zurückzuhalten. Doch gegen den stetigen Anstieg des Meeresspiegels reicht das nicht. Leider ist ihre Insel dem Untergang geweiht: Nach Angaben des indonesischen Umweltministeriums wird die Insel Pari im Jahr 2040 vollständig vom Meer überflutet sein. Die Menschen, die heute auf Pari leben, werden bis dahin gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen und einen neuen Platz zum Leben zu finden.

Diese Situation ist tragisch und vor allem ungerecht: Denn jene Menschen, die am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben, leiden am stärksten unter deren Folgen. Die Schweiz hingegen gehört historisch zu jenen Ländern, die mit ihren hohen CO2-Emissionen wesentlich zur Klimakrise beigetragen haben. Sie muss deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Emissionen schnell reduzieren.

Das CO2-Gesetz, über das wir am 13. Juni abstimmen werden, wird es der Schweiz ermöglichen, die Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen zu beschleunigen. Deshalb unterstützt Brot für alle dieses Gesetz als äusserst notwendigen Schritt für eine wirksamere Schweizer Klimapolitik und als Wegbereiter für dringende und ambitioniertere Massnahmen für globale Klimagerechtigkeit.

Hier finden Sie eine gemeinsame Stellungnahme von Brot für alle und HEKS zum CO2-Gesetz.

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