Barbaren in der Scheune

29.09.2020
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Claudia Stürzinger und Silva Lieberherr arbeiten bei Brot für alle im Bereich Landwirtschaft.

Alles für den Gewinn

«Wir sehen Afrika als ein langfristig attraktives Investitionsziel… das Potenzial ist erstaunlich», sagte der Manager des  Private Equity Fonds «KKR», als sein Fonds sich für 200 Millionen Dollar beim  Rosenproduzenten Afriflora Sher einkaufte. Schon drei Jahre später verkaufte KKR die äthiopische Firma wieder und zog sich aus Afrika zurück. Die Begründung: Sie hätten nicht genügend grosse Firmen zum Kaufen gefunden.

Bei Private Equity geht es demnach darum, Firmen zu kaufen. «Private» heisst es, weil sich die Fonds in private Firmen einkaufen, die nicht an der Börse gelistet sind. Um in einen solchen Fonds einzusteigen, muss man Millionen Franken fix für mehrere Jahre investieren können. Die Fonds nehmen meist hohe Schulden auf, um die Übernahme der Firmen zu finanzieren – Schulden, auf denen nachher die übernommenen Firmen sitzen. Nach der Übernahme mischen sich die Manager des Private Equity Fonds aktiv in die Unternehmen ein, machen sie «profitabler» und verkaufen sie nach ein paar Jahren weiter.

Gefürchtet werden Private Equity Fonds von Firmen und Arbeiterinnen vor allem, weil «profitabel machen» meist heisst, Leute zu entlassen oder grosse Teile der Firma zu verscherbeln. Dem Fonds KKR und dessen Übernahme und Zerstückelung des Unternehmens RJR Nabisco wurde vor 30 Jahren gar ein Buch gewidmet mit dem vielsagenden Titel «Barbaren vor den Toren». Diese Namensgebung wurden die Private Equity Fonds bis heute aus gutem Grund nicht mehr los.

Wer profitiert

GRAIN – eine Partnerorganisation von Brot für alle – veröffentlicht am 29. September 2020 einen Bericht zu Private Equity (auf Englisch) in der Landwirtschaft, der zeigt, dass es den Fonds nur darum geht, möglichst viel Gewinn aus den übernommenen Firmen in der Land- und Lebensmittelbranche rauszuholen. Die Fondsmanager haben in der Regel keinen Bezug zur lokalen Landwirtschaft. Sie sitzen in  Sitzungsräumen fern von den Feldern, wo es nur um Dividenden und Zinsen geht und nicht um Landwirtschaft. Dieses unerbittliche Gewinnstreben führt dazu, dass kleine Firmen und Produzenten übernommen werden, Land zusammengekauft wird und die Macht in den Händen von einigen wenigen konzentriert wird. Aus Landwirtschaft wird Agrobusiness. GRAIN zeigt anhand von zehn Beispielen, wie Private-Equity-Deals in der Landwirtschaft ablaufen sowie deren Folgen für die übernommenen Firmen und die betroffenen Arbeiterinnen oder Bauern. Sie sind es, die für die horrenden Zinsen der neu angehäuften Schulden und für die Dividenden der Investoren bezahlen. Ganz im Gegensatz zu den Fondsmanagern, die – ob erfolgreich oder nicht – eine Verwaltungsgebühr von 2 Prozent des investierten Millionenvermögens erhalten und beim Wiederverkauf typischerweise noch 20 Prozent des Gewinns. Kurz: Das Risiko geht zu Lasten der lokalen Bevölkerung, der Gewinn aufs Konto der Investoren.

Was hat die Schweiz damit zu tun?

Besonders erzürnend ist, dass die Hauptinvestoren bei Private Equity in der Landwirtschaft Pensionskassen und Entwicklungsbanken sind. Beide investieren also mit Geld von Angestellten und Steuerzahlenden in solche zerstörerischen Übernahmen – oft noch im Namen sogenannter Entwicklung.

Die Schweiz hat als Mitglied einer Reihe von multilateralen Entwicklungsbanken, UN-Organisationen und globalen Fonds massgeblichen Einfluss auf globale Private-Equity-Geschäfte. Dazu gehören etwa die Interamerikanische Entwicklungsbank oder die Internationale Finanz-Korporation (diese hatte zusammen mit KKR in den Rosenproduzenten Afriflora Sher investiert). Ein zentraler Akteur in der Schweiz, der mit Private-Equity-Deals in Entwicklungs- und Schwellenländer investiert, ist der Swiss Investment Fund for Emerging Markets (SIFEM). Ein Beispiel zu seinen Tätigkeiten und was das mit der Milchwirtschaft in Indien zu tun hat, lesen Sie im nächsten Blog.

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