Medienmitteilung

Arbeitsbedingungen treiben Angestellte in den Selbstmord

07.12.2018

Bern / Lausanne, 7. Dezember 2018. Eine von Brot für alle und Fastenopfer mitfinanzierte Studie belegt: Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Elektronikfirmen erhöhen das Suizid-Risiko der Angestellten. Einer der Gründe ist der Produktionsdruck und der erhöhte Stress vor Verkaufsspitzen wie Weihnachten. Eine Taskforce soll nun Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen prüfen.

«Wir geben unser Leben hin, um ein Einkommen zu erzielen.» So beschreibt eine Angestellte eines chinesischen Elektronik-Zulieferers die gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen, die sie in die Verzweiflung treiben. Die Fabriken wälzen den Produktions- und Preisdruck, den sie durch die auftraggebenden globalen Firmen erfahren, auf die Menschen am Fliessband ab. Arbeitsstress – vor allem vor Verkaufsspitzen wie Weihnachten – ist denn auch ein wichtiger Grund für die hohen Selbstmordraten in chinesischen Elektronikfabriken. Dies belegt die neue Studie von Electronics Watch und Economic Rights Institute, die von Fastenopfer und Brot für alle mitfinanziert wurde.

2010 hatten zahlreiche Selbstmordfälle beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn für Schlagzeilen gesorgt. Die neue Studie untersucht nun die Zustände in weiteren Firmen. Sie zeigt, dass die Arbeitsbedingungen in den Fabriken bei Suiziden eine massgebliche Rolle spielen. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Stress wegen nicht gewährten Ruhezeiten und freien Tagen sowie Konflikte und Einschüchterung durch das militärisch organisierte Überwachungspersonal. Eintönige Arbeitsvorgänge ohne jegliche Änderungsperspektiven tragen zu Depressionen bei, ungenügende oder nicht ausbezahlte Löhne verschärfen den psychischen Druck.

Tipps für fairen Konsum

Untersucht wurden 167 in Internetforen publik gewordene Selbstmordfälle. Darauf folgten Umfragen in 44 Firmen und Interviews mit 252 Angestellten in vier ausgewählten Fabriken. Die Namen der Firmen werden jedoch nicht genannt, denn die Autoren der Studie haben sich mit Einverständnis von Brot für alle und Fastenopfer entschieden, im Interesse der Arbeitnehmenden konkret zu handeln. Sie schlagen dem einflussreichen internationalen Branchenverband Responsible Business Alliance (RBA) vor, eine gemeinsame Taskforce zu bilden, um die Missstände anzugehen und so die Arbeitsbedingungen für die betroffenen Menschen direkt zu verbessern.

Fastenopfer und Brot für alle setzen sich seit langem für bessere Arbeitsbedingungen im Elektroniksektor ein. «Der immer schnellere Ersatz elektronischer Geräte erhöht Produktionsdruck und Stress und damit das Suizid-Risiko für die Angestellten», sagt die Programmverantwortliche Karin Mader. Gerade in der konsumintensiven Weihnachtszeit sei es wichtig, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Nebst direktem Dialog und Forderungen an die IT-Firmen und -verkäufer warten Brot für alle und Fastenopfer deshalb auch mit konkreten Tipps auf, wie der Elektronik-Konsum fairer werden kann: Vor dem Kauf Ratings für faire Produkte konsultieren, Geräte reparieren, Secondhand kaufen etc.. Denn auch unter dem Weihnachtsbaum machen fair produzierte oder Second-Hand-Geräte genau so viel Freude wie die neusten Gadgets.

Material zum Download:

 

Rückfragen und Interviews:

  • Karin Mader, Programmverantwortliche Menschenrechte im Elektroniksektor Brot für alle / Fastenopfer 079 489 3824, mader@bfa-ppp.ch