Themen Entwicklungspolitik: Klima und Landwirtschaft

Agrotreibstoffe statt Nahrungsmittel: Die Jatropha-Nuss ist nicht die Lösung!

19.08.2009
Jatropha-Nuss Feld

Agrotreibstoffe aus der Jatropha-Nuss sind nicht nachhaltig und verdrängen den Anbau von Nahrungsmitteln. Dies belegt eine neue Studie aus Mosambik, die von der Schweizer Plattform Agrotreibstoffe in Auftrag gegeben wurde.

Im Parlament steht der Entscheid über die Initiative Rechsteiner für ein Moratorium für Agrotreibstoffe an. Die Studie aus Mozambique – die von Brot für alle mitfinanziert wurde – zeigt die Schattenseiten der vermeintlichen Wunderpflanze Jatropa. Sie beschreibt die schwierige Realität für Kleinbauern in Mosambik und belegt damit die Notwendigkeit des Moratoriums.
Die Parlamentarische Initiative von Rudolf Rechsteiner verlangt ein Moratorium für Agtrotreibstoffe. Rechtzeitig vor der Behandlung in der ständerätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie am 24. August veröffentlichen Schweizer Entwicklungs-, Umwelt und Bauernorganisationen einen Bericht über die Jatropha-Produktion in Mosambik. Die in Zürich neu gegründete Jatropha-Allianz pries die Pflanze kürzlich als Wundernuss für die Agrotreibstoffproduktion, da sie auf schlechten Böden ohne Bewässerung gedeihe und damit die Nahrungsmittelproduktion nicht konkurrenziere.

Doch die Realität sieht ganz anders aus „Bereits heute ist klar, dass Jatropha Mosambiks nachhaltige Entwicklung nicht fördert“, heisst es in der Studie. Dafür gibt es laut dem Autoren-team zwei Gründe: Jatropha verdrängt erstens den Anbau von Nahrungspflanzen durch Kleinbauern. Und diese ziehen zweitens kaum Profit aus dem Anbau der Export-Pflanze. Darüber hinaus wird Jatropha – entgegen den Beteuerungen der Promotoren – fast nur auf bewässerten landwirtschaftlichen Nutzflächen angebaut, unter Verwendung von Dünger und Pestiziden. Zudem führen Bestechung und falsche Versprechen dazu, dass die lokale Bevölkerung den Zugriff auf ihr Land verliert: Allein 2007 haben Investoren Lizenzen für die Erschliessung von fünf Millionen Hektar Land beantragt – eine grössere Fläche als die Schweiz.

Ständerat: Augen auf!

In der Schweiz hat eine in Bad Zurzach geplante Anlage Aufmerksamkeit erregt, die Biodiesel produzieren will – just aus mosambikanischem Jatropha. “Der Bericht aus Mosambik zeigt, dass Wunder auch in der Klimapolitik selten sind“, bedauert Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei Brot für alle. „Der Anbau von Jatropha wird die Hungerstituation weiter verschärfen.
Die ständerätliche UREK-Kommission muss diese Realität zur Kenntnis nehmen und sich am 24. August für ein Moratorium aussprechen. Es ist zu früh, um guten Gewissens die Einfuhr von Agrotreibstoffen zuzulassen.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gerne:    
– Miges Baumann, Entwicklungspolitik Brot für alle: 031 380 65 72

Die Studie wurde erstellt von der mosambikanischen Umweltorganisationen Justicia Ambiental und dem Bauernverband UNAC, im Auftrag der Plattform Agrotreibstoffe, und finanziert von: Alliance Sud, Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien, Basler Appell gegen Gentechnologie, Bio Suisse, Brot für Alle, Caritas, Erklärung von Bern, Fastenopfer, HEKS, Kleinbauern-Vereinigung, Pro Natura, Reformierte Kirchen BE-JU-SO, SWISSAID, Terre des Hommes, Uniterre.

Neben den bereits genannten sind die folgenden Organisationen aktiv in der Plattform Agrotreibstoffe und unterstützen die Forderung nach einem fünfjährigen Moratorium: ÄrztInnen für Umweltschutz, Bio Forum Schweiz, Greenpeace, IP Suisse, Public Eye on Science, Solifonds, Verkehrs-Club der Schweiz VCS.