Themen Entwicklungspolitik: Fairer Konsum

Apple verbessert sein Telefon, aber nicht die Arbeitsbedingungen

21.09.2012

Ab heute Freitag kommt das neue Apple-Telefon in vielen Ländern der Welt in den Handel. Hunderttausende werden erneut enthusiastisch vor den Apple-Läden in der Schlange stehen. Bei Foxconn in China arbeiten zugleich hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter in Reihen, um die gefragten Geräte herzustellen. Apple verspricht ein viel besseres Smartphone – aber von besseren Arbeitsbedingungen ist noch wenig zu sehen. Das zeigt die aktuelle Studie von Sacom, einer von Brot für alle unterstützten Nichtregierungsorganisation in Hongkong. Unter die Lupe nahm Sacom im September 2012 die Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Zhengzhou (China), wo Foxconn für Apple die neuen iPhone herstellt.

Die Studie* stellt fest, dass sich der Druck auf die Beschäftigten in der gegenwärtigen Hochsaison der Produktion noch verschärfen. Übermässige, teilweise unbezahlte Überstunden, schlechte Löhne und ausbeuterische Arbeitsbedingungen gehören dazu. Ursache sind die  kurzfristig von Apple vorgegebenen Auslieferungstermine. Sie machen die Planung schwierig. Die tiefen Löhne zwingen die Arbeiterinnen und Arbeiter dazu, mehr Stunden zu übernehmen, um ein Auskommen zu finden. Zusätzlich werden Studenten von der lokalen Regierung für Schein-Praktika zur Arbeit am Fliessband eingeteilt.

«Die Nachfrage von Apple bestimmt unser Leben», fasst ein Arbeiter seine Lage zusammen: «Mein tägliches Produktionsziel liegt bei 6400 Metall-Rohlingen. Ich bin jeden Tag erschöpft, wenn ich in den Schlafsaal komme, schlafe ich sogleich ein. Einerseits hoffe ich auf einen höheren Lohn. Andererseits kann ich nicht so lange am Stück ohne Pause arbeiten.»

Die Studie erfasst weitere Ungereimtheiten: Wer bei Foxconn sein Produktionsziel nicht erreicht, muss dieses in unbezahlten Überstunden nachholen; teilweise wird 13 Tage am Stück ohne freie Tage gearbeitet. Wer zur Toilette will, braucht eine Bewilligung, und wer Fehler macht, wird vor allen gescholten. Zudem wird in der Studie auf administrative Mängel hingewiesen.  Wer mit gefährlichen Substanzen arbeiten muss, wird nicht geschult. Aufzeichnungen über geleistete Arbeit gehen angeblich verloren. Willkürlich werden Beschäftigte auch auf unbestimmte Zeit in andere Fabriken in anderen Landesteilen versetzt.

Brot für alle fordert Apple auf, seinen Lieferanten gerechte Preise zu bezahlen und ausreichende Lieferfristen einzuplanen. Dadurch könnten die Löhne erhöht und übermässige Überstunden vermieden werden. Des Weiteren soll Apple die Kommunikation verbessern und die Transparenz erhöhen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter sollen sich zudem gewerkschaftlich organisieren dürfen.

Erstmals haben Fastenopfer und Brot für alle gemeinsam im Frühling 2007 im Rahmen der Kampagne „High Tech – No Rights?“ Apple dazu aufgerufen, für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen zu sorgen. Apple ist daraufhin im Januar 2012 der Fair Labor Association beigetreten, die seither positive Veränderungen festgestellt haben will. Regelmässige Untersuchungen durch die Organisation Sacom aus Hong Kong im vergangenen Mai und in den vergangen Wochen kommen zu einem anderen Schluss: Noch hat Apple die Arbeitsbedingungen bei Foxconn zu wenig verbessert.

Ihre Kontaktperson

Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik Brot für alle, 079 489 38 24, baumann(at)bfa-ppp.ch

Studie und Links

Sie können die Studie hier herunterladen.