Themen Entwicklungspolitik: Land Grabbing

Addax kurz vor Produktionsbeginn: Negative Folgen und Unzufriedenheit bleiben

28.08.2013

Addax Bioenergy baut in Sierra Leone in grossem Massstab Zuckerrohr an, um daraus Agrotreibstoff zu gewinnen. Eine neue Untersuchung der lokalen Organisation SiLNoRF und von Brot für alle zeigt, dass die negativen Folgen nach wie vor bedeutend und die Unzufriedenheit gross sind. Gewisse positive Auswirkungen konnten jedoch in Dörfer in der Nähe der Fabrik festgestellt werden.

 

Seit gut einem Jahr läuft das Projekt der Genfer Addax Bioenergy in Sierra Leone auf vollen Touren. Auf rund 10 000 ha soll Zuckerrohr angebaut und Ende Jahr erstmals Agrotreibstoff für den Export hergestellt werden. Für Abass Kamara, Nationaler Koordinator von SiLNoRF Sierra Leone Network on the Right to Food, bleibt die Bilanz aber weiterhin gemischt. «Addax hat weitere Leute angestellt und das bringt in einige Dörfer rund ums Projekt gewisse wirtschaftliche Verbesserungen. Doch viele Leute bleiben unzufrieden und bemängeln, dass nicht sie mit Addax die Verträge verhandeln konnten.»

«Es war nie unsere Absicht, das gesamte Land Addax zu verpachten», betont Saidu Fullah, Landbesitzer in Mamariah. Unterschrieben wurden die Vereinbarungen von den traditionellen lokalen Behörden, den Chiefdom Councils. Viele der betroffenen Bäuerinnen und Bauern beurteilen auch die Pacht für ihr von Addax übernommene Land und die Entschädigungszahlung für die abgeholzten Ölpalmen als zu gering. Auch wurde die Höhe der Entschädigung je Hektare von der Regierung und Addax vorgegeben. Deshalb verlangen die Landbesitzerinnen und Landbesitzern eine Neuverhandlung der unfairen Landpachtverträge. «Mit unseren Partnern in Sierra Leone helfen wir ihnen jetzt, ihre Rechte mit einem lokalen Rechtsanwalt durchzusetzen», sagt Yvan Maillard Ardenti, Programmverantwortlicher von Brot für alle.

Die letzte Reisernte auf den Gemeinschaftsfeldern fiel unbefriedigend aus. Ob die auf drei Jahre befristete Unterstützung für die lokalen Bauernfamilien durch das Farmer Development Programm von Addax genügend hilft, ist sehr fraglich, weil dieses auf eine Landwirtschaft mit teuren Hilfsstoffen setzt, welche die Bauern oft nicht bezahlen können. SiLNoRF und Brot für alle stellten aber auch fest, dass Addax bereits 1500 Menschen beschäftigt, davon die Hälfte als Saisonarbeiter. Die Löhne liegen über dem im Lande geltenden Mindestlohn. Das bringe eine gewisse wirtschaftliche Entwicklung in einigen Dörfern in der Nähe der Fabrik, erläutert. Yvan Maillard Ardenti.

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