Medienmitteilung zum Rückzug von Addax

Addax zieht sich aus Vorzeigeprojekt zurück – doch die Verantwortung bleibt

22.03.2016

Bern, 22. März 2016 – Die Schweizer Addax Bioenergy will ihr Projekt zur Herstellung von Agrotreibstoff in Sierra Leone verkaufen. Das Landwirtschaftsministerium bestätigt, dass diesbezüglich Gespräche mit der britischen Sunbird Bioenergy stattfinden. Brot für alle und ihre Partnerorganisation Silnorf fordern Addax und deren öffentliche Geldgeber, darunter auch das Seco, auf, dafür zu sorgen, dass die Landpachtverträge überarbeitet werden und die Bäuerinnen und Bauern nicht erneut das Nachsehen haben.

Die Genfer Firma Addax Bioenergy gibt die Herstellung von Agrotreibstoff in Sierra Leone auf. Das durch viele öffentliche Entwicklungsgelder mitfinanzierte Projekt hat nicht die erwarteten Resultate gebracht. Addax will deshalb das Zuckerrohrprojekt in Sierra Leone verkaufen. Wie die Wirtschaftssendung „eco“ von SRF gestern Montagabend bekannt gab, bestätigte Landwirtschaftsminister Monty Patrick Jones, dass Übernahmegespräche mit der britischen Sunbird Bioenergy Ltd. stattfinden. Der potenzielle Investor hat enge Verbindungen mit den Firmen China New Energy und Global Lock China, die auf der Liste der „Dubiosen 40 China AIM Casino Firmen“ der britischen Aktienanalysten Share Prophets figurieren. Für Share Prophets, die ebenfalls die am Untermarkt AIM der Londoner Börse gehandelten Firmen analysieren, bleiben rund um Sunbird Bioenergy Ltd. viele Fragen offen.

Addax hat den Zuckerrohranbau auf der 10 000 Hektar Plantage schon im Juli 2015 gestoppt und produziert seither weder Ethanol noch Elektrizität. Die temporär angestellten Arbeiter sind entlassen worden, die anderen freigestellt. Ob der neue Investor ebenfalls Zuckerrohr anbauen will, ist unklar. Sunbird Bioenergy setzt zur Herstellung von Agrotreibstoff stark auf Maniok. Silnorf und Brot für alle begleiten seit 2010 die Menschen vor Ort und sind besorgt.

«Das Beispiel Addax Bioenergy in Sierra Leone zeigt, wie ein ausländischer Investor die lokale Bevölkerung in Abhängigkeiten führt: Zuerst verpachten die Behörden und Dorfchefs das Land der Bäuerinnen und Bauern und gefährden deren Lebensgrundlage. Mit dem Rückzug von Addax droht den Menschen noch mehr Ungemach», befürchtet Silva Lieberherr, Fachperson für Land Grabbing bei Brot für alle. Die Entwicklungsorganisation verlangt von Addax und den Entwicklungsbanken, die das Projekt mitfinanzierten, ihre Sorgfaltspflicht und Verantwortung wahrzunehmen. Es zeigt sich einmal mehr, dass solche Investitionen nicht zielführend sind.

Addax hat in das Makeni-Projekt rund 500 Millionen Franken investiert. Ziel war, den europäischen Markt mit Agrotreibstoff aus Zuckerrohr zu beliefern. Das Vorhaben wurde von acht Entwicklungsbanken mitfinanziert. Die Investition galt bisher als Vorzeigeprojekt für eine nachhaltige Entwicklungsfinanzierung und als Beispiel für eine erfolgreiche „öffentlich-private Partnerschaft“. Auch Steuergelder aus der Schweiz sind vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco in dieses Projekt geflossen.

Brot für alle und Silnorf haben seit 2010 Verbesserungen für die lokale Bevölkerung ausgehandelt. Was nun aber mit dem auf 50 Jahre vereinbarten Pachtvertrag und den rund 235 Millionen Franken an öffentlichen Geldern beim Verkauf geschieht, ist unklar. Die Bevölkerung soll nicht ein weiteres Mal durch das Projekt geschädigt werden, verlangen Brot für alle und Silnorf. «Eine grundlegende Überarbeitung der Pachtverträge ist notwendig. Beim Verkauf des Projektes müssen Addax, die Entwicklungsbanken und auch das Seco ihre Verantwortung übernehmen. Sie müssen dafür sorgen, dass das Makeni-Projekt nicht an eine dubiose Firma verkauft wird und dass die Arbeitsplätze und die Programme zur Unterstützung von Bäuerinnen und Bauern bestehen bleiben», fordert Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei Brot für alle. 

Auskunft: Miges Baumann, Brot für alle, 079 489 38 24

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